Home
http://www.faz.net/-gum-3ds1
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Energie Zu viel ist auch bei neuen Energien zu viel

22.08.2002 ·  Flutkatastrophe und Weltgipfel in Johannesburg rücken die Energiegewinnung ins Rampenlicht. FAZ.NET beschäftigt sich damit in einer Serie.

Von Cornelia Pretzer
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Ob es den menschgemachten Treibhauseffekt gibt oder nicht, wird heiß diskutiert. Ob der Mensch schuld daran ist, dass die Erde sich im Mittel in den vergangenen Jahren ständig erwärmt hat, ist nicht geklärt. Aber manchmal müssen Maßnahmen ergriffen werden, ehe die Schuldfrage eindeutig geklärt ist. Denn der Mensch schaut zu oft zu wenig nach vorn und um sich, sondern klagt im Nachhinein über sein anmaßendes Verhalten.

Welcher Wissenschaftler würde für sich in Anspruch nehmen, alle Prozesse zu kennen, die die Atmosphäre und die Ozeane bestimmen? Deshalb steht hinter jeder Prognose ein Fragezeichen. Es zeichnet sich jedoch ab, dass die Menschheit einen schlimmen Fehler gemacht hat, als sie ihren ständig wachsenden Energiebedarf mit dem Verbrennen fossiler Brennstoffe deckte. Deshalb sucht sie jetzt nach Alternativen.

Maß halten

Doch auch diese Alternativen können schlecht sein. Zwar maßt sich der Mensch an, nachhaltig von nicht-nachhaltig unterscheiden zu können, doch wie weit und wie genau kann er in die Zukunft sehen? Wie weit versteht er die Prozesse, die dahinter stecken? Auf den ersten Blick scheint es sinvoll und richtig, auf alternative Energiequellen zu setzen und mag es auf den zweiten auch bleiben - vor allem im Gegensatz zu den bislang beschrittenen Wegen. Doch wer kennt die Auswirkungen der neuen Energiequellen?

Die Energieerzeugung aus Wasserkraft ist in Deutschland nahezu erschöpft, weil keine neuen Stauseen mehr gebaut werden, weil die Ökologie der Gewässer zu sehr eingeschränkt ist. Doch der Energiehunger der Menschen wird vor ökologischen Einwänden auch bei alternativen Energien nicht Halt machen. Und wie sich möglicherweise riesige Windkraftanlagen auf das Mikroklima auswirken können, ist bislang nicht geklärt. Vielleicht stellen wir später fest, dass die Windenergie, die zu Strom gemacht wird, an anderer Stelle fehlt, dass bestimmte Tiere aussterben, oder auch der Mensch. So wie wir jetzt kopfschüttelnd bemerken, dass Kernkraft mit Radioaktivität verbunden ist und fossile Brennstoffe zur Neige gehen können - warum hat denn da niemand vorher dran gedacht?

Der Sinneswandel und die Suche nach besseren Alternativen bei der Energiegewinnung sind wichtig und gut, bloß eines darf nicht vergessen werden. Einzusehen, dass das eigene Wissen beschränkt ist, und daraus Konsequenzen zu ziehen. Und eine Konsequenz muss heißen: Maß zu halten. Und dazu gehört es, bevor ein neuer Weg beschritten wird zu denken, und erst dann zu handeln. Doch das scheint der menschlichen Natur seit jeher zuwider zu laufen.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen