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Veröffentlicht: 01.01.2006, 08:00 Uhr

Die Kannibalen unter den Galaxien

Im Jahresverlauf wechselt der Sternhimmel sein Aussehen. Während im Westen Sternbilder verschwinden, tauchen am Osthorizont neue Sternkonstellationen auf. Im Januar ist der Himmel regelrecht übersät mit hellen Sternen.

© dpa

Selten ist der Beginn eines neuen Jahres mit einem astronomischen Ereignis verknüpft. An diesem Neujahrsabend ist immerhin die zunehmende Mondsichel zum ersten Mal nach Neumond wieder in der Abenddämmerung sichtbar.

Das erste Erscheinen des Mondes nach der Neumondphase wird Neulicht genannt. Nahezu alle Kulturen, deren Zeitrechnung auf dem Mondkalender beruhen, haben dieses erste Wiederauftauchen der Mondsichel als Beginn eines neuen Mondzyklus verstanden. Monatsanfang war immer der Tag des Neulichts des Mondes. Diesmal läutet das Neulicht auch das neue Jahr ein.

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Der Sternhimmel wechselt sein Aussehen

Die Mittagshöhe der Sonne steigt in der ersten Monatshälfte nur langsam an, erst danach beschleunigt sich die Zunahme der Höhe unseres Tagesgestirns. Die Steigerung der Mittagshöhe der Sonne beträgt im Januar insgesamt fünfeinhalb Grad, wobei die Sonnenhöhe bis zum 31. Januar auf zweiundzwanzigeinhalb Grad steigt. Dies bewirkt eine doch beträchtliche Zunahme der Tageslänge um mehr als eine Stunde im Monatsverlauf.

Im Jahresverlauf wechselt der Sternhimmel sein Aussehen, ähnlich wie die Kulissen auf einer Drehbühne. Während im Westen Sternbilder verschwinden, tauchen am Osthorizont neue Sternkonstellationen auf. So zeigt jede Jahreszeit zur jeweils selben Beobachtungsstunde ein anderes Aussehen des Sternhimmels. Der Januarhimmel bietet dabei einen besonders reizvollen Anblick. Er ist regelrecht übersät mit hellen Sternen. Auf einem Himmelsareal von weniger als zehn Prozent der gesamten Himmelsfläche haben sich 40 Prozent der hellsten Sterne erster Größe versammelt. Daher erscheint uns der Winterhimmel so überaus prachtvoll.

Der Monoceros-Gezeitenstrom

Stier, Fuhrmann und Orion stehen jetzt auf oder in unmittelbarer Nähe der Südlinie; Zwillinge, Großer und Kleiner Hund nehmen noch das südöstliche Himmelsareal ein. Bei der Betrachtung des Sternhimmels fernab störender Lichtquellen fällt das zarte Lichtband der Milchstraße auf. Die Milchstraßenregionen des Winters sind zwar etwas lichtschwächer als die der Sommermilchstraße, enthalten aber eine Vielzahl von offenen Sternhaufen sowie Gas- und Staubnebel. Zu nennen sind vor allem die mit bloßem Auge sichtbaren Sternhaufen Plejaden, Hyaden, h und Chi im Perseus sowie Praesepe (M44) im Krebs und, nicht zu vergessen, der prächtige Orionnebel, ein gigantisches Sternentstehungsgebiet. Im Innern solcher Gasnebel spielen sich die ersten Phasen der Sternentstehung ab, bilden sich aus dichten Molekülwolken Protosterne, die von Scheiben aus Gas und Staub umgeben sind, in denen Planeten entstehen können.

Wenn wir das Milchstraßenband im Stier betrachten, haben wir das Milchstraßenzentrum genau hinter uns. In dieser Richtung können die Ausläufer unserer Galaxis mit Hilfe von einigen entfernten Sternhaufen noch mehr als 20.000 Lichtjahre verfolgt werden. Vor drei Jahren fand sich in diesem Gebiet am Rande unserer Galaxis eine ringförmige Struktur. Dabei handelt es sich um einen Gezeitenstrom von Sternen, der aus einer Zwerggalaxis herausgerissen wurde, während diese mit unserer Milchstraße verschmolz. Diese Zwerggalaxie, oder vielmehr das, was von ihr übriggeblieben ist, befindet sich vermutlich im Sternbild Großer Hund. Der Sternstrom wird Monoceros-Gezeitenstrom genannt, da im Sternbild Einhorn (lateinisch Monoceros) der dichteste Teil dieses Stroms zu finden ist. Das Verschmelzen kleinerer Galaxien mit großen Systemen wie unserer Milchstraße kommt wahrscheinlich häufig vor, man spricht auch vom Kannibalismus der Galaxien.

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