01.05.2006 · Der Frühling zeigt sich mit dem Monat Mai auch am Himmel: Während man am westlichen Abschnitt des Firmaments noch die Wintersterne sieht, nehmen die Frühlingssternbilder schon die südliche Himmelsregion ein.
Der Sommer naht. Im Mai vergrößert sich die Länge des lichten Tages nochmals um 1 Stunde 21 Minuten. Damit hält sich die Sonne am letzten Maitag mehr als 16 Stunden über der Horizontlinie auf. Auch die Mittagshöhe des Tagesgestirns steigt im Mai erheblich, von 55 Grad am Monatsersten auf 62 Grad am letzten Tag. Somit fehlen nur noch 11/2 Grad bis zum maximalen Wert zur Zeit der Sommersonnenwende.
Um die Monatsmitte ist es um 22 Uhr noch nicht richtig dunkel, nur die hellsten Sterne sind bereits sichtbar. Erst eine halbe Stunde später kann man die Umrisse der Sternbilder erkennen. Am westlichen Abschnitt des Firmaments sind noch letzte Relikte des Wintersternhimmels vorhanden. Während die hellsten Sterne der Bilder Fuhrmann, Zwillinge und Kleiner Hund, Capella, Kastor, Pollux und Prokyon leicht auszumachen sind, können die Sternbilder selbst nur teilweise erfaßt werden, da sich die horizontnahen Sterne nicht mehr gegen den Horizontdunst durchsetzen können.
Löwe, Jungfrau und Bootes
Die südliche Himmelsregion nehmen jetzt die Frühlingssternbilder Löwe, Jungfrau und Bootes ein. Hoch im Süden ist bei guter Sicht das aus schwachen Sternen bestehende Bild „Haar der Berenike“ zu erkennen. Es ist das erste Sternbild, dessen Entstehung genau terminiert werden kann. Es wurde im Jahr 247 v. Chr. durch den Astronomen Konon von Samos zu Ehren der Gemahlin des ägyptischen Herrschers Ptolemäus Euergetes, Berenike, eingeführt. In diesem Sternbild ist ein hübscher offener Sternhaufen, Melotte 111 (Mel 111), zu finden.
Mit einem Fernglas sind etwa 40 Sterne in diesem Haufen sichtbar. Außerdem liegt der galaktische Nordpol im Haar der Berenike. Daher ist diese Himmelsgegend frei von den nur in der Milchstraßenebene konzentrierten interstellaren Staubmassen. So kann man hier ohne Sichtbehinderung in die Tiefen des Alls blicken. Tatsächlich können im Haar der Berenike und in den umgebenden Sternbildern mit einem lichtstarken Fernglas Dutzende von schwachen Nebelfleckchen aufgespürt werden. Es sind Millionen Lichtjahre von uns entfernte Galaxien. Besonders viele sind im Virgogalaxienhaufen, einer Ansammlung von mehreren tausend Milchstraßensystemen, konzentriert.
In früheren Jahrtausenden wesentlich höher
Unterhalb von Löwe und Jungfrau kann man jetzt die langgestreckte Sternenkette der Wasserschlange beobachten. Die unscheinbaren Bilder Becher und Rabe zwischen Wasserschlange sowie Löwe und Jungfrau sind nur schwer aufzuspüren, wobei die markante Vierecksform des Raben sein Auffinden erleichtert. Westlich der eben aufgegangenen Scherensterne des Skorpions sind dicht am Südosthorizont die nördlichsten Sterne der Sternbilder Wolf und Kentaur nur bei exzellenter Horizontsicht zu erspähen. Infolge der Präzession, der Verschiebung des Frühlingspunktes längs der Ekliptik, standen diese Konstellationen in früheren Jahrtausenden bei uns wesentlich höher über dem Horizont als heute.
Mönche des Sankt Gallener Benediktinerklosters bemerkten im Grenzgebiet zwischen Kentaur und Wolf Anfang Mai 1006, also vor genau tausend Jahren, einen hellen Stern, der vorher nicht vorhanden war. Es war eine Supernova, deren Aufleuchten auch in Italien, China, Japan, Korea und Arabien registriert wurde. Der ägyptische Astronom Ali bin Ridwan schätzte, daß dieser neue Stern so hell war wie der Mond im ersten Viertel. Das ist etwa das Zwanzigfache der Helligkeit der Venus. Damit war diese Supernova der hellste Stern, der jemals beobachtet wurde.
Westlich hält sich Jupiter auf
Westlich des Sternendreiecks der Waage hält sich Jupiter auf. Er steht in unmittelbarer Nähe des Hauptsterns der Waage, Zuben el Dschenubi, eines hübschen Doppelsterns. Im Osten ist das Doppelsternbild Schlangenträger/Schlange bereite großenteils über die Horizontlinie getreten. Über diesem stehen bereits halb hoch der Sternenbogen der Nördlichen Krone und der Herkules.
Etwas tiefer im Nordosten haben die nördlichen Ecksterne des Sommerdreiecks, Wega und Deneb, deutlich an Höhe gewonnen. Noch ist aber das Sommerdreieck nicht komplett, da sein südlicher Eckstern, Atair, weiter unter dem Horizont verharrt. Noch nimmt die Deichsel des Großen Wagens eine zenitnahe Position ein. Dagegen ist der Wagenkasten schon deutlich in Richtung Nordwesten gesunken. Während der Kepheus sich bereits im Wiederaufstieg befindet, durchläuft die diesem folgende Kassiopeia eben ihren tiefsten Punkt im Norden.
Das hellsten Teilstück wird recht dicht vorbeiziehen
Der periodische Komet 73P/Schwassmann-Wachmann 3 wird am 12. Mai in knapp 12 Millionen Kilometer Abstand, also recht dicht, an der Erde vorbeiziehen. Dieser Schweifstern wurde 1930 an der Hamburger Sternwarte von den Astronomen Arnold Schwassmann und Arno Arthur Wachmann entdeckt. In den neunziger Jahren zerbrach der Komet in mehrere Stücke. Die Bahn seines hellsten Teilstücks in der ersten Maihälfte ist in der Sternkarte dargestellt. Der Komet sollte im Mai die 5. oder 6. Größe erreichen, also mit einem lichtstarken Feldstecher aufzufinden sein. Da er aber der Erde recht nahe kommt, wird sich seine Helligkeit auf eine große Fläche verteilen, so daß wir es mit einem blassen Objekt zu tun haben.
Mars und Saturn werden zu Beobachtungsobjekten der ersten Nachthälfte. Der rote Planet bewegt sich ostwärts durch die Zwillinge und verfrüht seine Untergänge um eine Stunde im Monatsverlauf auf 0.30 Uhr am letzten Maitag. Jeweils am 2. und am 30. des Monats hält sich die zunehmende Mondsichel in Marsnähe auf. Der Saturn nähert sich wieder dem Sternhaufen Präsepe (M 44). Seine Untergänge erfolgen am Monatsende gegen ein Uhr, zwei Stunden früher als am Monatsanfang. Am 4. und am 31. Mai finden wir den Mond in der Nähe des Ringplaneten. Bemerkenswert ist der Himmelsanblick am Abend des 31. Mai, wenn Mond, Saturn und Mars beieinandersind.
Der Jupiter erreicht am 4. Mai seine Oppositionsstellung zur Sonne; Sonne, Erde und Jupiter stehen dann auf einer Linie. Jupiter ist damit im Mai die gesamte Nacht über sichtbar. Am 12. Mai erhält er Besuch vom fast vollen Mond. Die Sichtbarkeitsdauer der Venus bleibt mit etwa einer Stunde im Mai konstant. Die tief am Osthimmel stehende Venus wird in den Morgenstunden des 24. Mai von der abnehmenden Mondsichel besucht. Merkur, Uranus und Neptun bleiben auch im Mai sonnennah und damit unbeobachtbar.
Sonne: 1. Mai: Sonnenaufgang 6.02 Uhr, Sonnenuntergang 20.43 Uhr; 31. Mai: Sonnenaufgang 5.23 Uhr, Sonnenuntergang 21.25 Uhr.
Mond: 5. Mai, 7.13 Uhr: Erstes Viertel; 13. Mai, 8.51 Uhr: Vollmond; 20. Mai, 11.20 Uhr: Letztes Viertel; 27. Mai, 7.26 Uhr: Neumond.