11.03.2011 · Im japanischen Viertel in Düsseldorf versuchen am Freitag viele Japaner verzweifelt ihre Angehörigen in der Krisenregion zu erreichen. Ob im Supermarkt oder im Restaurant - nahezu überall laufen Fernseher mit dem Programm japanischer Nachrichtenkanäle.
Bunte Mangas, niedliche aufblasbare Hello-Kitty-Figuren, Duftkerzen mit Rosenduft - der „Bookstore Nippon“ im japanischen Viertel in Düsseldorf wirkt auf den ersten Blick wie ein Stück heile japanische Welt. Auch die Ladenbesitzerin lächelt freundlich. Selbst dann noch, als sie nach dem Erdbeben und der Tsunami-Welle in ihrem Heimatland gefragt wird. Ja, sie habe noch Verwandte an der Nordost-Küste Japans, wo die Katastrophe am verheerendsten war. „Meine Eltern und auch die Eltern meines Mannes leben dort“, sagt sie. Nein, sie hätten sie beide noch nicht erreichen können - weder per E-Mail noch per Telefon. Im hinteren Teil des kleinen Ladens sitzt ihr Mann und starrt auf seinen Computer.
Ähnliche Szenen sieht man in verschiedenen Läden im japanischen Viertel rund um die Immermannstraße in Düsseldorf, der größten japanischen Kolonie in Deutschland. Egal, ob in den kleinen Supermärkten, Einrichtungsgeschäften oder in den Restaurants - fast überall laufen Fernseher mit dem Programm japanischer Nachrichtenkanäle.
In einer Reinigung sitzt eine junge Frau, starrt auf den Bildschirm und verfolgt mit strömenden Tränen die Bilder der Zerstörung aus Japan. Sie will nicht reden. „Sie versucht ihre Eltern zu erreichen, aber bisher konnte sie nur mit den Nachbarn in Japan sprechen, die aber auch nichts wissen“, sagt ihr Kollege Hiroto Sugawara. Auch seine Eltern leben an der nordöstlichen Küste Japans. „Ich habe schon eine E-Mail von ihnen erhalten“, erläutert er. Als ein Kamerateam seinen Laden betritt und für ein Interview anfragt, bittet der junge Mann sie höflich, aber bestimmt zu gehen.
Japaner haben bislang kaum Informationen
Überhaupt bevölkern auffallend viele Kamerateams die Immermannstraße. Die wenigen Japaner reagieren, wenn sie angesprochen werden, reserviert. Ein älterer Geschäftsmann bittet um Verständnis, da er „selbst noch Informationen sammeln“ müsse. Im Hotel Nikko, in dem vorwiegend japanische Gäste absteigen, arbeiten rund 50 Japaner, von denen ebenfalls viele nicht wissen, wie es ihren Angehörigen geht.
Der Hoteldirektor sei momentan nicht zu sprechen, heißt es. Er hilft seinen Mitarbeitern dabei, Informationen aus der Heimat zu erhalten. „Auf allen Zimmern gibt es japanisches Fernsehen. Die meisten Gäste wussten schon, was geschehen war, bevor sie heruntergekommen sind“, sagt Michel de Hen vom Hotel Nikko. Der Schock habe am Morgen allen in den Gesichtern gestanden.
Wie eine Mitarbeiterin des japanischen Großkonsulats in Düsseldorf berichtet, gibt es derzeit nur sehr wenige Informationen aus Japan. „Genauere Angaben bezüglich der menschlichen Opfer sowie der sachlichen Schäden liegen noch nicht vor“, sagt auch Vizekonsul Tsuyoshi Kawahara, der Leiter der Kultur- und Informationsabteilung am Konsulat. Viele deutsche Bürger hätten sich aber beim Konsulat gemeldet und ihr Mitgefühl ausgedrückt.