http://www.faz.net/-gum-7hj6h

Drei Weltrekorde : Die 21 Gipfel - und eine Kuriosität - des Christian Stangl

Mit einem gefälschten Gipfelfoto vom K2 brachte sich Christian Stangl 2010 in Verruf. Bild: picture alliance / dpa

Mit einem gefälschten Gipfelfoto vom K2 brachte sich Christian Stangl in Verruf. Nun wird er für drei Rekorde geehrt. Darunter: die Auszeichnung für die sieben zweithöchsten Kontinentalgipfel, die bereits Hans Kammerlander für sich beansprucht hat.

          Als Christian Stangl am 23. August auf dem Gipfel des 5193 Meter hohen Shkhara im Kaukasus stand, hatte er nach sieben Jahren ein außergewöhnliches Bergsteiger-Projekt erfolgreich abgeschlossen - und zwar vor dem Briten Ricky Munday und dem Amerikaner Jake Norton. Der 47 Jahre alte Österreicher kommt mit dieser Leistung ins Guinness-Buch der Rekorde und wird an diesem Montag in London gleich drei Zertifikate erhalten:

          Andreas Lesti

          Freier Autor im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Erster auf den „Triple Seven Summits“ (den höchsten, zweithöchsten und dritthöchsten Gipfeln der sieben Kontinente), Erster auf den „Second Seven Summits“, Erster auf den „Third Seven Summits“. Die Freude dürfte die über den Gipfelerfolg im August noch übertreffen.

          Denn Stangl hat in diesen sieben Jahren nicht nur topographisch Höhen und Tiefen durchschritten. Im Sommer 2010 behauptete er, den K2, den mit 8611 Metern zweithöchsten Berg der Welt, erfolgreich bestiegen zu haben. Doch bald stellte sich heraus, dass er ein falsches Gipfelfoto präsentiert und gelogen hatte. In der Alpinisten-Szene wurde er geächtet.

          Vom Skyrunner zum Vermessungs-Fanatiker

          Aber Stangl rappelte sich wieder auf und rehabilitierte sich mit außergewöhnlichen Besteigungen. Er fuhr mit dem Rad vom Indischen Ozean aus in den Himalaja und bestieg dann den Kangchendzönga, den dritthöchsten Berg - und er dokumentierte alles genau, vermaß den Gipfel mit einem GPS-Gerät und drehte dort oben ein zweifelsfreies Video.

          Der Mann, der sich früher als „Skyrunner“ vermarktete, weil er besonders schnell auf Berge rannte, wandelte sich zum Vermessungs-Fanatiker. Das zeigte sich auch, als es um den zweithöchsten Gipfel Ozeaniens ging, weil es dort keine allgemeingültigen Höhendaten gab. Lange galt die Puncak Mandala in der indonesischen Provinz Papua als zweithöchster Berg. Stangl wollte es genau wissen und stieg auch noch auf den Sumantri und den Ngga Pulu - um nachzuweisen, dass der Sumantri der zweithöchste eigenständige Berg Ozeaniens ist. Insgesamt stieg er gar auf 30 Berge, um sich bei den 21 Gipfeln sicher sein zu können.

          Der Puncak Trikora rutscht auf Rang vier

          Wenn Christian Stangl nun vom Guinness-Buch der Rekorde geehrt wird, dann hat vor allem die Auszeichnung für die sieben zweithöchsten Kontinentalgipfel Brisanz. Denn als erster Mensch auf den „Seven Second Summits“ vermarktet sich seit einigen Monaten Hans Kammerlander. Auch der Südtiroler Bergsteiger geriet wegen eines falschen Gipfelfotos am Mount Logan, dem zweithöchsten Berg Nordamerikas, in die Medien. Daraufhin bestieg er den Mount Logan am 23. Mai noch einmal zweifelsfrei. Seither präsentiert er sich als derjenige, der das Rennen für sich entschieden hat.

          Dabei ignorierte er jedoch die Unklarheiten, die bei seiner Besteigung in Ozeanien aufkamen. Kammerlander bestieg dort die Puncak Trikora, den nach den Angaben des Tourismusministeriums zweithöchsten Berg. Nach Stangls Vermessung ist der Berg aber auf Rang vier abgerutscht. In seinem Buch „Seven Second Summits“, das wegen falscher Darstellungen kritisiert wurde, schreibt Kammerlander ironisch, wenn man die Besteigungsserie auflisten wolle, dann „von mir aus mit dem Zusatz ,Besteigung nach der Kammerlander-Liste’“. Stangls Liste ist jetzt im Guinness-Buch.

          Weitere Themen

          Die gefährliche Macht der Automaten

          Glücksspiel : Die gefährliche Macht der Automaten

          Nirgendwo geben die Menschen so viel Geld für Glücksspiel aus wie in Australien. Die Leidtragenden sind dabei diejenigen, die es sich eigentlich am wenigsten leisten können.

          Kampf gegen die Dämonen

          Waris Dirie im Porträt : Kampf gegen die Dämonen

          Vor 20 Jahren erschien ihr Buch „Wüstenblume“. Seither reist Waris Dirie für Vorträge und Projekte um die Welt – und wirkt mal begeisternd, mal irritierend.

          Topmeldungen

          Kramp-Karrenbauer zu Maaßen : Koalition wäre fast zerbrochen

          Die Gefahr von Neuwahlen habe konkret im Raum gestanden, versucht die CDU-Generalsekretärin ihren Mitgliedern den Postenwechsel zu erklären. Laut Umfrage wünschen sich die meisten Deutschen, dass Maaßen gänzlich abtritt.

          TV-Kritik: „Maischberger“ : Keiner braucht Espressokapseln

          Nun ist Plastikmüll auch bei Sandra Maischberger Thema. Trotz fachkundiger Gäste kommt man über Appelle kaum hinaus. Das Problem ist der Massenkonsum, doch es fehlen konkrete Beispiele, was Deutschland besser machen kann.

          Flüchtlingspolitik : Juncker bringt Kurswechsel ins Spiel

          Eine verpflichtende Quote für die Aufnahme von Flüchtlingen lähmt die EU seit Jahren. Das könnte sich bald ändern, deutet nun Jean-Claude Juncker beim Gipfel in Salzburg an. Beim Thema Brexit bleiben die Fronten dagegen hart.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.