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Mittwoch, 15. Februar 2012
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Computer Monokultur gefährdet Daten-Sicherheit

02.03.2004 ·  Immer wieder breiten sich Computerviren rasend schnell weltweit aus. Als ein Grund dafür gilt die Dominanz des Betriebssystems Windows.

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Dan Geer hat seinen Job verloren, dafür aber jede Menge Zuhörer gewonnen. Der Experte für Computersicherheit hatte lediglich seine Überlegungen zu der schon von anderen vertreten These zu Papier gebracht, wonach die Vormachtstellung von Microsoft bei Betriebssystemen zu einer „Monokultur“ geführt habe, die die Sicherheit des weltweiten Datennetzes gefährde.

Der Begriff Monokultur ist aus der Biologie entlehnt. Er beschreibt einen Zustand, bei dem eine Art besonders gefährdet ist, wenn sie nur sehr wenige genetische Variationen hat. Genetische Vielfalt hingegen gilt als Voraussetzung dafür, daß zumindest einige Exemplare einer Gattung einen Angriff zum Beispiel von Viren überleben. Auf den Computerbereich übertragen bedeutet dies, daß bereits ein einziger Fehler in den allgegenwärtigen Windows-Betriebssystemen dazu führen kann, daß ein entsprechender Virus das völlige Chaos auslöst.

Diskussion angeregt

Nachdem Geer seine Überlegungen im vergangenen Herbst publiziert hatte, erhielt er von seiner damaligen Firma, zu deren Kunden auch Microsoft gehört, sofort die Kündigung. Sein Rauswurf habe auch seine guten Seiten, sagt Geer bei einem Gespräch in seinem Haus in Cambridge im amerikanischen Bundesstaat Massachusetts. Die Kündigung sei in Online-Foren wie slashdot.org diskutiert worden, was die Debatte über die Rolle von Microsoft noch verbreitert habe.

„Wo ich auch hinsehe, stoße ich auf den Begriff Monokultur oder Ähnliches“, sagt 53-Jährige. „Wenn ich Zweifel habe, dann überlege ich mir, wie läuft das in der Natur?“ sagt Geer, der einen Doktortitel in Biostatistik von der Universität Harvard hat und als Hobby die Bienenzucht betreibt. Die Vorstellung von einer Epidemie sei nicht grundsätzlich verschieden von dem, worum es im Internet gehe, erklärt Geer. „Er wurde entlassen, weil seine Firma besonders nett zu ihren Auftragebern sein wollte“, sagt Bruce Schneier, der Koautor des Beitrags von Geer. „Aber das ist so, als ob die Kirche zum Boykott eines Films aufruft - dann will ihn erst recht jeder sehen.“

Vielfalt würde Netzwerk verhindern

Microsoft weist jeden Verdacht zurück, etwas mit der Kündigung von Geer zu tun zu haben. Der Vergleich zwischen lebenden Organismen und Computer stimme auch nicht ganz, sagt Scott Charney, der Sicherheitsbeauftragte bei Microsoft in Redmond. Wenn man diese Theorie weiterverfolge, komme man nicht weit. Eine vernünftige Lösung sei hier nicht in Sicht. Ein vermehrter Einsatz des freien Betriebssystems Linux führe vielleicht zu einer „Duokultur“, was für einen versierten Hacker aber auch kein Problem sei, sagt Charney. Echte Vielfalt verlange nach tausenden verschiedenen Betriebssystemen, was wiederum integrierte Computersysteme und Netzwerke praktisch unmöglich mache. Ohne die Microsoft-Monokultur wären viele Fortschritte in der Informationstechnik gar nicht möglich gewesen, betonte Charney. Zudem gebe es einen wesentlichen Unterschied zur Biologie: Rechner kann man von einem Netzwerk abtrennen.

Über das Thema Monokulturen in der Computerlandschaft diskutiert. Weltweit erwägen Regierungen einen stärkeren Einsatz von Linux und haben zum Teil bereits entsprechende Beschlüsse gefasst. Aber die Monokultur-These beeinflußt auch die Art und Weise, wie Experten über Sicherheitsprobleme nachdenken. So wird eine Studie zur Ermittlung von Methoden zur automatischen Diversifizierung von Software-Code mit 750.000 Dollar gefördert. Andere Forscher erkunden „gutartige Mutationen“ von Software, bei denen der funktionale Teil der Software erhalten bleibt, andere Teile aber, die oft das Ziel von Angriffen sind, verändert werden.

Geer rät Microsoft zu einer stärkeren Trennung von Anwendungen wie Word und Outlook. Microsoft sieht aber gerade in der weitgehenden Integration der Software einen Vorteil für seine Kunden. Die Frage von Vielfalt und Monokultur sei zwar komplexer, als dies oft dargestellt werde, sagt Microsoft-Manager Charney, aber „das heißt nicht, daß man daraus nichts lernen kann“. Geer sieht sich durch solche Kommentare bestätigt: „Jetzt spricht auch Microsoft darüber.“

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