24.04.2002 · Es kreucht und fleucht immer noch gewaltig auf dieser Welt. Aber ganz so viele Insekten wie zuvor errechnet bevölkern unseren Planeten wohl doch nicht.
Die Artenvielfalt der Insekten ist nach einer neuen Berechnung kleiner als bislang angenommen. Statt der bisher vermuteten rund 30 Millionen gebe es nur etwa vier bis sechs Millionen Arten in dieser Gruppe, berichtet ein internationales Forscherteam in der neuen Ausgabe des britischen Fachblatt „Nature“. Die Wissenschaftler hatten bei einer Untersuchung zu den Ernährungsgewohnheiten von Insekten festgestellt, dass das bisherige Rechenmodell zur Zahl der Insektenarten von einer falschen Grundannahme ausgeht.
Ursprünglich wollten die Wissenschaftler um Vojtech Novotny vom Institut für Entomologie (Insektenforschung) der Universität Südböhmen im tschechischen Ceske Budejovice herausfinden, ob tropische Insekten hinsichtlich ihre Ernährung eher Spezialisten oder eher Generalisten sind - sie sich also von nur einer einzigen Pflanzenart oder auch von mehreren ernähren können. Das tschechische Team überprüfte zusammen mit Kollegen aus den USA und Schweden 51 in Neu Guinea vorkommende Pflanzen darauf, welche Insekten sich von ihnen ernährten.
Sechsbeiner ernähren sich von mehreren Pflanzen
Dabei stellten sie fest, dass nur eine kleine Anzahl der Insekten zu den Spezialisten gehört. Die meisten Insekten hingegen haben ein breites Wirtsspektrum, sie ernähren sich von verschiedenen, wenngleich zumeist eng verwandten Pflanzen. Die bisherige Modellrechnung allerdings basiere auf genau der gegenteiligen Annahme, nämlich dass eine Insektenart nur eine Pflanzenart frisst, heißt es in dem Magazin. Folglich sei die Artenvielfalt einer einzigen Pflanzenart ermittelt und von der Vielfalt der Pflanzen in den Tropen auf die Vielfalt der Insekten zurück geschlossen worden.
Bislang sind eine bis zwei Millionen Insektenarten identifiziert. Jedes Jahr kommen etwa 10.000 hinzu. Bei dieser Geschwindigkeit benötigen die Forscher noch mehrere hundert Jahre, um alle Insekten zu beschreiben - vorausgesetzt, deren Lebensraum ist bis dahin nicht zerstört.