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Das Turmkreuz : Versöhnungskrone

Das Turmkreuz der Frauenkirche Bild: dpa/dpaweb

Sein Vater war britischer Bomberpilot, der im Zweiten Weltkrieg deutsche Städte zerstörte. Der Schmied Alan Smith hat nun das goldene Kreuz, ein Symbol der Hoffnung und des Friedens, für die Frauenkirche fertiggestellt.

          Der Vater von Alan Smith gehörte nie zu jenen ehemaligen Soldaten, die gern vom Krieg erzählen. Hin und wieder erwähnte er die Kameradschaft in der Royal Air Force. Aber vom Krieg berichtete er nur einmal. Alan Smith war zwölf Jahre alt, als er in wenigen Worten von der Zerstörung Dresdens hörte. Sein Vater erzählte vom unglaublichen Feuerball, den er auf dem Rückflug noch meilenweit sehen konnte. "Vom einen auf den anderen Moment war er sich des Horrors, des Leids bewußt. Er wollte, daß Dresden nicht in Vergessenheit gerät." Der kurze Bericht seines Vaters grub sich tief ins Gedächtnis von Alan Smith. Als Smith Jahrzehnte später bei seinem Arbeitgeber, der Londoner Gold- und Silberschmiede Grant MacDonald, davon hörte, daß der "Dresden Trust" als Zeichen der Versöhnung das Kreuz für die wiedererstehende Frauenkirche nachbilden lassen wollte, fühlte er sich dazu bestimmt, das Werk auszuführen.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Acht Monate lang arbeitete der Sohn des Bomberpiloten zehn Stunden am Tag anhand von Originalentwürfen seines Namensvetters Johann Georg Schmidt und Fotos an dem monumentalen vergoldeten Kreuz. Die Kugel, auf der das Kreuz steht, trieb er aus zwei Kupferblechen mit einem Durchmesser von 1,50 Metern. Um die beiden Hälften miteinander zu vernieten und von innen mit einer stabilen Struktur zu verstärken, mußte Smith in das Innere der Kugel kriechen. Smith hat schon für viele Könige und Königinnen gearbeitet. Sein bis dato größter Auftrag war eine zwölf Fuß hohe Palme aus Silber. Das Dresdner Kuppelkreuz aber ist sein wichtigstes Werk. Auch wegen seiner Familiengeschichte - Smith ist sich sicher, daß dieses Zeichen der Versöhnung auch im Sinne seines Vaters gewesen wäre.

          Spenden aus Großbritannien

          Am 13. Februar 1995, dem 50. Jahrestag der Zerstörung Dresdens, sagte der Herzog von Kent als Vertreter der britischen Krone Dresden ein neues Turmkreuz zu. Rund 550.000 Euro sammelte der "Dresden Trust" von vielen Spendern - auch der Königin - für das Werk nach historischem Vorbild. Als der Herzog von Kent am 13. Februar 2000 das britische Geschenk in Anwesenheit von 18.000 Zuschauern vor der Frauenkirche übergab, nannte er es ein "Symbol des Leidens und der Versöhnung".

          Gesten der Versöhnung freilich hatte es schon früher gegeben. Ende der vierziger Jahre nahm die Städtepartnerschaft zwischen Dresden und Coventry ihren Anfang. Der deutsche Nachtangriff auf Coventry Ende 1940 war das Modell für die Zerstörung Dresdens gewesen. In nur drei Stunden hatten deutsche Bomber die englische Industriestadt zerstört. Möglich wurde das durch die Kombination aus Brand- und Sprengbomben, die zu Feuerstürmen führte. Das von den Deutschen zynisch "coventrieren" genannte Vorgehen kopierten die Alliierten und paßten es der technischen Entwicklung an.

          Eine Gemeinschaft des Erlittenen

          Dresden und Coventry verbindet eine Gemeinschaft des Erlittenen. Ähnlich wie kaum vier Jahre später in Dresden wurde in Coventry der historische Kern mitsamt einer bedeutenden Kirche - der gotischen Kathedrale - zerstört. Hier wie dort blieben Stätten der Industrieproduktion in den Außenbezirken weitgehend unversehrt. Nur sechs Wochen nach dem Angriff auf Coventry sagte Domprobst Howard in der Ruine seiner Kathedrale: "Sei es noch so schwer, wir Christen sagen nein zur Vergeltung und ja zur Vergebung. Wenn dieser Krieg zu Ende ist, wollen wir gemeinsam eine freundlichere, christlichere Welt aufbauen."

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