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Ein Gespräch mit Kindern : „In Afrika ist es zu heiß für Geld“

  • Aktualisiert am

Eray und Kimerbly in ihrer Grundschule Bild: Jonas Wresch

Die Drittklässler Kimberly und Eray sprechen über Geldfabriken, Bankräuber, die Euro-Krise und über Dinge, die man nicht kaufen kann.

          Feiert ihr zu Hause Weihnachten, Eray und Kimberly?

          Eray: Ich nicht. Ich bin Muslim, also ich habe damit nix zu tun.

          Kimberly: Dafür haben die dann Bayram.

          Was passiert an Bayram?

          Eray: Die Kinder kriegen Geld und Spielzeuge.

          Kriegst du auch Geld an Weihnachten, Kimberly?

          Kimberly: Nein, ich kriege Geschenke.

          Was ist denn ein „Geschenk“?

          Kimberly: Das ist eine Sache, die sehen die Kinder nicht. Die Eltern packen es dann ein. Und wenn Heiligabend ist, geben sie es den Kindern, und die freuen sich.

          Würdest du sagen, Geld ist auch ein Geschenk?

          Kimberly: Ja, denn davon könnte man sich ja Geschenke kaufen.

          Habt ihr Geld?

          Kimberly: Ich kriege jede Woche fünf Euro - wenn ich meine Mutter frage oder wenn ich mein Zimmer ganz viel aufräume.

          Eray: Ich bekomme jeden Zehnten zehn Euro aufs Konto.

          Aufs Konto, ich werd’ verrückt! Hast du auch eine Karte dafür?

          Eray: Nein. Ich hab’s auch noch nie gesehen. Mein Vater hat’s mir nur gesagt.

          Du kriegst also ein Taschengeld, das du eigentlich gar nicht ausgeben kannst.

          Eray: Ich kauf’ mir nach der Schule ja auch irgendwie nie was.

          Kaufst du dir was, Kimberly?

          Kimberly: Ja, Klamotten ganz viele. Der ganze Bettkasten von meiner Mutter ist voll, dann habe ich noch einen kleinen Sommerschrank und noch einen großen. Meine Mutter sagt immer: Kauf dir doch mal was Anständiges, was zum Spielen.

          Woher kommt eigentlich das Geld?

          Eray: Aus Fabriken.

          Kimberly: Ich denke, vom Arbeitsamt oder so. Das wird von der Bank da hingeschickt. Weil die Bank ja ganz viel Geld hat. Oder manchmal bleibt es auch bei der Bank, dann holen es die Leute von da ab und kaufen den Kindern zum Beispiel Geschenke.

          Wie wird denn das Geld in der Fabrik gemacht, Eray?

          Eray: Da nehmen die so ein Papier, drucken was drauf und machen diese 3D-Dinger drauf, damit man auch weiß, dass das Geld echt ist. Und dann schicken die das Geld zur Bank.

          Was ist eine Bank?

          Eray: Die Bank holt sich die Steuern von den Menschen ab.

          Oha. Und was sind Steuern?

          Eray: Keine Ahnung. Aber ich weiß, dass Steuern was mit Geld zu tun haben.

          Kimberly: Ich habe das Wort noch nie gehört.

          Zahlt ihr auch Steuern?

          Eray: Nein.

          Wer zahlt denn dann Steuern?

          Beide: Die Eltern. Weil die mehr Geld als wir haben.

          Gab es eigentlich schon immer Geld?

          Eray: Nein, früher hat man mit Tieren bezahlt. So: Ich gebe dir fünf Hasen für ein Pferd.

          Kimberly: Oder ich gebe dir einen Hund, und dafür gibst du mir, zum Beispiel, einen Vogel.

          Die haben also getauscht. Warum haben die das gemacht?

          Eray: Weil die früher noch nicht so fortschrittlich waren und noch nicht an Geld gedacht haben.

          Woher haben die überhaupt die Tiere gehabt? Haben die die gekauft?

          Eray: Die haben die gefunden.

          Kimberly: Dann haben sie die mitgenommen und dann vielleicht zu Hause gesagt: Also, ich gebe dir jetzt das Handy, und dafür gibst du mir den Käfig für den Vogel oder so was.

          Eray: Die hatten doch noch gar keine Handys!

          Kimberly: Dann eben diese alten Telefone.

          Eray: Da gab es auch schon Geld.

          Wie lange ist es her, dass es kein Geld gab?

          Kimberly: Das ist 460 Jahre her.

          Wie haben die Menschen da gelebt?

          Kimberly: Die haben gezeltet.

          Eray: Und die haben an Bäume gekickt, damit die Früchte runterfallen. Und aus dem Holz haben die sich dann ein Häuschen gemacht.

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