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Dominique Strauss-Kahn : Ein Fall, der keiner wurde

Muss nicht vor Gericht: Dominique Strauss-Kahn Bild: AFP

Das Strafverfahren gegen Strauss-Kahn ist eingestellt: Nicht einmal die Staatsanwälte glaubten ihrer Zeugin noch. Sie habe sich in Widersprüche verwickelt.

          Das Strafverfahren gegen den früheren Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, wegen versuchter Vergewaltigung ist eingestellt. Der zuständige Richter Michael Obus gab am Dienstag in New York einem entsprechenden Antrag der Staatsanwaltschaft statt. Zuvor hatte Obus den Antrag der Gegenseite abgelehnt, die mit dem Fall befassten Staatsanwälte auszutauschen. Nach der Entscheidung verließ Strauss-Kahn das Gericht als freier Mann, ohne einen Kommentar abzugeben.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Sein Anwalt Benjamin Brafman sagte vor der Presse im Gericht: „Sie können sich nicht vorstellen, wie erleichtert Dominique Strauss-Kahn ist. Es war ein furchtbarer Albtraum für ihn und seine Familie. Wir wollen, dass er seine Privatsphäre wiederbekommt und uns jetzt nicht weiter zu seinen Plänen äußern.“ Brafman sagte weiter, Strauss-Kahn könne jetzt zwar nach Frankreich zurück, werde es aber zunächst einmal nicht tun. Strauss-Kahn und seine Frau Anne Sinclair waren knapp eine halbe Stunde vor dem offiziellen Beginn der Anhörung in Begleitung der Anwälte eingetroffen. Der Franzose trug einen dunklen Anzug mit blauem Hemd, Sinclair ein dunkles Jackenkleid.

          Mit der Entscheidung des Richters ist der Missbrauchsprozess gegen den früheren Direktor des Internationalen Währungsfonds mit ähnlichem „Drama“ zu Ende gegangen, mit dem er vor mehr als drei Monaten zum „Fall DSK“ avanciert war. Nachdem die Staatsanwaltschaft dem mutmaßlichen Opfer des Zweiundsechzigjährigen, dem Zimmermädchen Nafissatou Diallo, am Montag bei einem 30 Sekunden langen Treffen angekündigt hatte, Strauss-Kahn nicht länger wegen versuchter Vergewaltigung und erzwungenem Oralsex ins Gefängnis bringen zu wollen, hatten alle Beobachter schon erwartet, dass Richter Michael Obus das Verfahren einstellt.

          Pro Diallo: Demonstranten bekunden vor dem New Yorker Supreme Court ihre Sympathie mit dem vermeintlichen Opfer

          Demonstranten vor dem Gericht

          Vor der Anhörung am späten Vormittag New Yorker Zeit hatten sich einige Dutzend Demonstranten vor dem Gericht an der Centre Street versammelt. „Man sollte ihn ins Gefängnis werfen. Es ist eine Schande, wenn auch keine Überraschung“, sagte Heather Cottin von der Organisation „May 1st Coalition for Worker and Immigration Rights“, die sich für die Rechte von Einwanderern einsetzt. Dass sich das Zimmermädchen bei den Anschuldigungen offenbar in Widersprüche verstrickt hat, ist nach ihrer Meinung kein Grund, Strauss-Kahn freizulassen: „Vergewaltigungsopfer wissen nach einer Attacke doch nicht, wo ihnen der Kopf steht, wenn sie aussagen sollen.“ Cottin bringt der Gedanke in Rage, dass Strauss-Kahn nun womöglich wieder in ein politisches Amt zurückkehrt. Fast ebenso sehr regt sie sich über seine Frau Anne Sinclair auf, die in all der Zeit zu ihm gestanden hat: „Das ist einfach nur tragisch. Leider machen das viele Frauen, deren Männer Schweine sind. Frau Sinclair würde allen Frauen der Welt einen großen Dienst erweisen, wenn sie ihren Mann verlassen würde. Aber das wird sie nicht tun. Idiotin.“

          Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem 25 Seiten langen Antrag auf Einstellung des Verfahrens mitgeteilt: „Wir sind mit einer Situation konfrontiert, in der immer deutlicher geworden ist, dass die Glaubwürdigkeit der Zeugin nicht einmal der grundlegendsten Überprüfung standhalten kann. Sie hat uns wechselnde und widersprüchliche Versionen des angeblichen Angriffs präsentiert.“

          „Er zeigt dem Opfer die kalte Schulter“

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