Die Stelle, an der das Gas auf der Elgin-Förderplattform entweicht, ist nach Angaben des Energiekonzerns Total lokalisiert. Sie soll etwa 25 Meter oberhalb der Wasseroberfläche liegen. Unklar blieb, wo genau das Gas austritt. Bei dem havarierten Bohrrohr soll es sich um eine schon vor rund einem Jahr stillgelegte Förderleitung handeln. Viel spricht dafür, dass der Betonpropfen, mit dem man den Rohrstrang verschlossen hat, aufgeplatzt ist und das Gas aus dem offenliegenden oberen Ende des Bohrrohrs entweicht.
Denkbar ist auch, dass der Propfen undicht geworden ist und zudem das darüber sitzende Sicherheitsventil (Blowout Preventer) versagt hat. Als weitere Möglichkeit kommt eine Leckage im Verschluss zwischen Bohrrohr und dem das Förderrohr umgebenden Schutzrohr (Casing) in Frage. Möglicherweise ist die jetzt gefundene Stelle des Gasaustritts nicht die „Bruchstelle“. Das Gas kann anderswo aus dem stillgelegten Förderstrang entweichen, durch eine Rohrleitung aufsteigen und dann durch die Öffnung entweichen.
Total hält sich zwei Optionen offen
Die Öffnung, an der das Gas austritt, hat man also gefunden. Das heißt aber nicht, dass man nun einfach den Gasfluss stoppen könnte. Total hält sich zwei Optionen offen. Die eine ist das Niederbringen einer Entlastungsbohrung. Man könnte - wie beim Verschließen der havarierten Öl-Förderleitung im Golf von Mexiko nach der Explosion der Plattform „Deepwater Horizon“ - das Förderrohr weit unterhalb des Meeresbodens anstechen und Zementbrei in das Rohr pumpen. So würde sich im Rohr eine „Schlammsäule“ bilden, die dem Gas, das mit hohen Druck (bis zu 1000 bar) aufsteigt, einen ausreichend großen Widerstand entgegen zu setzen. Diese Methode (Bottom Kill) ist erprobt. Dutzende Bohrungen, die außer Kontrolle geraten waren, konnten in den zurückliegenden Jahren so unter Kontrolle gebracht werden. Mit dem Vorschlag, eine Entlastungsbohrung zu setzen, ist sicher nicht gemeint, die Lagerstätte anzubohren, um auf diese Weise Druck abzubauen.
Die zweite Option ist die Technik „Top Kill“. Dabei versucht man, von oben Zementbrei, Schlamm und größere Brocken wie Steine und zerkleinerte Autoreifen in das Bohrrohr zu füllen. Das ist schon deshalb nicht einfach, weil man den Gasdruck überwinden muss. Alle diese Versuche waren bei den Rettungsversuchen im Golf von Mexiko gescheitert.
Auswirkungen für Umwelt unklar
Unklar sind die Auswirkungen für die Umwelt. Nach Angaben des schottischen Ministerpräsidenten Alex Salmond sind die Umweltauswirkungen bisher minimal. Das sieht die Umweltorganisation Greenpeace anders und verweist auf die klimaschädigende Wirkung des austretenden Gases. Der Teppich aus Gaskondensat, der in einer Ausbreitung von 22 Kilometern Länge und 4,5 Kilometern Breite auf dem Wasser schwimmt, habe insgesamt ein Gewicht von etwa 3,8 Tonnen, teilte das britische Ministerium für Energie- und Klimaschutz am Freitag mit.
Die Elgin-Plattform bleibt für Menschen gesperrt, denn es herrscht weiter Explosionsgefahr. So brennt auf der unmittelbar daneben stehenden Produktionsplattform PUQ immer noch eine Flamme, mit der überschüssiges Gas aus dem Rohrsystemen abgefackelt wird. Zwei Feuerwehrschiffe hat man zum Löschen in Stellung gebracht. Neben einem Überwachungsschiff mit Unterseetechnik sind das die einzigen Schiffe, die in die Zwei-Meilen-Sperrzone gelassen werden. Die kleiner werdende Flamme werde in den nächsten Tagen vermutlich von selbst ausgehen, sobald nicht mehr genügend Gas in den Rohren ist. Dennoch wird weiterhin nach Wegen gesucht, sie zu löschen.
Die "Umweltorganisation Greenpeace"
Klaus Ermecke (kermecke)
- 31.03.2012, 09:21 Uhr