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Entführung Jakob von Metzler ist tot / Haftbefehl gegen Hauptverdächtigen erlassen

01.10.2002 ·  Die schlimmsten Befürchtungen haben sich bestätigt: Der entführte Bankierssohn Jakob von Metzler ist ermordet worden.

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Der am vergangenen Freitag in Frankfurt entführte Bankierssohn Jakob von Metzler ist tot. Der elfjährige Junge ist vier Tage nach seiner Entführung tot in einem See gefunden worden. Die Polizei stieß am Dienstag auf die als Bündel zusammengeschnürte Leiche. Nach Erkenntnissen der Ermittler ist Jakob bereits am Entführungstag getötet worden.

Ein bereits am Vortag festgenommener 27-jähriger Student hatte die Tat nach Erkenntnissen der Polizei offenbar alleine begangen. Der aus Frankfurt stammende Mann hatte sein Opfer nach Darstellung der Polizei gekannt. Er wurde am Abend unter dringendem Verdacht des Mordes und erpresserischen Menschenraubes in Untersuchungshaft genommen.

Mutmaßlicher Täter war Bekannter der Familie

Die Eltern von Jakob, die vor der Pressekonferenz vom Frankfurter Polizeipräsidenten Harald Weiss-Bollandt informiert worden waren, hätten die Nachricht mit „bewundernswerter Gefasstheit“ aufgenommen. Angeblich identifizierten sie die Leiche sogar selbst. Jakob war das jüngste von drei Kindern. Der Junge wurde als vorsichtig beschrieben.

Der Hinweis auf den Fundort der Leiche kam nach Angaben der Ermittler von dem Hauptverdächtigen, einem 27 Jahre alten Jurastudenten aus Frankfurt. Der Student soll mit Familie und vor allem den Kindern „nah bekannt“ gewesen sein. Am Dienstagabend erließ Haftrichter Werner Dimde Haftbefehl gegen den Frankfurter und schickte ihn in Untersuchungshaft. Der Vorwurf, so ein Gerichtsprecher: Verdacht auf erpresserischen Menschenraub und Mord. Die Polizei geht davon aus, dass der Mann als Einzeltäter gehandelt hat.

Offenbar Einzeltäter

Explizit zugegeben habe der Mann die Tat bisher nicht, hieß es. Auf Ratschlag seines Anwalts äußerte er sich zu den Haftgründen nicht. Allerdings deuten viele Indizien und Bemerkungen während der Vernehmungen auf ihn als Täter - ebenso auf seine alleinige Täterschaft. Er soll auch das Lösegeld in Höhe von einer Million Euro selbst abgeholt haben, dass die verzweifelten Eltern in der Nacht zum Montag gezahlt hatten. Schon zu diesem Zeitpunkt habe die Polizei den Studenten im Visier gehabt.

Nach Zeitungsinformationen wurde der Mann festgenommen, als er sich ein Flugticket auf die Malediven kaufen wollten. Der Student hatte die Polizei mit seinen Aussagen selbst zu dem Fundort der Leiche in der Nähe von Schlüchtern gelenkt. Zwar hat der 27-Jährige den Mord nach Darstellung der Polizei nicht zugegeben, es deuteten aber viele Indizien und Bemerkungen auf seine alleinige Täterschaft. Das Motiv war zunächst unklar, vor dem Haftrichter äußerte sich der Mann auf Anraten seines Anwalts nicht.

Opfer hatte Würgemale am Hals

Nach ersten Ergebnissen der Obduktion ist das Opfer entweder erwürgt worden oder ertrunken, sagte Oberstaatsanwalt Rainer Schilling am Abend. Am Hals des Jungen seien Würgemale zu erkennen gewesen. Nähere Ergebnisse der Obduktion wie auch der Spurensuche sollen am Mittwoch veröffentlicht werden.

Der 27-jährige Student im 13. Semester hat nach den Erkenntnissen der Ermittler in jüngerer Zeit versucht, mit den Kindern der Bankiers-Familie Freundschaft zu schließen, so Oberstaatsanwalt Rainer Schilling. Der mutmaßliche Täter soll gegenüber der Bushaltestelle gewohnt haben, an der Jakob von Metzler schließlich entführt wurde. Es gilt als denkbar, dass der Junge arglos in den Wagen des Bekannten stieg und schon allein deshalb sterben musste, weil er seinen Entführer kannte. Ob eine größere Geldmenge, die in der Wohnung des Verdächtigen gefunden wurde, ein Teil des Lösegeldes ist, ist noch nicht gesichert.

Weitere Tatverdächtige wieder freigelassen

Drei weitere Tatverdächtige, die vorübergehend festgenommen worden waren, sind inzwischen wieder auf freiem Fuß. Polizeipräsident Bollandt sprach von einem „menschenverachtenden Verbrechen“. Die Tat sei in der jüngeren Geschichte zumindest des Polizeipräsidiums Frankfurt „ohne Beispiel“. Die Polizei habe „alles Menschenmögliche“ unternommen, um das Leben des Jungen zu retten. „Leider scheint ist uns das nicht gelungen.“

Die Polizei war vom Beginn der Entführung am Freitagmittag in das Geschehen eingeschaltet. Der Täter habe zunächst erkennen lassen, dass er sich an seine Planungen halte und sei von der Polizei beobachtet worden. Als er nach der Lösegeldübergabe keine Anstalten machte, sein Opfer zu versorgen, habe man am Montag die Öffentlichkeit informiert.

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