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Eingestürzte Hochhäuser in Rio Neun Tote und die Frage nach der Schuld

27.01.2012 ·  Neun Menschen sind tot, etwa 20 werden noch vermisst. Nach dem Einsturz zweier Hochhäuser im Herzen von Rio de Janeiro sinkt die Hoffnung, noch Überlebende zu finden. Schuld an dem Unglück waren wohl illegale Bauarbeiten.

Von David Klaubert
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Als Alexandro da Silva Santos im neunten Stock aus dem Aufzug stieg, stürzten ihm Putz, Ziegel und Dachteile entgegen. „Das Gebäude schien auseinanderzubrechen“, erzählt er am Tag danach. „Ich bin zurück in den Lift, und der fiel nach unten. Im freien Fall.“

Doch nicht nur der Aufzug mit da Silva stürzte in die Tiefe, das ganze zwanzigstöckige Bürogebäude mit dem Namen „Liberdade“ („Freiheit“) brach in sich zusammen. Es riss ein benachbartes Hochhaus mit zehn Etagen und ein kleineres Gebäude mit um. Die Trümmer begruben eine Zahnarztpraxis, Büros, eine Bankfiliale und Autos unter sich. Eine riesige Staubwolke stieg auf.

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© reuters Bilder einer Überwachungskameras zeigen den Augenblick des Unglücks.

Der Aufzug mit da Silva blieb irgendwo zwischen dem dritten und vierten Stock stecken, die Metallkabine rettete dem Hilfsarbeiter wohl das Leben.  Mit seinem Handy rief er einen Kollegen an, der versuchte ihn zu beruhigen, immer wieder telefonierten die beiden. Nach zwei Stunden konnten Feuerwehrmänner da Silva aus seinem dunklen Gefängnis befreien. „Ich hatte keinerlei Verletzungen“, sagte da Silva am nächsten Tag in einem Interview. „Das gleicht einem Wunder.“

Zeugen sagten aus, dass Wände und Pfeiler fehlten

So viel Glück wie da Silva hatten andere nicht: Neun Tote haben Feuerwehrmänner bis Freitagabend aus den Trümmern der Hochhäuser im Zentrum von Rio de Janeiro geborgen. Mehr als ein Dutzend Menschen werden noch vermisst. Die Hoffnung auf weitere Überlebende ist minimal. „Wir kämpfen gegen die Zeit“, sagte der Leiter des Zivilschutzes am Freitagmorgen. Noch 48 Stunden würden die Feuerwehrkräfte nach Vermissten suchen, dann werde die Stadtverwaltung sich um das Wegschaffen der Häusertrümmer kümmern.

Neben der Suche nach Vermissten steht derzeit die Suche nach Schuldigen an dem Unglück im Herzen Rio de Janeiros im Mittelpunkt. Vieles deutet darauf hin, dass illegale Bauarbeiten das zwanzigstöckige Bürogebäude am Mittwochabend zum Einsturz brachten. Sowohl im dritten als auch im neunten Stock des Hauses seien größere Renovierungsarbeiten vorgenommen worden, teilte die Baubehörde mit. Diese Arbeiten seien nicht genehmigt gewesen.

Ein Anwalt des Unternehmens „Tecnologia Organizacional“, dessen Büros die besagten Stockwerke belegten, gab nach dem Unglück an, dass bei den Arbeiten nur Teppichböden ausgetauscht und Wände neu gestrichen worden seien. Mehrere Zeugen hingegen sagten aus, dass in einem der Stockwerke ganze Wände und Pfeiler herausgeschlagen worden waren.

Ein wichtiger Zeuge in diesem Zusammenhang ist auch Alexandro da Silva Santos. Er hatte vor seiner wundersamen Rettung aus dem Aufzug nämlich als Maurer auf der Baustelle im neunten Stock gearbeitet. Zeitungsberichten zufolge sagte er am Freitag aus, dass er dort in den vergangenen Wochen vier Mauern eingerissen habe. Sein Auftrag sei es gewesen, ein Bad umzubauen. Einen Ingenieur des verantwortlichen Bauunternehmens habe er in dieser Zeit auf der Baustelle nicht gesehen.

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Jahrgang 1983, Redakteur im Ressort „Gesellschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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