Das kann vermutlich nur "La Prada" schaffen: eine von Autos inspirierte Kollektion zu entwerfen, die trotzdem nicht so aussieht, als sei sie für die Fans an der Formel-1-Rennstrecke gemacht. Um Fahrt in ihre neue Frühjahrs-Sommer-Kollektion zu bringen, die am Donnerstag auf der Mailänder Modewoche präsentiert wurde, nutzt Miuccia Prada allerdings den Retro-Dreh.
Sie ließ sich nicht von jenen am Computer entworfenen Limousinen inspirieren, die in diesen Tagen auf der IAA zu sehen waren, sondern von nostalgischen Chevrolets und Cadillacs der fünfziger Jahre. "Ich wollte eine süße Kollektion machen", sagte die Designerin nach der Schau, ",süß' - das Wort ist solch ein Tabu in der heutigen Mode. Warum müssen Frauen eigentlich immer so aggressiv sein?" Aber ist das beim Thema Auto nicht obligatorisch?
Comicartige Autos und schweres Leder
Keineswegs, die Kollektion kommt gewissermaßen testosteronfrei auf den Laufsteg. Die Models erinnern an die rehäugige Natalie Wood, die in "Denn sie wissen nicht, was sie tun" an der Seite der Halbstarken vor allem hübsch aussah. Die teils bonbonfarbenen Modelle jener Tage überführt Prada jedoch mit der ihr eigenen Ironie in die Moderne, indem sie den Röcken mit schweren Lederstoffen und comicartigen Autodrucken die Mädchenhaftigkeit nimmt.
Zwischen Sinnlichkeit und Androgynität bewegt sich auch "La Giannini", die zwar Prada nicht den Platz als First Lady von Mailand streitig machen kann, aber mit der Marke Gucci so große Erfolge feiert, dass sie schon jetzt ihren Vorvorgänger Tom Ford in den Schatten stellt, der in den neunziger Jahren so erfolgreich war, dass man an eine Steigerung kaum glauben wollte. Frida Giannini, die seit 2006 Kreativdirektorin von Gucci ist, präsentiert am Mittwoch eine blitzsaubere Kollektion, die sich an die Zeit des Art Déco anlehnt. In den geometrischen und glänzenden Mustern kann man das Chrysler-Building erkennen. Die Kleider sehen aus, als könne man in ihnen Charleston tanzen - und doch weht über allem ein Hauch Rock'n'Roll-Glamour: das Markenzeichen von Gucci.
D&G adé
Sie wolle die Opulenz der hedonistischen Ära zeigen, sagte Giannini nach der Schau. Und fast will man glauben, Gucci habe eine ebensolche eingeläutet. Während Italien im Schuldensumpf versinkt, hätte Gucci mit einem Jahresumsatz von drei Milliarden Euro locker ein Triple-A verdient. "Wir sehen keine einzige Wolke am Himmel", fasst Gucci-Geschäftsführer Patrizio di Marco für einen Zahlenmenschen erstaunlich poetisch die Lage zusammen. Für den guten Umsatz macht François-Henri Pinault, Präsident des Luxuskonzerns PPR (zu dem die Gucci-Gruppe gehört), in der "Herald Tribune" vor allem Asien verantwortlich: "Seit Ende Juni ist China unser wichtigster Markt" - und hat die Vereinigten Staaten abgelöst.
Nicht alle italienischen Marken können ähnlich eingestuft werden. Brioni etwa stellte jetzt seine wenige ausgereifte und glücklose Damenkollektion ganz ein und sagte seine Schau bei der Mailänder Modewoche kurzfristig ab. Abschied nehmen, heißt es auch bei Dolce & Gabbana: Die italienische Marke gab am Donnerstag bekannt, dass sie ihre seit 1994 bestehende Zweitlinie D&G aufgibt - kurz nachdem die letzte Kollektion an der Viale Piave gezeigt wurde. Zwar ist die Entscheidung offenbar nicht auf eine drohende Pleite zurückzuführen, denn D&G soll zuletzt immerhin einen Jahresumsatz von 400 Millionen Euro gemacht haben. Eher scheint es so, als schwächele die eigentliche Linie, denn durch das Einstellen von D&G könne man jetzt "noch mehr Kraft und Energie auf die Hauptkollektionen" richten, ließen die beiden Designer Domenico Dolce und Stefano Gabbana erklären.
Immerhin war es eine durch und durch optimistische letzte Kollektion aus bunten Seidenstoffen, die in Kombination mit riesigen Strohhütten einen Hauch von dem sorglosen Italien vermittelten, das noch nichts wusste von Herabstufung, Sparpaketen und drohender Staatspleite.