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Einsteins Gehirn : Ein Genie wird zerlegt

Ein Stück Einstein: Der Screenshot der iPad-App zeigt Hirngewebe des größten denkbaren Physikers. Bild: dapd

In den 50er Jahren stahl Dr. Thomas Harvey das Gehirn von Albert Einstein und zerlegte es in seine Einzelteile, um es für die Nachwelt zu erhalten. Das ist ihm gelungen: Bilder des Physiker-Hirns gibt es nun als App für das iPad.

          Als Dr. Thomas Harvey am 18. April 1955 das Gehirn eines der größten Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts in seine Einzelteile zerlegte, um daraus Hunderte von Dauerpräparaten und Dias herzustellen, hätte er wohl nicht gedacht, dass eines Tages die ganze Welt seine Arbeit betrachten könnte. Im Gegenteil. Denn der Pathologe, der 2007 hochbetagt im Alter von 95 Jahren in Titusville in New Jersey starb, hatte das Objekt seiner Begierde, das Gehirn Albert Einsteins, bei der Autopsie in Princeton einfach gestohlen. Er wollte es, wie er später behauptete, aufgrund seiner womöglich einzigartigen Struktur der Nachwelt erhalten.

          Mit 1230 Gramm ein Leichtgewicht

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Harvey nahm an, dass das Hirn eines so bedeutenden Genies wesentlich größer und schwerer sein müsste als das eines durchschnittlichen Menschen. Doch mit rund 1230 Gramm war es sogar eher ein Leichtgewicht. Der Mediziner zerteilte das Organ in drei Monaten in rund 170 Stücke, fertigte Dünnschnitte fürs Mikroskop an, die er sorgfältig einfärbte und fotografierte. Insgesamt zwölf Sets mit Dias entstanden. Zwei komplette Serien behielt er, die anderen stellte er ausgewählten Kollegen zur Verfügung. Obwohl er keine Erlaubnis für sein Werk hatte, stimmte Einsteins Familie nachträglich seinen Studien zu – unter der Auflage, dass sie ausschließlich wissenschaftlichen Zwecken dienen dürften und keinesfalls „sensationellen“. Seit Dienstag aber ist aus der Harvey-Collection eine App fürs iPad geworden, die man sich für 9,99 Dollar herunterladen kann. Verantwortlich dafür ist das Nationale Museum für Gesundheit und Medizin in Chicago, das seit 2010 im Besitz einer großen Sammlung ist. Ihm und einem weiteren Museum in Silver Spring in Maryland kommt allerdings auch der Erlös von Einsteins Gehirn-App zugute – und damit doch auch wieder der Wissenschaft.

          Quelle: F.A.Z.

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