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Globetrotter : Auf dem Rad durch die echte Welt

Unterwegs: Peter Smolka auf dem Karakorum Highway in Pakistan Bild: Peter Smolka

Einmal mit dem Fahrrad die Welt umrunden: Nach vier Jahren und 88.000 Kilometern im Sattel kehrt Peter Smolka nach Erlangen zurück. Im Gepäck hat der Abenteurer eine Fülle an Erlebnissen und Geschichten.

          Was nimmt man auf eine Radtour mit, die vier Jahre dauern und einmal um die Welt gehen soll? Nur das Nötigste natürlich, das war Peter Smolka gleich klar, als er sich an die Planung machte. Er entschied sich für Zelt, Schlafsack und Schlafmatte, vier T-Shirts, zwei Fahrradhosen, eine kurze und eine lange Outdoorhose, vier Garnituren Unterwäsche und Strümpfe, eine Fleecejacke und Regenkleidung. Dazu das nötige Flickzeug fürs Fahrrad, einen Ersatzreifen und Schläuche, Laptop und iPad, um unterwegs die weitere Reise planen zu können, und ein Buch, das er immer mal gegen ein neues austauschen wollte. Das war alles, was er im März 2013 in seine Fahrradtaschen packte.

          Britta Beeger

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Mehr als vier Jahre später kehrt er nun zurück. An diesem Donnerstag wird Smolka in seiner Heimatstadt Erlangen einrollen. Gut 88.000 Kilometer hat er auf dem Tacho – und eine Menge Erfahrungen im Gepäck. Vieles hat ihn auf seiner Reise berührt, einiges erstaunt, manches geärgert. „Vielleicht muss man erst einmal um die Welt gereist sein, um zu erkennen, was für ein Paradies Europa ist“, sagt der Sechsundfünfzigjährige.

          Die Reisen wurden immer länger

          Es war nicht seine erste große Tour mit dem Fahrrad. Schon während seines Studiums machte er sich zu Reisen auf, die immer länger wurden; erst acht Wochen auf dem Balkan, dann vier Monate in Nahost und Ägypten, fünf Monate über Spanien und Westafrika nach Togo und Anfang der neunziger Jahre für ein Jahr nach Kapstadt. Im Jahr 2000 startete er dann seine erste Weltumradlung, ebenfalls für vier Jahre. Noch lange danach erinnerte er sich vor allem an die Zeit in Afrika gerne zurück: wie gastfreundlich die Menschen waren, wie neugierig auf ihn und das, was er über Europa erzählte.

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          Bizarre Welt: Smolka im Süden Indiens :

          Umso größer war dieses Mal die Enttäuschung über den Kontinent, der ihn schon so begeistert hatte. „Die Fahrt durch Afrika war frustrierend.“ In Äthiopien wurde er nicht nur mit Steinen beworfen, sondern auch häufig angebettelt. „Give me money!“, riefen ihm die Menschen zu. Eine Ausnahme war Sudan, wo er häufig seine Zeltplane in der Wüste ausbreitete, manchmal in den landestypischen Lokandas schlief – einfachen Restaurants mit schlichten Bettgestellen für Reisende–, immer wieder aber auch von Einheimischen direkt in ihre Häuser eingeladen wurde. Dort sei niemand auf sein Geld aus gewesen oder ein Visum für Deutschland. „Die Menschen haben einfach gesehen, dass ich allein unterwegs bin und wahrscheinlich eine Unterkunft brauche.“

          Finanziert hat Peter Smolka seine Fahrt hauptsächlich von seinen Ersparnissen. Vor der Reise arbeitete er als Informatiker bei Siemens. Als er von seiner ersten Weltumradlung zurückgekehrt war, fragte ihn sein Chef als Erstes, wie lange er denn dieses Mal bleiben wolle. Sechs, sieben Jahre, sagte Smolka, und blieb am Ende sogar ein bisschen länger. Es war ihm klar, dass es ihn irgendwann wieder nach draußen ziehen würde, „in die echte Welt“, wie er sagt.

          Seine Reise führte ihn über Russland nach Indien und China. Von dort setzte er mit einem Schiff nach Nordamerika über – mit einem Frachtschiff, aus Kostengründen. Weiter ging es durch Nord- und Südamerika, dann wieder per Schiff nach Afrika und schließlich nach Europa. Immer wieder war Smolka extremen Temperaturen ausgesetzt, zwischen minus 20 Grad in den Anden und plus 45 Grad in Botswana. Unterwegs besuchte er die acht Partnerstädte Erlangens, weshalb er die Reise auch unter das Motto „Tour de friends“ stellte.

          Freundlich waren ihm unterwegs aber nicht alle Menschen gesinnt. Sein wohl schlimmstes Erlebnis: als ihm in einem kleinen Ort in Nordargentinien sein Fahrrad gestohlen wurde. Ein Verlust, der für ihn nicht leicht zu ersetzen ist, schließlich hat er sich über alle Komponenten viele Gedanken gemacht: die Gangschaltung, die Felgen, die Reifen, die Schläuche, den Sattel und sogar die Gepäckträger. Zehn weitere Tage blieb er noch in San Ignacio, machte so viel Lärm wie möglich, erstattete Anzeige bei der Polizei, setzte eine Belohnung aus – vergeblich. Smolka dachte sogar ans Aufgeben. Dann aber entschieden sich seine Sponsoren, ihm ein neues Rad zur Verfügung zu stellen, das in Kapstadt auf ihn warten sollte. Er musste also nur noch bis zur Küste Südamerikas kommen, wofür er sich im nächstgelegenen Ort ein 400-Dollar-Fahrrad kaufte.

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          Was er tut, wenn er wieder in Erlangen ist? Das weiß er noch nicht genau. Sein Vermieter hat seine Wohnung immer nur befristet vermietet, damit sie frei ist, wenn er zurückkommt, das macht vieles einfacher. Aber wo soll er arbeiten? Eine Liste mit Ideen hat er schon: Darauf stehen unterschiedliche Möglichkeiten wie ein Radladen oder ein Outdoorausrüster, die Deutsche Schule in Äthiopiens Hauptstadt Addis Adeba, das Auswärtige Amt – aber auch sein früherer Arbeitgeber Siemens. Ob sein Chef ihn zurücknehmen würde, weiß er nicht. „Immerhin könnte ich dieses Mal versprechen, bis zur Rente zu bleiben.“

          Quelle: F.A.Z.

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