Home
http://www.faz.net/-gum-43pv
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Columbia-Katastrophe Mehr als drei Viertel verglüht

05.03.2003 ·  Seit der Columbia-Katastrophe sind mehr als 20.000 Wrackteile gefunden worden. Eine heiße Spur war jedoch noch nicht dabei und wird vielleicht die Ursache auch nie gefunden werden. Dennoch geht die Suche weiter.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Selbst einen Monat nach der Columbia-Katastrophe hat die mit der Untersuchung der Ursachen befaßte Kommission noch keine heiße Spur. Technisches Versagen ist nach Meinung des Leiters der Gruppe, des ehemaligen Marineadmirals Harold Gehman, ebenso eine mögliche Ursache wie Fehler bei der Wartung oder der Zusammenstoß des Shuttle mit einem Meteoriten oder Weltraumschrott.

Noch immer sind bis zu 4.000 Menschen in sechs Bundesstaaten mit der Suche nach Wrackteilen beschäftigt. Bisher sind nach Auskunft des Kommissionsmitglieds Roger Tetrault 22.563 Wrackteile der Columbia gefunden worden. Das Gesamtgewicht dieser Teile beträgt 14,5 Tonnen. Das entspricht lediglich etwa 14 Prozent des Gewichtes einer beladenen Raumfähre.

Demnach könnten mindestens zwei Drittel, wahrscheinlich sogar drei Viertel der Columbia nach dem Auseinanderbrechen in der Erdatmosphäre verglüht sein. Mit jedem Tag, an dem die Suchmannschaften mit leeren Händen aus dem Trümmerfeld zurückkehren, wird nach Meinung von Tetrault die Wahrscheinlichkeit geringer, daß noch bedeutende große Wrackteile gefunden werden.

Schnee erschwert die Suche

Dennoch gibt man die Suche nicht auf. Vor allem in den Bundesstaaten Nevada und Utah werden Suchtrupps gezielt eingesetzt. Aus den inzwischen zusammengestellten Amateurvideos und Fotos, sowie aus den Daten der Radareinrichtungen der amerikanischen Luftwaffe geht hervor, daß bereits über Kalifornien und Nevada einige größere Teile von der Columbia abgebrochen sind. Mindestens eines dieser Radarechos weist daraufhin, daß diese Teile in der Nähe des Ortes Caliente in Nevada landeten. In den letzten Tagen fiel in diesem einsamen hochgelegenen Wüstengebiet aber Schnee, so daß die Suchtrupps noch nicht fündig wurden.

Sämtliche Wrackteile der Columbia werden in einem großen Hangar am Kennedy-Raumfahrtzentrum der Nasa in Florida gesammelt. Insgesamt konnten die Fachleute dort bisher 16.063 Teile eindeutig identifizieren. Dazu gehören auch alle Reifen sowie Teile der drei Fahrwerke. Die zum linken Fahrwerk gehörenden Reifen weisen wesentlich größere Schäden auf als die Bereifung des rechten Fahrwerks. Das könnte nach Meinung von Tetrault eine Folge des vermuteten Eindringens von heißem Plasma in den Radkasten unter dem linken Flügel sein.

Teile der Raumfähre sind verdampft

Besonders überrascht hat die Mitglieder der Untersuchungskommission der Zustand der geborgenen Hitzekacheln. Viele von ihnen sind auf der Innenseite mit einer dunklen Schicht überzogen. Das war bisher noch nie nach einem Shuttle-Flug festgestellt worden. Erste metallurgische Untersuchungen ergaben, daß es sich dabei um Aluminiumoxyd handelt. Das weist eindeutig darauf hin, daß Teile des aus Aluminium bestehenden Rumpfes der Raumfähre verdampften. Das Gas schlug sich dann auf der Innenseite der Hitzekacheln als Belag nieder.

Allerdings steckt in keiner dieser Entdeckungen bisher jene heiße Spur, aus der man den genauen Hergang der Katastrophe zu entschlüsseln hofft. Die Schäden an den Reifen, der Aluminiumbelag auf den Kacheln und viele andere Befunde sind Folgen des Auseinanderbrechens, weisen aber nicht auf die Ursachen hin. Gehman schließt nicht aus, daß die Ursachen nie gefunden werden.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.03.2003, Nr. 55 / Seite 9
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen