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El Toro de la Vega : Blutiger Tag auf der Wiese

  • -Aktualisiert am

Ein blutiges Spektakel: der Toro de la Vega im Jahr 2011 Bild: dpa

Einmal mehr werden am Dienstag in Tordesillas Männer einen Stier mit Lanzen jagen. Doch der Widerstand gegen die Fiesta wächst. Selbst Freunden des traditionellen Stierkampfs ist das Event allmählich peinlich.

          In Tordesillas werden wieder die Lanzen gespitzt. An diesem „blutigen Dienstag“ geht es darum, Elegido von Hand zu Tode zu stechen. Die Männer, keine Toreros, sondern Amateure, erwarten ohne rotes Tuch den fast 600 Kilogramm schweren Kampfstier auf einer Wiese hinter der Brücke. Wer ihn erlegt, hat das Recht, ihm die Hoden abzuschneiden und sie auf seiner Lanze zu paradieren. Mehr als 120 Polizisten der Guardia Civil werden dafür sorgen, dass niemand das historische Ritual stört.

          Es ist das umstrittenste Tierspektakel in Spanien und zugleich der Höhepunkt der Fiesta der traditionsreichen kastilischen Kleinstadt. Sie machte über die Zeitläufte nicht nur durch den Toro de la Vega auf sich aufmerksam, der im Jahr 1534 zum ersten Mal durch die Straßen auf die Wiese getrieben wurde. Tordesillas hatte da schon zwei außerordentliche Ereignisse erlebt. Im Konvent war Johanna die Wahnsinnige, die Tochter der Katholischen Könige, die den Tod ihres Mannes, Philipps des Schönen, nicht verwinden konnte, im Jahr 1506 (bis zu ihrem eigenen Tod 1555) eingesperrt worden. Und 1494, zwei Jahre nach der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus, wurde in dem Vertrag von Tordesillas die Neue Welt zwischen Spanien und Portugal aufgeteilt. Borgia-Papst Alexander VI., der Vater von Cesare und Lucrezia, hatte hilfreich vermittelt. Noch unter dem Groß- und Kleinwildjäger Francisco Franco, der nicht gerade zu den herausragenden Tierschützern des Landes zählte, wurde der Lanzentod ein paar Jahre verboten. Später erlaubte ihn die Regierung von Kastilien und León wieder. Und seit 1980 hat er zusammen mit dem Fest zu Ehren der Jungfrau Maria sogar das Gütesiegel einer „Fiesta von nationalem touristischen Interesse“.

          Der Widerstand wächst

          Doch der interne Widerstand wächst. Aufgebrachte Mitglieder von Tierschutzorganisationen pflegen am Wochenende vor der Tat – so auch am Samstag in Madrid – gegen den „ethisch nicht zu rechtfertigenden, langsamen und schmerzhaften Tod“ einer Kreatur zu protestieren. Prominente schlossen sich einer Kampagne an, in der symbolisch eine Lanze für den Stier auf der Wiese gebrochen wurde. Umgekehrt wehrten sich die Fest-Organisatoren, die im Vorfeld den ersten „Internationalen Kongress des Toro de la Vega“ veranstalteten, gegen die „schweren Beleidigungen, Drohungen und gewalttätigen Ausdrücke der Missachtung des menschlichen Lebens“. Denn in einer anonymen Fotomontage war Bürgermeister José Antonio González’ Kopf in ein Fadenkreuz genommen worden.

          Die Streitgespräche werden lauter: Demonstranten in Madrid verurteilen den Toro de la Vega

          Sogar Freunden des regulären Stierkampfes, der in Katalonien verboten und hernach im vergangenen Jahr vom spanischen Parlament zum „nationalen Kulturgut“ erklärt wurde, ist Tordesillas inzwischen peinlich. Denn das unzeremonielle Erstechen des Toro de la Vega, das auf Zeiten weit vor dem Aufkommen der modernen Corrida zurückgeht, hat so gar nichts nobles, elegantes, tapferes, sportliches oder kulturelles. Der neue Generalsekretär der Sozialistischen Partei, Pedro Sánchez, wagte sich sogar vor und sagte, so etwas gehöre „nicht mehr in das 21. Jahrhundert“. Er fügte noch hinzu, dass man ihn auch „bei keinem Stierkampf sehen“ werde.

          Der neue König Felipe VI., von dem man weiß, dass er im Gegensatz zu seinem Vater Juan Carlos kein Aficionado ist, sagte bislang nichts, wurde aber auch noch nicht in einer Arena gesichtet. Denn gerade in seiner Generation, die sich den Toros gegenüber zunehmend indifferent zeigt, sind die Streitgespräche über den Tierschutz lauter geworden. „Sind wir Spanier besonders grausam zu Tieren?“, fragte in diesem Sommer der Online-Dienst „El Confidencial Digital“ und gab selbst Antworten: 60.000 Tiere, darunter neben Stieren und Kälbern auch Pferde, Ziegen und sogar Gänse, lassen nach seiner Hochrechnung jährlich bei spanischen Volksfesten ihr Leben.

          Auch anderen Tieren ergeht es schlecht

          Landwirtschaftsministerin Isabel García Tejerina schätzte derweil die Zahl der Hunde und Katzen, die jeden Sommer zu Ferienbeginn von ihren Besitzern ausgesetzt werden, auf mehr als 120.000. Das liegt weit über allen anderen europäischen Ländern. Die Welpen, die viele Spanier zu Weihnachten für ihre Kinder kaufen, streunen dann im Juli verlassen um die Parkplätze auf den Hauptrouten zu den Küsten.

          Und dann ist da noch der Februar als besonderer „Schreckensmonat“ für die Windhunde. Hier sind es die Jäger, die ohne viel Federlesens alte und überflüssige Jagdhunde aufknüpfen oder im Wald ihrem Schicksal überlassen. Die Organisation „Windhunde ohne Grenzen“ beobachtet dies erbost seit 14 Jahren. In Spanien, so berichtete sie jetzt, gebe es eine halbe Million „Galgos“. Nach dem Ende der Saison seien es gewöhnlich „zehn Prozent weniger“. Einmal ist ein Besitzer angeklagt und zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt worden. Fassungslos sagte er nach dem Urteil, er habe nicht gewusst, dass das Erhängen eines Windhundes ein Delikt sei.

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