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Mit Musik ins Jenseits : Soundtrack unseres Ablebens

Die Wahl des passenden Liedes zum letzten Gang will gut überlegt sein. Bild: dpa

Grönemeyer, Monty Python, Schubert, Sinatra. Welche Musik passt zur eigenen Beerdigung? Eine Frage, die man sich ernsthaft stellen sollte – besser heute als morgen.

          Welche Musik kann man bei der eigenen Beerdigung oder Trauerfeier spielen lassen, ohne dass man sich dem Verdacht aussetzt, man wolle das eigene Leben über Gebühr dramatisieren, und sei es nur postum? Und ohne dass sich die Trauergemeinde fremdschämt? Es ist eine Frage, die man sich besser heute als morgen stellt - ernsthaft.

          Bertram  Eisenhauer

          Verantwortlich für das Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nehmen wir beispielsweise Hamlet. Der Dänenprinz macht sich zwar erschöpfende Gedanken über Sein oder Nichtsein und die Pfeile und Schleudern des wütenden Geschicks und dergleichen. Als ihn dann aber nach allerhand Geraune und Gerede und Gemache im Fechtduell ein dummer Tod ereilt, stellt sich heraus, dass er offenbar versäumt hat, festzulegen, welche Musik bei seiner Beisetzung erklingen soll. Der Rest ist Schweigen, von wegen.

          Stattdessen kommt bekanntlich Fortinbras von Norwegen herein, der schon lange scharf auf Dänemark war und es gerade erobert hat, und der ordnet ein Staatsbegräbnis für den süßen Prinzen an: „Und bei dem Zug / Lasst Feldmusik und alle Kriegsgebräuche / Laut für ihn sprechen!“ So was Großtönendes freilich hätte nicht nur den hypersensiblen Hamlet verstört, sondern auch die zarte Ophelia, die ihm in den Tod vorangegangen ist (und über deren Musikpräferenz Shakespeare leider ebenfalls nichts überliefert, wenn ich es recht sehe).

          Eine höchst individuelle Wahl

          Also gilt: Wenn du leben willst, rüste für den Tod. oder doch zumindest für die Beerdigung. Der britische Schriftsteller Nick Hornby beispielsweise, inzwischen 58, hat sich bereits vor Jahren auf ein Lied festgelegt – auf „Caravan“ des irischen Blues-Grantlers Van Morrison, in der Version der Live-Platte „It’s Too Late to Stop Now“ von 1974: „And the caravan is on its way / I can hear the merry gypsies play . . .“ Als Bewohner der westlichen Hemisphäre, so schreibt Hornby in seinem Buch „31 Songs“, müsse man „schon gehöriges Pech haben, um neben all der Plackerei, dem Kummer und Schmerz nicht ein paar Momente der Freude, der blanken Hoffnung, des Triumphes mit der geballten Siegerfaust oder einfach der Zufriedenheit erlebt zu haben“ – und all das, so der Brite, bündele ebendas Lied „Caravan“.

          Das ist nun eine höchst individuelle Wahl, und das ist ja auch gut so. Den meisten von Hornbys britischen Landsleuten freilich steht bei Trauerfeiern der Sinn nach anderen Klängen – und nicht nur ihnen. 2014 ergab die Erhebung einer großen britischen Genossenschaft von Bestattungsunternehmen, die auf der Auswertung von 30.000 Beerdigungen fußte, ein angemessenes Ergebnis für eine Nation, welche die Exzentrik schätzt: Die Nummer 1 unter den Trauer-Top-Ten im Vereinigten Königreich ist demnach „Always Look on the Bright Side of Life“, ein Spottsong der Komikertruppe Monty Python aus dem Film „Das Leben des Brian“; es war das erste Mal in einem Jahrzehnt, dass der Siegertitel nicht an „My Way“ ging, das vor allem in der Version von Frank Sinatra berühmt geworden ist. Ansonsten tummelten sich auf der Briten-Liste auch hierzulande Bekannte wie Robbie Williams („Angels“) oder Celine Dion („My Heart Will Go On“) neben Kirchenliedern, klassischen Stücken und diversen Erkennungsmelodien von Fernsehserien (wie „Coronation Street“, eine Art britische „Lindenstraße“).

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