15.07.2004 · Elfmeterschießen. Beckham tritt für England an. Der Ball landet irgendwo auf den Rängen - in den Armen von Pablo Carral. Dieser bietet den Ball derzeit bei Ebay an. Unglaubliche Summen werden geboten.
Für David Beckham war der 24. Juni einer der schwärzesten Tage seiner Karriere. Im Viertelfinale der Fußball-Europameisterschaft gegen Gastgeber Portugal drosch der Kapitän der englischen Nationalmannschaft den Ball beim entscheidenden Elfmeterschießen weit über das Tor und leitete damit das Ausscheiden seines Teams ein. Für Pablo Carral war der Patzer des „Spice Boy“ dagegen ein echter Glücksfall: Der 25jährige Spanier fing den Ball auf der Tribüne, versteckte ihn unter seinem T-Shirt und schmuggelte ihn von zwei Freunden flankiert aus dem „Stadion des Lichts“ in Lissabon. Nun werden bei einer Internet-Auktion unglaubliche Summen für das gute Stück geboten.
Eigentlich dachte er zunächst nur an ein nettes Souvenir, mit dem er seinen Freunden und irgendwann mal den Enkeln imponieren könnte, erzählt Pablo. Doch dies änderte sich, als sein Foto in einem spanischen Sportblatt erschien und seine Identität publik wurde. „Eine englische Zeitung spürte mich auf und bot mir 18.000 Euro für den Ball.“ Dies brachte den bei einem amerikanischen Getränkehersteller beschäftigten Verkäufer aus La Coruña auf die Idee, mehr herauszuholen: Noch bis kommenden Donnerstag bietet er das Spielgerät über den spanischen Auftritt des Internet-Auktionshauses Ebay an (www.es.ebay.com).
Zehn-Millionen-Gebot aus Dresden
Die Gebote aus aller Welt für die Artikel-Nummer 3688276550 erreichten rasch astronomische Ziffern. Das höchste, in Höhe von zehn Millionen Euro, kam aus Dresden. „Doch es waren auch unseriöse Bieter darunter“, sagt Ebay-Sprecherin Inma Solís. Also begann das Unternehmen, bei den Interessenten nachzuhaken, um sie zu überprüfen. Da die Flut der Gebote so groß war, mussten die Niederlassungen in anderen Ländern mit eingespannt werden.
Und auch Pablo sorgte vor: „Als Käufer kommt nur noch in Frage, wer mir ein Fax mit einer Kopie seines Personalausweises schickt.“ Am Donnerstag stabilisierte sich der Preis des „becksballs“ zunächst bei satten 3,5 Millionen Euro; am Nachmittag wurde er dann auf 23.650 Euro korrigiert - weitere Preissprünge sind in den nächsten Tagen naturgemäß nicht auszuschließen. Im Sportgeschäft ist das Modell für 90 Euro zu haben.
„24.06.2004 Quarter Final“
An der Echtheit des Balles besteht nach den Worten Pablos kein Zweifel, zumal er den offiziellen Aufdruck „24.06.2004 Quarter Final“ trägt. „Ich bin nicht so dumm, mir mit so einer Geschichte Ärger einzuhandeln.“ Deshalb deponierte er das Leder auch im Safe seiner Bank. Natürlich denkt der 25jährige bereits darüber nach, was er mit dem Geld machen könnte. „Ich muß noch den Kredit für mein Auto abbezahlen. Und eine eigene Wohnung wäre auch nicht schlecht.“
Egal, wieviel letztendlich dabei herausspringe, zu verlieren habe er ohnehin nichts: Schon die Reise nach Lissabon und die Eintrittskarten hatte er bei einer Auslosung seiner Firma gewonnen. Daß der Ball eigentlich der Europäischen Fußball-Union (Uefa) gehört, wie eine spanische Sportzeitung schrieb, kümmert Pablo auch kaum. Je nach Höhe des Erlöses könnte es allerdings irgendwann die Uefa interessieren.