Home
http://www.faz.net/-gum-pzvo
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Dreikönigsrede Kardinal Meisner entschuldigt sich für Hitler-Vergleich

 ·  Der Erzbischof von Köln, Kardinal Meisner, hat sich überrascht gezeigt, daß seine Gleichsetzung der Verbrechen Hitlers mit Schwangerschaftsabbrüchen auf vehemente Kritik gestoßen ist. Er entschuldigte sich.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Der Kölner Erzbischof, Kardinal Joachim Meisner, hat sein Bedauern über seinen Vergleich von Abtreibungen mit den Verbrechen Hitlers erklärt. In einer am Samstag veröffentlichten Erklärung sagte Meisner: „Wenn ich geahnt hätte, daß mein Verweis auf Hitler mißverstanden hätte werden können, hätte ich die Erwähnung unterlassen. Es tut mir leid, daß es dazu gekommen ist.“ Er werde in der Dokumentation der Dreikönigspredigt darum auch den Hinweis auf Hitler tilgen lassen.

Meisner hatte in seiner Predigt am 6. Januar nach Angaben des Bistums gesagt: „Wo der Mensch sich nicht relativieren oder eingrenzen läßt, dort verfehlt er sich immer am Leben: zuerst Herodes, der die Kinder von Bethlehem umbringen läßt, dann unter anderem Hitler und Stalin, die Millionen Menschen vernichten ließen, und heute, in unserer Zeit, werden ungeborene Kinder millionenfach umgebracht.“

Bistum: Rede falsch interpretiert

Der Vergleich hatte eine Welle der Empörung ausgelöst. Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, hatte in Interviews den Vergleich als unzulässig und als Beleidigung von Millionen Holocaust-Opfern bezeichnet. Zudem hatte er eine Klage gegen Meisner in Aussicht gestellt, sollte dieser den Vergleich von Abtreibung mit dem Holocaust nicht zurücknehmen.

Die Pressestelle des Kölner Erzbistums erklärte, die Kritik an Meisners Text übersehe,daß der Kardinal „mit keinem Wort die Einzigartigkeit des Genozids an den Juden unter Hitler relativiert hat". Der Vergleich von heute mit den Zeiten unter Herodes, Hitler und Stalin beziehe sich allein darauf, daß Verfehlungen am menschlichen Leben geschehen sind, weil sich Menschen zum Herrn über das Leben machten.

Quelle: FAZ.NET mit Material von Reuters, ddp
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen