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„Cutty Sark“ besuchsfertig Unterhemdchen in Glas

 ·  Das historische Handelsschiff „Cutty Sark“, das für mehrere Millionen Pfund restauriert worden war, ist jetzt für Besucher zugänglich. Die Art der Präsentation ruft Kritiker auf den Plan.

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Wie auf einem Paradekissen zeigt sich der alte Teeclipper künftig der Welt: Die „Cutty Sark“, die schon seit mehr als einem halben Jahrhundert ihren letzten Hafen im Londoner Vorort Greenwich gefunden hat, wird in dieser Woche nach einer fünf Jahre währenden Restaurierungsphase wieder öffentlich zugänglich.

Das Schiff, das einst für den Handelsverkehr mit Indien auf einer schottischen Werft entstand, bis in die zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts hinein Dienst tat und nach dem Zweiten Weltkrieg nicht zuletzt dank des Einsatzes des britischen Prinzgemahls Philipp vor dem Abwracken gerettet wurde, hat vor fünf Jahren noch einmal einen lebensbedrohenden Sturm überstanden. Damals schlugen hohe Flammen aus dem Rumpf der „Cutty Sark“, nachdem bei Renovierungsarbeiten ein Feuer entstanden war. Die Feuerschäden galten als reparabel - schon vor dem Brand waren die Innenausstattung und die meisten äußeren Schiffsplanken demontiert und sicher gelagert worden. Doch die Katastrophe gab Anlass, die künftige Präsentation des Schiffes nochmals gründlich zu überarbeiten.

Bislang hatte die „Cutty Sark“ in ihrem Dock am Themseufer auf trockenem Kiel gelegen, so als wäre sie zu Reparaturzwecken hineingeschleppt und anschließend das Wasser abgepumpt worden. Die Schiffbaustatiker hatten Sorge, dass diese Lagerung auf Dauer zu Schäden führen werde, weil das Gewicht des Schiffes den Rumpf allmählich auseinander drücke. So entstand die Idee, den Schiffskörper mittels diagonaler Stahlstreben zu stützen - und vom Boden loszulösen. Der Rundgang im Trockendock, unter dem schwebenden Steven des Segelschiffs hindurch, wird künftig zu den spektakulären Momenten einer Besichtigung der „Cutty Sark“ gehören.

Allen Besuchern, die über den polierten Hochglanz des Schiffes staunen, versichert Richard Doughty, der Direktor der gemeinnützigen Cutty-Sark-Stiftung, dass es sich trotz der glänzend neuen Anmutung „fast vollständig um das alte Schiff“ handelt. Alle neuen und ergänzenden Materialien, etwa neue Stahlträger und Spanten, seien in ihrer Farbgebung von den Originalteilen abgesetzt worden, um sie als nachträgliche Einbauten kenntlich zu machen. Auch einige der äußeren Planken mussten in frischem Holz nachgearbeitet werden. Die Restaurierung der Dreimastbark verursachte Kosten von mehr als 60 Millionen Euro, künftig wird ein Eintrittsgeld von rund 15 Euro verlangt.

Die erneuerte „Cutty Sark“ - deren Name einem schottischen Dialekt entstammt, ursprünglich „Unterhemdchen“ bedeutet und vom Dichter Robert Burns als Kosename seiner Hexenfigur Nannie Dee verliehen wurde - ist schon vor ihrer Wiedereröffnung durch Königin Elisabeth II. in eine frische Kontroverse hineingesegelt. Einige Schiffsarchitekten befürchten, auch die neue Lagerung des Rumpfes werde dem Schiff nicht guttun, andere Kritiker stören sich an dem Glasdach, dass den Rumpf des Schiffes nun umgibt, um das Trockendock gegen Regen abzuschirmen. Der Londoner Kritiker Andrew Gilligan urteilte, statt den Eindruck zu vermitteln, die „Cutty Sark“ schwimme auf hoher See, wie das die Architekten beteuerten, wirke das Schiff nun, „als hätte es gerade ein Glashaus gerammt“.

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Jahrgang 1962, politischer Korrespondent in Berlin.

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