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Ehec-Krise Kein gesundes Land

02.06.2011 ·  Innerhalb weniger Tage ist aus der Gesundheitsnation Deutschland ein Krisengebiet geworden. Dutzende Patienten mit dem hämolytisch-urämischen Syndrom kämpfen auf den Intensivstationen um ihr Leben.

Von Peter-Philipp Schmitt
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Eine Bundesverbraucherschutzministerin muss Binsenweisheiten verbreiten: rohes Gemüse vor dem Essen schälen und säubern, Holzbrettchen nach der Küchenarbeit gründlich reinigen, Hände waschen, vor allem nach jedem Gang zur Toilette. Offenbar gebricht es in Deutschland an den einfachsten Hygieneregeln. Denn auch wenn die Ursache des Ehec-Ausbruchs nach drei Wochen noch immer nicht bekannt ist, mittlerweile ist sicher, dass viele Infektionen hätten vermieden werden können. Denn das Darmbakterium verbreitet sich eben nicht durch die Luft.

Ein Kolibakterium bringt das Gesundheitswesen in Deutschland in eine Notlage. Sollten nicht in Kürze die Quelle der Übertragungen gefunden werden oder die Ansteckungszahlen deutlich zurückgehen, dann ist nicht auszuschließen, dass die Gesundheitsversorgung, zumindest im Norden, zusammenbricht. Schon jetzt arbeiten die Kliniken dort an der Grenze ihrer Möglichkeiten, Dutzende Patienten mit dem hämolytisch-urämischen Syndrom kämpfen auf den Intensivstationen um ihr Leben. Es zeigen sich Krankheitsverläufe, die selbst erfahrene Ärzte und Schwestern noch nicht erlebt haben. Die Gifte, die das Bakterium freisetzt, schädigen nicht nur Darm, Blut und Nieren, sondern auch die Gehirne der Patienten - und das womöglich dauerhaft.

Ist die Über-Industrialisierung mit ursächlich?

Innerhalb weniger Tage ist aus der Gesundheitsnation Deutschland ein Krisengebiet geworden. Alles scheint schiefgelaufen zu sein: Ausgerechnet kontaminiertes Gemüse ist in den Handel gelangt, von dem bislang niemand sagen kann, woher es kam und wie es verseucht wurde. Dass man Gurken aus Spanien schnell als Infektionsquelle ausmachen konnte, hatte auch etwas Beruhigendes. Verunreinigtes Gemüse im natürlich längst nicht so fortschrittlichen Südeuropa, das klang sehr plausibel. Am Ende war die Spur falsch.

Was aber wäre, wenn der Ehec-Ausbruch doch hausgemacht ist? Könnte eine Über-Industrialisierung in der Industrienation Deutschland mit ursächlich sein? Die Ertragssteigerungen in der Landwirtschaft um jeden Preis? In der Tierhaltung setzen die Mäster weiterhin auf Antibiotika, was zu immer neuen Resistenzen führt und Keime gefährlicher macht. Das Ehec-Bakterium, das naturgemäß in Wiederkäuern vorkommt, ist widerstandsfähiger geworden. Inwieweit das eine Rolle spielen könnte, sollte sich hoffentlich klären lassen.

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Jahrgang 1967, Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

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