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Deutsche vermisst : Verschwunden im Outback

Tanja E. wird vermisst. Falls die junge Frau Opfer eines Verbrechens wurde, könnte es schwierig werden, sie in der Weite der australischen Wildnis zu bergen. Bild: obs

Seit zwei Wochen fehlt von einer deutschen Auswanderin in Australien jede Spur – ein rätselhafter Fall, nicht nur für die Freunde der jungen Mutter.

          Es war Hochzeitsabend auf der Schaffarm, irgendwo im Nirgendwo. Ein schöner Tag neigte sich dem Ende zu. Noch Monate später erinnert sich April Matters, eine Freundin, an das besondere Licht, das in diesen Stunden den australischen Outback illuminierte. Die Gäste machten ihre letzten Schnappschüsse vor Einbruch der Dunkelheit. Tanja E., die ein weißes Kleid mit dezentem Rüschenmuster trug, strahlte. Im Hintergrund rote Erde, zwischen den Bäumen und Büschen Geländewagen.

          Till  Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Als Rucksackreisende war die junge Braut aus Deutschland vier Jahre zuvor in den australischen Busch gekommen. Tanja E. war damals erst 19 Jahre alt, ein Jahr lang wollte sie im Ausland bleiben. Dann fand sie dort die Liebe und eine neue Heimat. In dem Pub, in dem sie als Bedienung aushalf, lernte sie Michael B., ihren späteren Ehemann, kennen. „Sie haben sich sofort ineinander verliebt“, sagt April Matters am Telefon. Die Freundin bewundert den Mut, mit dem die junge Deutsche sich in ihr Abenteuer stürzte und ihrem Freund auf die abgelegene Farm folgte.

          Keine Hinweise auf Probleme

          Inzwischen aber ist fraglich, ob dieser äußere Eindruck die ganze Wahrheit widerspiegelte. Sechs Monate nach der Hochzeit ist aus der Romanze eine Tragödie geworden. Seit etwa zwei Wochen ist die 23 Jahre alte Tanja E. wie vom Erdboden verschluckt. Ihr australischer Mann hat sich das Leben genommen, im Beisein der Polizei. Die gemeinsamen Söhne im Alter von ein und drei Jahren werden von Verwandten betreut.

          Die Schaffarm, auf der Tanja E. die vergangenen vier Jahre verbracht hat, liegt fast 400 Kilometer von der südaustralischen Stadt Adelaide entfernt. Auf den letzten Kilometern gibt es nur eine Sandstraße, die durch karge Natur mit Akazienbäumen führt. Die nächsten Nachbarn leben 30 bis 40 Kilometer weiter. Der nächste Ort, Mannahill, hat weniger als ein Dutzend Einwohner. „Es gibt keinen Handyempfang, der Strom kommt vom Generator, und sie haben kein vernünftiges Festnetz“, sagt April Matters, die selbst deutlich näher an Adelaide wohnt. „Ich an ihrer Stelle wäre vielleicht schon einsam dort gewesen, besonders als junge Frau mit zwei kleinen Kindern.“

          Allerdings gab es den Erzählungen der Freundin zufolge keinerlei Hinweise darauf, dass die junge Deutsche unzufrieden mit ihrem neuen Leben war. Bei ihren Treffen macht das Paar vielmehr einen glücklichen Eindruck. Der Ehemann Michael B. sei ein „toller“ Vater gewesen, Tanja E. eine „wundervolle“ Mutter. Die beiden hätten Pläne geschmiedet für ihre Zukunft. „Es gab keine Hinweise darauf, dass es diese Zukunft vielleicht nicht geben würde“, sagt Matters. Das Leben auf dem Land schien Tanja E. zu gefallen. Auch bei der Arbeit mit den Schafen legte die junge Frau Hand an.

          Suizid vor den Beamten

          Und doch muss irgendetwas schief gelaufen sein. Die letzten bekannten Aufnahmen des Paars zeigen sie bei einem Museumsbesuch in Adelaide mit einem Kinderwagen. Danach wurde Tanja E. nicht mehr gesehen. Zwei Tage später meldete die deutsche Familie sie als vermisst. Laut australischen Presseberichten berichtete Michael B., dass die Frau das Auto in der Nähe des Ortes Roseworthy bei einer Tankstelle verlassen habe. Sie habe ihm gesagt, dass sie nicht auf die Farm zurückkehren werde. Ihr Handy und andere Wertgegenstände ließ sie im Auto zurück. Dafür soll sie eine höhere Summe Bargeld bei sich gehabt haben.

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