Home
http://www.faz.net/-gum-70tfo
Dienstag, 18. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Deutsche Farmer in Angola Das Vermächtnis

 ·  Einst verließ der Großvater die deutsche Heimat, um sein Glück in Afrika zu suchen. Der Vater ertrug fast dreißig Jahre Bürgerkrieg und wurde doch vertrieben. Nun kehrt der Sohn heim nach Angola. Eine Familiengeschichte.

Artikel Bilder (12) Lesermeinungen (4)
© David Klaubert

Vollrat von Krosigk ist ein langer, bärtiger Kerl mit einem Stammbaum bis ins 12. Jahrhundert. Mit stoischer Geduld arbeitet er an seiner Lebensaufgabe. Er trottet über staubige Erde, ausgedörrt von der Sonne im Südwesten Afrikas, und schiebt ein Gefährt vor sich her, das aussieht wie ein klappriger Kinderroller, und das alle dreißig, vierzig Zentimeter ein Maiskorn in den Boden drückt. In der Mitte des Feldes, wo Termiten ihren Hügel gebaut haben, hebt von Krosigk die Sämaschine an, trägt sie um die Wohnstatt der Eindringlinge herum, dann trottet er weiter, und nach etwa fünfzig Schritten hat er das Ende des Ackers erreicht. Sein Maisfeld ist nicht einmal einen Hektar groß.

Eingeklemmt zwischen zwei sumpfigen Bächen, belegt von Krosigks Feld nur einen Zipfel des Landes, das seiner Familie hier bei Quitila gehört, einem Dorf in der angolanischen Provinz Kwanza-Sul. Sein Großvater pachtete das Land einst von den portugiesischen Kolonialherren, und sein Vater bewirtschaftete das Land mit einer ganzen Treckerflotte. Als der Bürgerkrieg über Angola hereinbrach, harrte er hier so lange aus wie kein anderer Farmer. Der Krieg dauerte fast dreißig Jahre, den Frieden erlebte der Vater nicht mehr. Die Farm der Familie verfiel.

“Das ist ein Vermächtnis“, sagt Vollrat von Krosigk. Er ist hier auf der Farm geboren und aufgewachsen, er hat in Kiel studiert und die Welt gesehen. Nun ist er 53 Jahre alt und zurückgekehrt auf das Stück Land am Ende der zwanzig Kilometer langen Lehmstraße, wo es keinen Strom gibt und keinen Mobilfunk. Von Krosigk will das Erbe seiner Familie wieder aufbauen - obwohl er selbst niemanden hat, dem er es einmal vermachen könnte.

  1/11  
Ankunft in Angola: Familie von Krosigk in den 1930er Jahren; am Steuer Großmutter Minette, vorne der Nachbarfarmer „Onkel Koschki“ © privat Ankunft in Angola: Familie von Krosigk in den 1930er Jahren; am Steuer Großmutter Minette, vorne der Nachbarfarmer „Onkel Koschki“

Doch zurück nach Deutschland, zurück auf das flache Land bei Magdeburg, wo das angolanische Abenteuer der Familie von Krosigk begann. Großvater von Krosigk, geboren 1893 und wie so viele Männer seiner Familie auf den Namen Vollrat getauft, wuchs hier auf Gut Hohenerxleben auf. Seit 1466 war das beschauliche Schloss mit den weiten Ländereien im Besitz des obersächsischen Adelsgeschlechts. Weil aber sein ältester Bruder alles erbte, musste Vollrat Hohenerxleben verlassen und eine Anstellung als Gutsverwalter annehmen. Er heiratete, seine Frau Minette bekam drei Kinder, Eberhard, Illi und Krafft. Doch dann erreichte die Krise der Weltwirtschaft auch die Höfe auf dem preußischen Land, und Vollrat von Krosigk stand plötzlich ohne Arbeit da.

Auch in anderen deutschen Adelsfamilien herrschte in den zwanziger Jahren Aufruhr. Mit der Weimarer Verfassung waren 1919 alle Standesvorrechte abgeschafft worden, viele Adlige fühlten sich in der liberalen Republik nicht wohl. Einige wanderten nach Südamerika aus, andere zog es ins nähere Afrika. Weil aber das Deutsche Reich seine Gebiete dort im Ersten Weltkrieg verloren hatte, und die Briten, Franzosen und Belgier keine Deutschen aufnahmen, blieben nur die portugiesischen Kolonien. Mehr als 1400 Deutsche wanderten nach Angola aus.

Ihr Hab und Gut verpackten sie in 46 Holzkisten

Und so bestieg im Sommer 1930 auch der arbeitslose Gutsverwalter Vollrat von Krosigk mit seiner Familie in Bremerhaven einen kleinen, grauen Dampfer mit dem Namen „Verra“. Drei Wochen später erreichten Vollrat und seine Familie Luanda, die Hauptstadt Angolas, einen trostlosen Streifen am Fuß zerklüfteter Hügel. Hier wurden ihre 46 Kisten auf zwei Lastwagen gestapelt. Familie von Krosigk selbst stieg in die Dampfeisenbahn, bis nach etwa 200 Kilometern die Schienen endeten und sie sich mit in die Kabinen der Lastwagen quetschen musste. So fuhren sie dann stundenlang die steilen Ausläufer des angolanischen Hochlandes hinauf, und erst spät in der Nacht erreichten sie Calulo, ein portugiesisches Nest, von dem es nicht mehr weit war bis zu jenem Stückchen Afrika, das zu ihrer Heimat werden sollte.

Von der Kolonialverwaltung hatte Vollrat knapp 1000 Hektar Land zur Pacht bekommen. Es war von Gestrüpp und Gehölz überzogen, und auch einen kleinen Wald gab es, der aber lange nicht so dicht war wie der tropische Regenwald in tieferen Lagen. Auf einer Meereshöhe von gut tausend Metern waren die Temperaturen gemäßigter, und es war nicht so trocken wie weiter südlich - gute Bedingungen für die Landwirtschaft. Rund um Calulo hatte sich deshalb schon eine Handvoll deutscher Farmer angesiedelt.

Einer von ihnen, Emil von Gynz-Rekowski, den alle bald Onkel Koschki nannten, nahm Familie von Krosigk mit Sack und Pack bei sich auf. Ihr eigenes Haus musste sie ja erst noch bauen. Minette, die keinerlei Erfahrung im Hausbau hatte, entwarf eine Skizze mit fünf Zimmern, dann steckten sie den Grundriss ab. Das Fundament füllten sie mit Schutt und Steinen, darauf wurde als Fußboden roter Lehm gestampft. Für die Mauern hatte Onkel Koschki in der Trockenzeit Lehmziegel vorbereitet, das Dach deckten sie mit Gras. Schränke, Tische und Hocker zimmerten von Krosigks aus den leeren Kisten. Gerade rechtzeitig zum ersten starken Regen im Oktober konnten sie ihr Haus beziehen. Sie tauften es nach dem nahe gelegenen Dörfchen Quitila.

Buschbrände und Heuschrecken vernichteten die Ernte

Der Anfang auf Quitila war anstrengend und voller Rückschläge. Die Sonne verbrannte die Haut der Kinder, Mücken brachten Malaria, und der nächste Arzt lebte zwanzig Kilometer weit weg, wenn er überhaupt da war. Buschbrände zerstörten die Pflanzungen, und Heuschreckenschwärme fielen über Gemüsebeete her. Die Kaffeesetzlinge wuchsen langsam. Erst nach sechs Jahren gab es eine nennenswerte Ernte.

Für die Arbeit stellte Vollrat Einheimische aus umliegenden Dörfern ein. In den vierziger Jahren dann teilte ihnen die Kolonialverwaltung sogenannte Kontraktarbeiter zu, Einheimische aus dem Süden des Landes, die für einen festgeschriebenen Lohn zum Arbeiten gezwungen wurden. „Leider“, sollte Vollrat später in seinen Lebenserinnerungen schreiben.

Um 1950 begann Quitila im Gleichschritt mit dem immer schneller steigenden Kaffeepreis zu wachsen. Die von Krosigks pachteten weiteres Land, bald hatten sie 2500 Hektar. Zu den Kaffeesträuchern kamen Mais- und Baumwollfelder, Schafe, Schweine und Rinder. Vollrat kaufte einen alten Lanz-Bulldog und für die Kaffeeverarbeitung ließ er schwere Maschinen aus Deutschland importieren. Rund um das Farmhaus wurde fleißig gebaut: Wohnräume, Garagen, Ställe, Lagerhäuser und sogar ein Schwimmbecken, das an den Wochenenden zur Attraktion der Gegend wurde. Bis in die siebziger Jahre dauerte die gute Zeit.

Schon Ende der fünfziger Jahre übernahm Eberhard, Vollrats erster Sohn, die Pflanzung. Und 1958 gebar dessen Frau Walpurgis einen Sohn, den sie nach dem Großvater Vollrat nannten. Der kleine Rotschopf wuchs schnell zu einem wilden Kerlchen heran. Er hasste den Tropenhelm, den ihm seine Mutter wegen der Sonne aufsetzte. Mit den anderen Farmerskindern erfand er das Bananenrutschen. Dazu kletterten sie auf einen großen Felsen und sausten mit Bananenstauden unterm Hintern hinunter.

Als er sechs Jahre alt war, ging Vollrat in die kleine Schule der Farmer, in der ein Lehrer aus Deutschland ein Dutzend Schüler bis zur fünften Klasse unterrichtete. Danach wurde Vollrat aufs Internat in Windhuk geschickt. Das Abitur machte er in Hamburg, und an der Universität Kiel schrieb er sich für Agrarökonomie ein. Zur gleichen Zeit brach 7000 Kilometer weiter südlich ein blutiger Bürgerkrieg aus.

Quitila geriet zwischen die Fronten des „Kalten Krieges“

Die meisten europäischen Länder hatten ihre Kolonien in Afrika Anfang der sechziger Jahre in die Unabhängigkeit entlassen. Portugal aber schlug erste Aufstände in Angola brutal nieder und drängte die Befreiungskämpfer, die sich zu mehreren Gruppen zusammengeschlossen hatten, in entlegene Gebiete zurück. Anfang 1974 stürzte dann die Nelkenrevolution das Salazar-Regime in Portugal, und wenig später war Angola frei. Die ehemaligen Befreiungskämpfer aber konnten sich nicht auf eine gemeinsame Regierung einigen. Aus ihrer Rivalität wurde Krieg - unterstützt und angestachelt von außen.

Auf der einen Seite kämpfte die „Volksbewegung zur Befreiung Angolas“, kurz MPLA, die sozialistisch war und deshalb Waffen, Panzer, und Kriegsflugzeuge aus Kuba, der Sowjetunion und anderen Ostblockländern bekam. Kuba schickte außerdem Zehntausende Soldaten, und so konnte die MPLA Luanda unter ihre Kontrolle bringen und die Regierung übernehmen. Die zweite Befreiungsbewegung, die „Nationale Union zur totalen Unabhängigkeit Angolas“, Unita, wurde in die Rolle der Rebellen gedrängt. Sie setzten sich im Hochland und im Süden fest, unterstützt von Tausenden Soldaten aus Südafrika, mit Waffen und Geld aus Amerika und Westeuropa. Die Großmächte machten Angola zum Schlachtfeld ihres „Kalten Krieges“. Zwischen den Fronten: die Farm der Familie von Krosigk.

Zu Beginn des Krieges gab es rund um Quitila zwar keine Kämpfe, aber marodierende Banden nutzten die Wirren zu Beutezügen. Keine 50 Kilometer von Quitila brachten sie die Frau und den Sohn eines Deutschen um. Aus Angst um ihr Leben flohen fast alle europäischstämmigen Farmer aus Angola, allein bis Ende 1975 etwa 90 Prozent. Walpurgis von Krosigk fuhr im Konvoi mit Nachbarn bis Windhuk, wo drei ihrer Kinder zur Schule gingen. Nur Eberhard, der sture Optimist, harrte auf seiner Farm aus.

Morgens um zwei Uhr klopften die Rebellen an der Tür

Nach vier Jahren wagte sich auch Walpurgis zurück zu ihrem Mann. Doch Anfang der achtziger Jahre kehrte der Krieg zurück. Guerrillagruppen wurden in der Gegend gesehen, im Dunkel der Nacht überfielen sie Dörfer und Farmen. Auch die letzten Deutschen flohen. Eberhard aber blieb. Angola zu verlassen kam für ihn nicht in Frage. Er war Ende fünfzig und hatte fast sein ganzes Leben auf Quitila verbracht. Nur hier fühlte er sich zu Hause, und so ließ er sich auch von seinen Kindern, die sich große Sorgen machten, nicht überzeugen. „Nee, ich bleib hier“, sagte er. Und seine Frau blieb bei ihm.

Als die nächtlichen Überfälle näher kamen, schliefen Eberhard und Walpurgis in ihrem Pick-up, versteckt irgendwo im Wald. Später fuhren sie jeden Abend die 20 Kilometer nach Calulo, wo Truppen der Regierung stationiert waren. Morgens kehrten sie auf ihre Pflanzung zurück. Quitila war die einzige Farm weit und breit, die noch produzierte. Bis Eberhard am 30. April 1983 einen schweren Fehler machte.

Sohn Vollrat hatte ein paar Tage bei seinen Eltern verbracht, dann brach er eines Morgens nach Luanda auf. Seine Mutter begleitete ihn. Vater Eberhard blieb allein zurück, er musste seine Arbeiter entlohnen. Das dauerte länger als gedacht, und so beschloss er, ausnahmsweise auf Quitila zu übernachten. Morgens um zwei Uhr klopften vierzig Unita-Rebellen mit Kalaschnikows über den Schultern an der Tür.

Eberhard ließ die Rebellen ins Haus, wo sie Klamotten und ein paar Flaschen Bier zusammenpackten. Sie zwangen Eberhard hinaus in die Dunkelheit. Dann marschierten sie mit ihm 39 Tage und Nächte quer durch den Busch. Manchmal, wenn Eberhard zu schwach war um weiterzulaufen, schnallten sie ihn auf ein Brett und trugen ihn. Sie gaben ihm von ihrem Essen ab, sein Bier rührten sie nicht an. Der Führer der Unita, Jonas Savimbi, hatte demjenigen Offizier eine Beförderung versprochen, der einen Ausländer zu ihm bringen würde. Und so marschierten die Rebellen mit Eberhard fast tausend Kilometer Richtung Süden. Dann verluden sie ihn auf einen Lastwagen, und nach weiteren 900 Kilometern erreichten sie ihr Lager.

„Welcome back to civilization“

Vollrat war in der Zwischenzeit nach Kiel zurückgekehrt, und die Nachricht von dem Überfall traf ihn wie ein Schlag. Er wusste nicht, ob die Rebellen seinen Vater umgebracht hatten, ob er beim Marsch durch den Dschungel gestorben war. Ungewisse Tage quälten die Familie, bis sie vom Roten Kreuz erfuhren, dass Eberhard am Leben war. Über eine Tante in Washington versuchten sie, die amerikanische Regierung dazu zu bewegen, ihre Verbündeten von der Unita zur Freilassung zu drängen. Außerdem sprach eine Freundin bei Franz-Josef Strauß vor. Der Bayer war ein bekennender Freund Savimbis.

Nach 13 Tagen im Rebellenlager wurde Eberhard zum Unita-Chef geführt. Savimbi schüttelte ihm die Hand, Eberhard erhielt einen grünen Anzug mit gelber Krawatte und durfte in ein Flugzeug des Roten Kreuzes steigen. „Welcome back to civilization“, sagte der Pilot und brachte ihn nach Pretoria. Eberhard flog weiter nach Frankfurt, wo er von seiner Familie empfangen wurde, abgemagert und mit einem langen weißen Bart.

Sechs Wochen später kehrte er nach Luanda zurück. Von dort aus versuchte er, seine Farm weiter zu betreiben, doch das war inzwischen unmöglich. Die Rebellen trieben noch immer ihr Unwesen, sogar das bis dahin recht sichere Calulo überfielen sie. Die Farm wurde geplündert, zuerst die Einrichtung, schließlich Balken und Wellblechdächer. Die Häuser verfielen und bald waren sie von meterhohem Gras überwuchert.

Trotzdem fuhr Eberhard in den folgenden Jahren immer wieder nach Quitila, sobald die Kämpfe etwas abflauten. In seinem alten Pritschenwagen nahm er Trockenfisch für die wenigen Menschen mit, die noch in ihren Dörfern geblieben waren. Auf dem Rückweg transportierte er Maniok, Palmöl und Mais für die vielen Flüchtlinge, die rund um Luanda lebten. Immer wieder setzte Eberhard sein Leben aufs Spiel, doch er hatte in den schlimmen Zeiten eine Aufgabe gefunden, die ihn glücklich machte. Und plötzlich, im September 2000, hörte sein Herz auf zu schlagen. Zwei Jahre vor dem Ende des Krieges.

Walpurgis zog zurück nach Deutschland. Ihr Sohn Vollrat lebte inzwischen in Namibia. Nach dem Studium hatte er für eine Kakaoplantage in São Tomé gearbeitet, für die Welthungerhilfe in Angola und auf Baumwollpflanzungen in Moçambique. Er hatte Ulrike geheiratet, die er aus dem Studium kannte. Und er war mit ihr nach Windhuk gezogen, wo er und sein Bruder Fritz eine Gemüsefarm aufbauten. Sie lebten sich ein, die Geschäfte liefen gut - doch die Erinnerungen an Quitila ließen Vollart nicht los.

Das Wasser der Dusche wird mit Feuerholz erhitzt

Nach dem Ende des Krieges, der mehr als 500.000 Menschen getötet hatte und ein zerstörtes, traumatisiertes Land hinterließ, kehrten Vollrat und Fritz immer wieder auf die Farm ihrer Eltern zurück. Sie bauten einzelne Häuser wieder auf, darunter das ehemalige Wohnhaus, das noch immer Großmutter Minettes Grundriss hatte. Sie richteten darin eine Schule ein, und die katholische Mission in Calulo bildete sechs Lehrer aus, die bald mehr als hundert Kinder unterrichteten.

Vollrat stellte zehn Arbeiter ein. Sie rodeten das Gestrüpp und pflanzten auf kleinen Feldern zwischen den beiden Bächen Maracujareben, Ananasstauden, Süßkartoffeln und Bohnen. Für sich selbst baute Vollrat das ehemalige Buchhalterhäuschen wieder auf, eine bescheidene Bleibe mit Schlafzimmer, Bad und Küche. Er kaufte eine Solarpumpe und baute eine Dusche, deren Wasser man mit Feuerholz erhitzen kann.

Vor seinem Häuschen, unter meterhohen Bambusbüschen legte er eine Feuerstelle an - und da sitzt er nun am Abend dieses langen Arbeitstages. Zusammen mit seinen Angestellten hat er das neue Maisfeld angelegt, hat ihnen den Umgang mit der Sämaschine und dem kleinen, motorbetrieben Pflug erklärt. Er ist nach Calulo gefahren, hat dort über die neue Vermarktungskooperative der Landwirte verhandelt, hat Kartoffeln gekauft und bei einem alten Freund Bier getrunken.

“Hier fühl ich mich zu Hause“, sagt Vollrat. Seine Frau Ulrike aber wolle das Leben in der Abgeschiedenheit nicht auf sich nehmen. Fünf-, sechsmal im Jahr kommt Vollrat deshalb allein nach Quitila, um die Farm seines Großvaters wieder aufzubauen, um den Traum seines Vater zu verwirklichen.

Mit seiner Frau, sagt Vollrat im Schein des Feuers, habe er außerdem einen Kompromiss fürs Alter geschlossen. Ulrike wolle dann in Deutschland leben. Dort könnten sie sich regelmäßig sehen. Denn er selbst wolle nach Quitila heimkehren. Und ausharren, solange es geht.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1983, Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Jüngste Beiträge