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Die DDR als Schulprojekt : Diktatur mit schöner Kindheit

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Projektwoche SED-Dikatatur: Die Schüler sichten Stasi-Unterlagen Bild:

Fünfzehnjährige aus Thüringen haben die DDR nicht mehr erlebt. In einem groß angelegten Schulprojekt erfahren sie mehr über die Wirklichkeit des Staates, in dem ihre Eltern und Großeltern aufwuchsen.

          Der blaue Himmel lässt den Frühling ahnen. 25 Zehntklässler einer Regelschule aus einem kleinen Ort in Thüringen haben ihre Zimmer im Haus der Lebenshilfe im Erfurter Stadtteil Hochheim bezogen. Sie heißen Christopher und Toni, Julia und Michelle, aber auch Alex und Felix oder Jessica und Melody. Eine Projektwoche liegt vor ihnen: „Schild und Schwert der Partei“. Gemeinsam mit einer Lehrerin, mit Johannes Beleites, Studienleiter der Evangelischen Akademie Thüringen, und mit Matthias Wanitschke, Mitarbeiter der Landesbeauftragten für die Unterlagen der Staatssicherheit, werden sie sich über fünf Tage das Wirken der Stasi und die Mechanismen der SED-Diktatur erarbeiten.

          Die Schüler, die 15 oder 16 Jahre alt sind, sind mit Hausaufgaben angekommen. Sie haben mit Menschen, die die DDR erlebt haben, über die Erfahrungen mit dem MfS, der NVA und der Volkspolizei gesprochen. Die Jungen und Mädchen sollen jetzt ihre Interview-Ergebnisse vortragen. Die meisten haben ihre Großeltern und Eltern befragt.

          Schulspeisung und Arbeitsplätze für alle

          Ein Mädchen sagt, die DDR sei keine Diktatur gewesen: „Heute wird einem auch gesagt, was man machen muss“. Die meisten berichten aber, ihnen sei zu Hause geantwortet worden, die DDR sei „wohl mehr oder weniger eine Diktatur“ gewesen. Allerdings kommt ihnen der Satz eher pflichtschuldig über die Lippen, als hätten die Verwandten die Antwort gegeben, die von den Kindern in der Projektwoche mutmaßlich erwartet werde.

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          Die Schüler machen die verhaltene Kritik an der DDR aber sogleich wett: die Kindheit dort, so hätten die daheim Befragten berichtet, sei doch schön gewesen, mit Schulspeisung, genug Kindergarten- und Arbeitsplätzen und dem guten Kinderprogramm des Fernsehens. Alles sei bestens organisiert gewesen. Weder die Reisefreiheit noch das Westfernsehen hätten ihnen gefehlt. Die Mutter sei gern zu den jungen Pionieren gegangen oder habe heute noch Freundinnen aus der FDJ. Von der Stasi hätten nur einzelne etwas bemerkt.

          Der Opa putzt seine Orden und Ehrenzeichen noch immer

          Auch wenn die befragten Verwandten den Grenztruppen angehörten, und das waren nicht wenige, hatten sie angeblich keinen Kontakt zur Staatssicherheit. Die ehemaligen Angehörigen der „bewaffneten Organe“ lobten ihren Kindern und Enkeln gegenüber die Solidarität und Kameradschaft in der Truppe. Der Opa putze seine Orden und Ehrenzeichen noch immer, sagt ein Mädchen. Einer der Schüler hat nicht Verwandte, sondern eine Bibliothekarin und frühere Journalistin befragt. Die Stasi habe sie über eine Familie befragt, die in den Westen ausreisen wollte. Die Männer von der Stasi seien bei ihr aber „freundlich rübergekommen“. Man habe zwar gewusst, dass man bespitzelt wird, aber man habe sich sicher und beschützt gefühlt. Konflikte mit dem SED-Staat waren die Ausnahme in den Familien.

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