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Dachauer Todesschüsse „Den Staatsanwalt kaltblütig ermordet“

Die Staatsanwaltschaft München hält den Mann, der am Dachauer Amtsgericht einen Staatsanwalt erschossen hatte, für voll schuldfähig. Er habe heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen gehandelt.

© dpa Vergrößern Milch am Krankenbett: Der Angeklagte verweigert seit seiner Festnahme eine umfassende Ernährung.

Die Staatsanwaltschaft München hat im Prozess gegen Rudolf U. wegen der tödlichen Schüsse auf einen Staatsanwalt die lebenslange Freiheitsstrafe gefordert. Das 31 Jahre alte Opfer Tilmann T. sei „vom Angeklagten kaltblütig ermordet worden“, sagte die Staatsanwältin am Donnerstag im Plädoyer vor dem Landgericht München. Sie forderte, die besondere Schwere der Schuld festzustellen. Der Angeklagte habe heimtückisch, aus Eigensucht und somit aus niedrigen Beweggründen gehandelt. „Der Angeklagte war bei dieser Tat voll schuldfähig.“ Sie schloss sich damit der Sichtweise des forensisch-psychiatrischen Gutachters an, der den geständigen Angeklagten für schuldfähig erklärt hatte. Sein Pflichtverteidiger sprach sich für eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes und versuchten Mordes in einem Fall aus.

Rudolf U. wird vorgeworfen, im Januar im Amtsgericht Dachau den 31 Jahre alten Staatsanwalt Tilmann T. erschossen zu haben. Anschließend habe er auch Schüsse in Richtung Richterbank abgegeben, um den Richter zu töten, heißt es in der Anklage. Dem Richter und zwei weiteren Verfahrensbeteiligten war es aber gelungen, sich unter der Bank in Sicherheit zu bringen. Der 55 Jahre alte insolvente Transportunternehmer Rudolf U. hatte sich vor dem Amtsgericht Dachau verantworten müssen, da ihm vorgeworfen worden war, in 55 Fällen Sozialversicherungsabgaben für seine Mitarbeiter nicht gezahlt zu haben. Vor dem Landgericht München ist er nun wegen Mordes und Mordversuchs in drei Fällen angeklagt.

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Auch die Angehörigen, seine junge Witwe und seine Mutter, hatten am Donnerstag das Wort. Sie schilderten den getöteten Staatsanwalt als warmherzigen Menschen, der Richter werden wollte und stets an die Gerechtigkeit geglaubt habe. So habe er sich sein Leben lang auch liebevoll um den autistischen Bruder gekümmert. Die Witwe hob, an den Angeklagten adressiert, die Sinnlosigkeit und Verwerflichkeit seiner Tat hervor. Er habe keine Reue gezeigt. Rudolf U. hatte die Taten vor dem Landgericht München gestanden. Als Motiv hatte er angegeben, dass ihn die Justiz drangsaliert habe. Er habe schon 19 Prozesse und viel Geld verloren.

Quelle: F.A.Z.

 
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