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Sonntag, 19. Februar 2012
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Donald Duck 75 Jahre und kein bisschen leise

03.06.2009 ·  Donald Duck quakt auch im Rentenalter munter drauf los. Seine Markenzeichen: Matrosenanzug und cholerische Anfälle. Im Juni 1943 entdeckte die tollpatschige Ente das (Rampen)licht.

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Wer kennt es nicht? Mit den Jahren entfernen sich die Knöpfe am Anzug oft von den Knopflöchern. Nicht jedoch, wenn man eine Ente ist. Dann passt der Matrosenanzug mit zwei Knopfreihen, der einem einst in die Wiege gelegt wurde, auch in einem Alter wie angegossen, in dem man eigentlich eine Weste und einen Schaukelstuhl als tägliche Requisite bevorzugt.

Donald Duck wird 75 und hat damit die statistische Lebenserwartung eines in Deutschland geborenen männlichen Kindes schon fast erreicht. Was danach bliebe, wäre nur die Hoffnung auf einen statistischen Ausreißer. Aber wenn jemand so rüstig, so munter, so fidel und so voll strotzender Lebenskraft ist wie die Ente im Matrosenanzug, dann hat er wohl eine Lebenserwartung, an der sich die Statistiker die Zähne ausbeißen werden. Offiziell gibt Disney den 9. Juni 1934 als Geburtstag der famosesten Ente der Welt an. Zumindest erblickte Donald damals das (Rampen)licht der Welt in Form einer Projektorlampe, die der Zeichentrickfigur in dem Film „A Little Wise Hen“ (eine kleine kluge Henne) auf Zelluloid die ersten Schritte beibrachte.

Nach wie vor im zeitlosen Matrosenanzug

Erste Hinweise auf seine Existenz aber finden sich schon 1931 in den „Adventures of Mickey Mouse“. Donald zählte damals zu den namentlich genannten Bewohnern des fiktiven Bauernhofes, auf dem Micky lebte. Seine Stimme fand der Erpel, dessen jahrzehntelange Jagd nach materiellem Wohlstand, nach irdischem Glück, nach Erfüllung seiner Liebe zur ebenso scheuen wie resoluten Entendame Daisy und nach dem Respekt seiner Neffen Tick, Trick und Track zig-Millionen Zeichentrickfreunde in aller Welt mit Spannung begleiteten, dann 1933. Ein Stimmenimitator wurde bei Disney eingestellt, obwohl es noch gar keinen Film gab. Der folgte dann am 9. Juni 1934, und die Fans konnten des Erpels ansichtig werden - bereits ausgewachsen und im nach wie vor zeitlosen Matrosenanzug.

Es waren die amerikanischen Zeichner Al Taliaferro und Carl Barks, die Donald Duck zu dem entwickelten, was er heute noch ist: Zu einer Kultfigur, um die sich eine ganze Subkultur von Donaldisten verschiedener Grade gebildet hat. Die Kultfigur, die erforscht und gedeutet wurde, und der auch der flüchtige Betrachter ein Schmunzeln meist nicht verweigern kann. Sogar der Brockhaus kommt an dem ewig jungen, ewig streitsüchtigen und ewigen Verlierer nicht vorbei. Samt Aussprachehilfe „donld dak“ würdigt es den Star als „anthropomorph gestalteter Enterich aus der Disney-Produktion“, und fährt fort: „Erscheint als Typ des jähzornigen, kleinbürgerlichen Pechvogels, gerade in seinen Schwächen lebensnah“. Der Siegeszug der Ente ging von den Zeichentischen der Disney-Mannschaft rund um die Welt. In Italien heißt sie „Paperino“, in Spanien „Pato“, in Dänemark „Anders And“, in Polen „Kaczor Donald“. In Deutschland trat die Ente 1951 unter ihrem amerikanischen Namen auf. Seither hat allein der Egmont-Ehapa-Verlag fast 9000 Donald-Geschichten unter die Fan-Gemeinde gebracht. Und - bei Donald hieße es wohl: Aller Anfang ist schwer - längst ist die Zeit vergessen, als von einer Druckauflage von 300.000 Heften noch 150.000 als Remittenden zurückkamen. Hätte man sie aufgehoben, (was Donalds ewiger Widersacher, der gnadenlos glückliche Gustav Gans, wohl gemacht hätte) wären sie heute ein Vermögen wert. Heute gibt es Nachdrucke, die ebenfalls schnell Sammlerwert erreichen.

Promovierte Kunsthistorikerin als Sprechblasenexpertin

Donalds Erfolg in Deutschland ist nicht zuletzt ein Erfolg von Erika Fuchs. Die promovierte Kunsthistorikerin übersetzte die Sprechblasen und schuf im Laufe der Jahre eine unverwechselbare Donald-Sprache, die viel subtilen Witz und viele Wortspiele, Alliterationen und Stiledelsteine bietet, die Donalds Abenteuer weit über das Niveau anderer „Groschenheftchen“ hinaushebt. Nicht zuletzt dieser Sprache war es zu verdanken, dass Donald und seine Freunde die von selbsternannten Sprach- und Moralschützern in den 50er Jahren gestartete Kampagne gegen „Schmutz und Schund“ am Zeitungskiosk überlebte. Viele andere Comic-Helden hatte gegen die Saubermänner der Adenauerzeit kaum eine Chance. Donald Duck hat sich in den 75 Jahren seiner Vierfarbdruck-Existenz weit über die rein unterhaltsame Comic-Figur emanzipiert. Pop-Art-Künstler wie Roy Lichtenstein nahmen sich seiner an, sein Konterfei ziert Briefmarken aus aller Welt, und schon 1936 forderte ein Plakat: „Donald Duck for President“. Dazu wird es wohl auch in der Nach-Obama-Zeit nicht kommen, wohl dieser ja erstmals Schranken vor diesem Amt überwand. Aber auch jener „letzte Wille“, den Donald im „Lied vom rührseligen Cowboy“ anstimmt und der da lautet: „Und lieg“ ich dereinst auf der Bahre, dann denkt an meine Gitarre und gebt sie mir mit in mein Grab“ wird auf absehbare Zeit nicht erfüllt werden. Helden sterben nicht - sie werden höchstens Geschichte. Viel eher schon könnte die Forderung der Donaldisten aller Welt erhört werden, die auch nach 75 Jahren unüberhörbar lautet: „Donald forever!“

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