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Entwicklungshilfe : Wasser vom Kiosk

Die Wasserverteilung will organisiert sein Bild: picture-alliance / dpa

Die Entwicklungshilfe flickt nicht mehr nur Rohre - mittlerweile reformiert sie ganze Wassersektoren von Grund auf. Dafür ist häufig Überzeugungsarbeit von Nöten.

          Wenn Helmut Lang über seine Arbeit spricht, räumt er zuerst ein paar Mißverständnisse aus dem Weg. „Wir flicken nicht mehr die Rohre oder reparieren die Pumpen, sondern wir sorgen dafür, daß es Organisationen gibt, die Rohre flicken und Pumpen reparieren“, sagt der Leiter des Kompetenzfelds Wasser, Abwasser und Abfall bei der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ).

          Henrike Roßbach

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Im Wassersektor berät die GTZ Unternehmen und Regierungen, baut Institutionen auf und hilft, moderne Gesetze zu entwickeln. Sechzig Fachleute sind auf der Welt im Wassereinsatz. Fast alle Projekte sind Kooperationen. Während die GTZ berät, also die „Software“ liefert, finanziert etwa die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) Reparaturen an der Wasserinfrastruktur, der „Hardware“.

          Neue, effiziente Wassergesetze

          Die Entwicklungshelfer aus Eschborn bei Frankfurt arbeiten überwiegend im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Zu einem Projekt kommen sie normalerweise, weil Länder um ihre Hilfe bitten. Die Mission heißt gewöhnlich „Reform des Wassersektors“. Doch was sich so schlicht anhört, ist langwierig und aufwendig. Weil Pumpen reparieren auf Dauer nichts nutzt, fängt die GTZ ganz von vorne an, beginnt bei der wassertechnischen Stunde Null.

          Lang selbst hat sechs Jahre im südlichen Afrika gearbeitet und dort erlebt: „Die Wassergesetze stammen zum Teil aus der Kolonialzeit.“ Am Anfang einer modernen Wasserpolitik steht die Zusammenarbeit mit der Politik. Die Regierungen müssen neue, effiziente Wassergesetze erlassen. In einem zweiten Schritt werden Institutionen aufgebaut. Afrika, die Subsahara-Zone, ist das Problemgebiet Nummer eins, wenn es um die Wasser- und Abwasserversorgung geht. In Ländern wie Uganda, Kenia, Tansania, Zimbabwe oder Sambia war und ist die GTZ aktiv.

          Regulierung funktioniert „richtig gut“

          Beispiel Sambia: Im Jahr 1993 begann die GTZ mit der Politikberatung, 1994 kam das neue Wassergesetz. Sechs Jahre später nahm die Regulierungsbehörde, die den Wassersektor überwacht, ihre Arbeit auf. Seit 2002 funktioniere der Regulierer „richtig gut“, sagt Lang. Weil Kontrolle alles ist, hat die Regierung auch für „Water User Watch Groups“ gesorgt, die Beschwerden der Verbraucher dem Versorger oder gar dem Regulierer melden. Die Regulierer verlangen Geschäftspläne von den Wasserversorgern und geben ihnen Ziele vor.

          Zum Beispiel sollen sie die Verlustrate auf 25 Prozent verringern - also den Teil des Wassers, der auf dem Weg zum Verbraucher verlorengeht. Oder sie solle die Versorgung von zwölf auf vierundzwanzig Stunden erhöhen. Sie versuchen auch, die richtigen Anreize zu schaffen, etwa dadurch, daß die Versorger nur dort ihre Tarife erhöhen dürfen, wo Wasserzähler installiert sind. Mit den höheren Tarifen in besseren Stadtvierteln, wo die Häuser eigene Wasseranschlüsse haben, will man auf diese Weise das Wasser für die Armen subventionieren. In den Armenvierteln funktionieren „Wasserkioske“ oft gut. Dort können die Anwohner ihr subventioniertes Wasser billig kaufen, die Kioskbesitzerin lebt von einem kleinen Gewinnzuschlag.

          „Zum Wasser führen, aber nicht zum Trinken zwingen“

          Zu einer modernen Wasserpolitik gehört auch, die Ressource Wasser gemeinschaftlich zu verwalten - und das soll Aufgabe der Verbraucher sein. In einigen Ländern sind Wasserparlamente entstanden, in die alle Wasserverbraucher, vom Landwirt bis zum Bergwerksbesitzer, ihre Vertreter entsenden. Einmal im Monat treffen sie sich, bearbeiten auch Anträge auf Entnahmegenehmigung. „Das ist ein Ausdruck der Partizipation“, sagt Lang, „keine Blaupause zu nehmen und zu sagen: ,Die übernehmt ihr jetzt', sondern eine Diskussion in Gang zu bringen.“

          Nicht immer klappt ein Projekt so reibungslos, wie es konzipiert war. Es funktioniere nicht, die Probleme eines Landes zu erkennen und dann ungefragt dorthin zu gehen, sagt Lang. Die größte Chance für Erfolg gebe es, wenn der Problemdruck groß sei, es den Leuten unter den Nägeln brenne. Oft funktioniert die Wasserversorgung zwar mehr schlecht als recht, aber eben gerade so gut, daß die Entscheider nicht bereit sind, ganz von vorne anzufangen. „Man kann die Pferde zwar zum Wasser führen, aber nicht zum Trinken zwingen“, zitiert Lang.

          „Geduld, Phantasie und Humor“

          Mit vielem müssen die GTZ-Mitarbeiter zu leben lernen, wenn sie im Ausland an einem Projekt arbeiten. Angestellte im öffentlichen Dienst, zu dem die Wasserversorger ja oft gehören, haben in Entwicklungsländern häufig eine Zweitstelle, weil sie mit der ersten nicht genug verdienen. Den Wasserplanern stehen sie dann auch nur halb zur Verfügung.

          „Sich da zurückzunehmen, Geduld aufzubringen und nicht in die Macherrolle zu verfallen“, das sei die Kunst, sagt Lang. „Es ist wie das Kochen auf einem Vier-Platten-Herd, wenn man nicht weiß, welche Platte gerade heiß ist.“ Deshalb arbeiten die GTZ-Leute immer an drei oder vier Projekten gleichzeitig. Und wenn sie merken, eines ist „heiß“, dann wenden sie sich dem zu und lassen ein kaltes erst einmal ruhen. „Man braucht Geduld, Phantasie und Humor.“

          Quelle: F.A.Z., 22.03.2005, Nr. 68 / Seite 9

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