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Ein Jura-Professor über Umgangsformen „Hi, Prof, wann schreiben wir Klausur?“

 ·  Eigentlich pflegt der Jura-Professor Martin Gutzeit einen lockeren Umgang mit seinen Studenten, aber seit kurzem reagiert er nicht mehr auf jede E-Mail. Wer die Höflichkeitsformen nicht wahrt, erhält keine Antwort.

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Hallo, Herr Professor Gutzeit - darf ich Sie überhaupt so begrüßen?

Ja, natürlich.

Sie haben auf der Website ihres Instituts einen Hinweis plaziert, dass E-Mails, bei denen die Form nicht gewahrt ist, nicht beantwortet werden. „Unsäglich“ nennen Sie „Hi“, „Hallo“ oder „Servus“. Wie muss man Sie ansprechen, damit Sie zurückschreiben?

So, wie Sie auch gerne von jemandem angesprochen werden wollen. Ich habe keine gesteigerten Formalitätsanforderungen, aber es gibt einfach Grenzüberschreitungen.

Das klingt, als hätten Sie schon öfter unpassende Post in ihrer Mailbox gehabt.

Unter den etwa 70 Nachrichten pro Tag gab es nicht wenige mit unerkennbaren Absendern, etwa von „süße Hexe“, „lord“ oder „big daddy“, solche ohne Grußformel, oder auch einfach kurz und knapp: „Hi, Prof, wann schreiben wir die Klausur?“ Da gab's einen Punkt, an dem ich zu viele von diesen Emails gekriegt und diesen Hinweis auf die Website gestellt habe.

Ist das nicht schulmeisterlich?

Nein. Der Hinweis ist ja auch klein gedruckt. Mir ging es nur darum, die Studenten dazu anzuregen, darüber nachzudenken, was sie da verfassen. Und als Jurist ist es so, wenn man Regeln einfordert, muss ein Regelverstoß immer Sanktionen haben, in dem Fall, dass wir nicht antworten.

Als angehender Jurist sollte man doch aber auch wissen, wie eine anständige E-Mail verfasst wird. Schließlich spielt die Form in dem Beruf eine wichtige Rolle.

Das könnte man vermuten, aber leider ist dem nicht so, jedenfalls nicht im E-Mail-Kontakt.

Im persönlichen Kontakt gibt es diese Probleme nicht?

Nein, das ist ein Problem des Mediums E-Mail. Vor dem Computer fühlt man sich ungezwungen. Manche nehmen nicht wahr, dass die Kommunikation aus einem Chatroom nicht einfach in eine E-Mail übertragbar ist, vor allem nicht gegenüber Dritten, also einem Unternehmen oder eben der Universität. Und das ist nicht in Ordnung.

Aber geht es nicht grundsätzlich darum, dass man einen Professor nicht mit „Hi“ anspricht?

Das ist kein Standesprivileg, das will ich auch gar nicht haben. Ich haben einen lockeren Umgang mit den Studenten. Mein Anliegen ist es, diese Auswüchse ein wenig zu begradigen. Ich habe ja keinen Erziehungsauftrag. Schließlich soll ein Absolvent der Universität Gießen wissen, wie man eine E-Mail korrekt verfasst. Auch wenn es ein formloses Medium ist, sollte man auf ein paar Standards achten, wenn man mit einer Person nicht so vertraut ist, egal ob Professor, Assistent oder Geschäftspartner.

Aber es muss Sie ja schon irgendwie berühren, wenn Sie jemand mit „Hi, Prof“ anspricht. Beleidigt Sie das nicht?

Nein. Ich denke auch nicht, dass da eine böse Absicht dahintersteckt. Ich subsumiere das unter Gedankenlosigkeit und vielleicht fehlendem Anstand gegenüber Dritten.

Hat in den letzten Monaten ein gedankenloser Student einen Termin verpasst, weil Sie ihm nicht geantwortet haben?

Ich glaube nicht. Wenn der Inhalt so bedeutend ist, dass er nach einer Antwort verlangt, schreibe ich zurück. Es soll keine negativen Auswirkungen auf das Studium haben.

Sie sind also nicht konsequent.

Wenn die Mail ganz doof ist schon. „Hi, Prof, wann schreiben wir die Prüfung?“ würde ich nicht beantworten - zumal die Informationen zudem auf der Institutswebsite zu finden sind.

Haben Sie Reaktionen auf den „höflichen Hinweis“ erhalten?

Nein, weder von Studenten noch von Kollegen. Aber die Ausreißer sind deutlich weniger geworden.

Die Fragen an Martin Gutzeit stellte Nina Belz

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25.05.2011, 16:56 Uhr

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