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Sonntag, 12. Februar 2012
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Dalai Lama im Hessenpark Die ersten Zuhörer kommen schon am Morgen

23.09.2007 ·  Er spricht von wahrer Freundschaft, Mitgefühl und einem Leben ohne Leiden. Der Dalai Lama zieht mehr als 13.000 Menschen in den Hessenpark. Es fließen auch Tränen.

Von Bernhard Biener
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Wo der grüne Schirm ist, wandelt „Seine Heiligkeit“. Über der Menschengruppe in dunklen Anzügen, die von drei, vier rot-gelben Tupfern der Mönchsgewänder durchbrochen wird, schwankt das Utensil in der Luft. Ende September in Deutschland, Nordhang des Taunus, da kann es garstig sein.

Doch der Schirm dient als Sonnenschutz, als der Dalai Lama am Samstag bei blauem Himmel auf dem Marktplatz des Hessenparks eintrifft. Applaus begleitet den freundlichen Mann, der von Ministerpräsident Roland Koch um eine halbe Kopflänge überragt wird und der an den Absperrgittern entlang die Runde macht. Immer wieder schüttelt der Dalai Lama Hände oder drückt einen entgegengestreckten Kata an seine Stirn, den weißen, zur Begrüßung gereichten Schal.

„Er ist ein tolles Vorbild“

Ähnlich wie die Tibeter versuche auch das Freilichtmuseum, Kultur lebendig zu bewahren, sagt später auf der Bühne Frank Auth, Sprecher der privaten Initiative „Freunde für einen Freund“. Sie hat das Oberhaupt der Tibeter nach Neu-Anspach geholt. Zusammen mit anderen hessischen Unternehmern ist Auth vor zwei Jahren mit Koch nach Indien gereist, dem Exil des Dalai Lama. „Ich habe noch nie einen Menschen getroffen, der so sehr lebt, was er sagt“, begründet der Unternehmer seine Faszination.

Als er mit diesen Worten gegen 15.30 Uhr das Hauptprogramm eröffnet, sitzen viele Zuhörer schon seit dem Morgen auf der Waldweide am äußersten Ende des Hessenparks. Ruhige Musik klingt den ganzen Tag über aus den Lautsprechertürmen und untermalt Bilder aus Tibet, die auf der Großleinwand gezeigt werden. Jessica aus Wehrheim und Marlene aus Hamburg nehmen die Klänge nicht wahr. Die beiden jungen Frauen sind gehörlos und haben sich schon um 9 Uhr an der ersten Bühnenabsperrung niedergelassen. Die 24 Jahre alte Jessica mit ihren dunklen Rasta-Locken hat den Dalai Lama in Hamburg erlebt und ist wie ihre drei Jahre jüngere Freundin selbst Buddhistin. „Er ist ein tolles Vorbild und zeigt uns, wie wir unser Leben meistern können“, teilt sie auf einem Zettel mit. Die Rede selbst kann sie später dank der Gebärdendolmetscher am Bühnenrand verfolgen.

Ebenfalls unter den Ersten ist die Wehrheimer Familie Dankowski. Vater Horst schwenkt eine Tibet-Fahne und begründet das Interesse politisch: „Die Zeit ist reif, dass Tibet frei wird.“ Seine Frau Marion findet es unerträglich, dass Kinder über den Himalaja ins Exil geschickt würden. „Eine grausame Vorstellung“, sagt sie in ihrem „Free Tibet“-T-Shirt. Ein Stück entfernt sitzt Doris Jordan seit zehn Uhr in einem Campingstuhl und harrt der Dinge. Sie kommt aus dem Odenwald und hat mit ihrem Mann die Nacht in einem Gasthof in Obernhain verbracht. „Ich bin Christin“, sagt die 68 Jahre alte Frau, „aber der Dalai Lama beeindruckt einfach durch seine Persönlichkeit. Solche Leute brauchen wir.“

Menschlichkeit kann Großartiges leisten

In der Nähe des Museumseingangs, unterhalb der Baugruppe Lahn-Dill-Ohm, werden unterdessen Bücher des Dalai Lama oder Mani-Steine mit dem Mantra verkauft. Gebetsfähnchen begrenzen das vorübergehend aufgebaute „tibetische Dorf“, in dem auch Menschenrechtsgruppen ihre Stände aufgebaut haben. Neben dem Nachtwächterhaus aus Frankenbach grasen zwei Yaks, während es an einem Essensstand unter der Überschrift „Hessen à la Carte“ Wokfleisch von ihren Artgenossen gibt.

Ein langer Fußmarsch ist es vom Marktplatz bis zur Bühne, vor der sich schließlich gut 13.000 Menschen versammeln. Zur Begrüßung des Dalai Lama singt eine tibetische Folkloregruppe aus der Schweiz und Liechtenstein. Den jungen Leuten fließen Tränen der Ergriffenheit über das Gesicht. Der 72 Jahre alte Religionsführer ist gerührt: Auch junge Leute, die ein freies Tibet nie erlebt hätten, seien von der Kultur des Landes durchdrungen.

Dann spricht er von der wahren Freundschaft und dem Mitgefühl, das auch dem Fremden das Streben nach Glück und ein Leben ohne Leiden zugestehe. „Nur mit diesem Gefühl der Menschlichkeit können wir Großartiges leisten“, sagt der Dalai Lama. Und während seine Worte vom Englischen ins Deutsche übersetzt werden, geht er an den Bühnenrand, beugt sich nach vorne und lächelt schelmisch in eine Kamera, die ihm jemand von unten entgegenreckt.

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