http://www.faz.net/-gum-8iook

Kinderbücher für die Ferien : Feuer und Farben für die ganze Welt

Mensch und Murmeltier: "Im Lauf des Sommers", so Traxler, "kommen Franz und Albert sich ganz langsam näher." Bild: Hanser Verlag

Bald sind die Ferien da, und mit ihnen endlich Zeit zum Lesen. Aber was? Die besten Bücher für die Reise und zu Hause.

          Wenn zwei Spezies sich anfreunden.

          Wer Bilderbücher vorliest, tut das in der Regel immer wieder mit demselben Buch. Nicht aus Einfallslosigkeit, sondern weil Zuhörer im Kindergartenalter oder darunter gern Vertrautes hören und sehen, und wer sich als Erwachsener nicht langweilen will, kann bei der Auswahl nicht vorsichtig genug sein. Hans Traxlers Bilderbuch „Franz, der Junge, der ein Murmeltier sein wollte“ ist da ein Glücksfall für beide Seiten: Die Geschichte von Franz, der sich im Sommer auf einer Almwiese mit dem Murmeltier Albert anfreundet, sich im Winter sehr um das Tier sorgt und es schließlich im Frühling wiederfindet, ist so einfach wie herzerwärmend und ohne falschen Ton erzählt, dabei voller Nuancen, die sich erst allmählich erschließen. Mindestens so gelungen aber sind Traxlers Bilder, die sparsam und effizient gezeichneten Gesichter der Menschen und Murmeltiere, und wenn es diese Form von respektvoller Annäherung zwischen den Spezies gibt, von der die Geschichte erzählt, dann spiegelt sie sich aufs schönste in Traxlers Bildern wider: Franz und Albert jedenfalls, hart gebeutelt von der Winterzeit, sehen sich zu Frühlingsbeginn zum Verwechseln ähnlich.

          Hans Traxler: „Franz, der Junge, der ein Murmeltier sein wollte“. Hanser Verlag, 41 S., 14,90 Euro, ab 4 Jahren.

          Hans Traxler: „Franz, der Junge, der ein Murmeltier sein wollte“. Hanser Verlag, 41 S., 14,90 Euro, ab 4 Jahren.
          Hans Traxler: „Franz, der Junge, der ein Murmeltier sein wollte“. Hanser Verlag, 41 S., 14,90 Euro, ab 4 Jahren. : Bild: Hanser Verlag

          Ein Weltatlas als Wimmelbuch.

          Landkarten, so meint man, sind entweder öde, aber genau, oder sie sind lustig, opfern aber für all die Ornamente und Bildchen ihre Akkuratesse. Wer nun einen Weltatlas für junge Leser herausbringt, darf sich nicht zwischen Genauigkeit und Schaulust entscheiden, er muss beides bringen. Die beiden polnischen Illustratoren Aleksandra Mizielinska und Daniel Mizielinski aber bringen noch ein Drittes in ihr Projekt der Weltdarstellung ein: Sie zeigen Länder und Kontinente, füllen jeden freien Fleck mit Bildern der entsprechenden Tierwelt oder von Berühmtheiten des Landes, von Bauwerken, Lieblingsspeisen oder populären Sportarten. Sie erinnern auch an Ernsthaftes und Kurioses aus der Geschichte - vor allem aber zeigen sie sich als Lexikographen, die mit Zahlen und Fakten zum betreffenden Land aufwarten.

          Ein „ultimatives Wimmelbuch“ nannte die Illustratorin Rotraut Susanne Berner, die in Wimmelbuch-Fragen sicherlich berufenste Zeugin, diesen Prachtband. Recht hat sie.

          Aleksandra Mizielinska, Daniel Mizielinski: "Alle Welt. Das Landkartenbuch". Aus dem Polnischen von Thomas Weiler. Moritz Verlag, 112 S., 26 Euro, ab 6.

          Aleksandra Mizielinska, Daniel Mizielinski: „Alle Welt. Das Landkartenbuch“. Aus dem Polnischen von Thomas Weiler. Moritz Verlag, 112 S., 26 Euro, ab 6.
          Aleksandra Mizielinska, Daniel Mizielinski: „Alle Welt. Das Landkartenbuch“. Aus dem Polnischen von Thomas Weiler. Moritz Verlag, 112 S., 26 Euro, ab 6. : Bild: Moritz Verlag

          An jeder Ecke wartet ein Wunder.

          Der Titel sagt eigentlich schon alles: Da ist in einer Burg ein uralter, sterbenskranker König, der Arzt wird ausgeschickt, um eine rare Pflanze zu besorgen, mit der der König gerettet werden soll, aber wahrscheinlich reicht die Zeit gar nicht mehr - und sonderlich viel Lebensmut scheint der König auch nicht mehr zu haben. Da hilft nur Erzählen: Löwe, Esel, Drache, Wolf, ein Tier nach dem anderen kommt nun zu dem Kranken und erzählt, was ihm geschehen ist. Und der treue Hase des Königs hält sein Ohr an die Brust seines Herrn und lauscht nach den schwächer werdenden Herzschlägen.

          Es ist ein großartiges, bewegendes Buch, eines der vielen Meisterwerke des holländischen Autors Paul Biegel, die gerade in einer schön gestalteten Neuausgabe eine Renaissance erfahren. Wie immer bei Biegel ist das Märchen ernst, umsonst gibt es hier nichts. Aber an jeder Ecke wartet ein Wunder.

          Paul Biegel: "Eine Geschichte für den König". Aus dem Niederländischen von Lotte Schaukal. Verlag Urachhaus, 158 S., 14,90 Euro, ab 7.

          Paul Biegel: „Eine Geschichte für den König“. Aus dem Niederländischen von Lotte Schaukal. Verlag Urachhaus, 158 S., 14,90 Euro, ab 7.
          Paul Biegel: „Eine Geschichte für den König“. Aus dem Niederländischen von Lotte Schaukal. Verlag Urachhaus, 158 S., 14,90 Euro, ab 7. : Bild: Verlag Urachhaus

          Kinderdetektive in Hochform.

          Weitere Themen

          Die Geburt des Krippenspiels Video-Seite öffnen

          Weihnachtsbrauch : Die Geburt des Krippenspiels

          Ein Krippenspiel der Geschichte rund um Jesu Geburt wurde erstmals 1223 aufgeführt. Die Idee hatte der Heilige Franz von Assisi im italienischen Greccio. Noch heute ist das Spiel dort der Höhepunkt des Jahres.

          Topmeldungen

          CSU-Parteitag : Eine Art von Normalität

          Auf dem Parteitag in Nürnberg will die CSU unbedingt Geschlossenheit demonstrieren, auch im Verhältnis zwischen der neuen Doppelspitze. Notfalls auch mit einem Kniff.

          Regierungssuche : SPD-Parteispitze für Sondierungen mit Union

          Trotz massiven Widerstands in der eigenen Partei will der SPD-Parteivorstand offenbar mit CDU/CSU Gespräche über eine Regierungsbeteiligung führen. Ein prominenter Sozialdemokrat wird nicht daran teilnehmen.
          Wirklich so schlimm? Nein! Der Psychiater Christian Dogs sagt, die Deutschen sind nicht so krank, wie seine Zunft es ihnen einreden möchte.

          Psychiater Christian Dogs : „Rennt nicht sofort zum Therapeuten!“

          Wie krank sind die Deutschen? Auf jeden Fall weniger krank, als Therapeuten es ihnen einreden wollen. Ein Gespräch mit dem Psychiater Christian Dogs über das Geschäft mit der eingebildeten Depression, die tristen Ehen von Managern und die lahme Generation Y.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.