Home
http://www.faz.net/-gum-74iyj
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
50 plus

Dachauer Todesschüsse „Den Staatsanwalt kaltblütig ermordet“

Die Staatsanwaltschaft München hält den Mann, der am Dachauer Amtsgericht einen Staatsanwalt erschossen hatte, für voll schuldfähig. Er habe heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen gehandelt.

© dpa Vergrößern Milch am Krankenbett: Der Angeklagte verweigert seit seiner Festnahme eine umfassende Ernährung.

Die Staatsanwaltschaft München hat im Prozess gegen Rudolf U. wegen der tödlichen Schüsse auf einen Staatsanwalt die lebenslange Freiheitsstrafe gefordert. Das 31 Jahre alte Opfer Tilmann T. sei „vom Angeklagten kaltblütig ermordet worden“, sagte die Staatsanwältin am Donnerstag im Plädoyer vor dem Landgericht München. Sie forderte, die besondere Schwere der Schuld festzustellen. Der Angeklagte habe heimtückisch, aus Eigensucht und somit aus niedrigen Beweggründen gehandelt. „Der Angeklagte war bei dieser Tat voll schuldfähig.“ Sie schloss sich damit der Sichtweise des forensisch-psychiatrischen Gutachters an, der den geständigen Angeklagten für schuldfähig erklärt hatte. Sein Pflichtverteidiger sprach sich für eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes und versuchten Mordes in einem Fall aus.

Karin Truscheit Folgen:

Rudolf U. wird vorgeworfen, im Januar im Amtsgericht Dachau den 31 Jahre alten Staatsanwalt Tilmann T. erschossen zu haben. Anschließend habe er auch Schüsse in Richtung Richterbank abgegeben, um den Richter zu töten, heißt es in der Anklage. Dem Richter und zwei weiteren Verfahrensbeteiligten war es aber gelungen, sich unter der Bank in Sicherheit zu bringen. Der 55 Jahre alte insolvente Transportunternehmer Rudolf U. hatte sich vor dem Amtsgericht Dachau verantworten müssen, da ihm vorgeworfen worden war, in 55 Fällen Sozialversicherungsabgaben für seine Mitarbeiter nicht gezahlt zu haben. Vor dem Landgericht München ist er nun wegen Mordes und Mordversuchs in drei Fällen angeklagt.

Mehr zum Thema

Auch die Angehörigen, seine junge Witwe und seine Mutter, hatten am Donnerstag das Wort. Sie schilderten den getöteten Staatsanwalt als warmherzigen Menschen, der Richter werden wollte und stets an die Gerechtigkeit geglaubt habe. So habe er sich sein Leben lang auch liebevoll um den autistischen Bruder gekümmert. Die Witwe hob, an den Angeklagten adressiert, die Sinnlosigkeit und Verwerflichkeit seiner Tat hervor. Er habe keine Reue gezeigt. Rudolf U. hatte die Taten vor dem Landgericht München gestanden. Als Motiv hatte er angegeben, dass ihn die Justiz drangsaliert habe. Er habe schon 19 Prozesse und viel Geld verloren.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Strafmaß Geschworene beraten über Todesstrafe für Boston-Bomber

War er ein radikaler Terrorist? Oder bloß ein Mitläufer, der seinem älteren Bruder gefolgt ist? Im Fall Dzokhar Tsarnaev beraten über diese Fragen jetzt die Geschworenen - und entscheiden damit über das Leben des Attentäters. Mehr

13.05.2015, 23:18 Uhr | Politik
Oldenburg Lebenslang für Ex-Krankenpfleger

Das Landgericht Oldenburg verurteilte Niels H. wegen Mordes an Patienten, Mordversuchs und gefährlicher Körperverletzung. Hinterbliebene begrüßten das Urteil. Mehr

26.02.2015, 18:05 Uhr | Gesellschaft
Prozess in Ingolstadt Lebenslang für Mörder von Franziska

Stefan B. entführte die zwölfjährige Franziska, missbrauchte sie brutal und erschlug sie anschließend mit einem Holzscheit. Das Schwurgericht Ingolstadt verhängte nun die Höchststrafe gegen den 27 Jahre alten Mann. Mehr

11.05.2015, 09:53 Uhr | Gesellschaft
Urteil Haftstrafe für Hoeneß-Erpresser

Das Landgericht München verurteilte den Angeklagten wegen versuchter Erpressung zu drei Jahren und neun Monaten Gefängnis. Mehr

16.12.2014, 14:29 Uhr | Wirtschaft
Doppelmord vor Gerichtsgebäude Mehr Lynchjustiz als Selbstjustiz

Es geschah am helllichten Tag mitten in Frankfurt: Aus Rache erschoss ein Neunundvierzigjähriger zwei Männer, die wegen des Todes seines Bruders vor Gericht standen. Nun wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt. Mehr Von Denise Peikert

11.05.2015, 12:15 Uhr | Rhein-Main
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 22.11.2012, 16:22 Uhr

Krude Hollywood-Logik Mit 37 Jahren zu alt für einen Mittfünfziger

Maggie Gyllenhaal wurde mit seltsamer Begründung für eine Rolle abgelehnt, Scarlett Johansson lernt am lebenden Objekt, und Valérie Trierweiler bleibt ungestraft – der Smalltalk. Mehr 0

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden