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Clet Abraham : „Mit meinen Stickern werden Schilder schöner“

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Balkenträger: Auch in Berlin hat der Künstler schon an Verkehrsschildern gearbeitet. Bild: Matthias Lüdecke

Der Franzose Clet Abraham gestaltet in europäischen Metropolen Straßenschilder um. Autofahrer will er damit nicht irritieren – trotzdem muss er sich in Italien für seine Kunst vor Gericht verantworten.

          Herr Abraham, mögen Sie keine Verkehrsschilder?

          Doch, ich mag die Ästhetik. Die sehr reinen Farben und Zeichen. Aber ich mag ihren Sinn nicht. Sie haben eine sehr schwache Botschaft, sie sind beschämend für die menschliche Würde.

          Ohne Verkehrsschilder geht es aber nicht.

          Sie sind ja auch nützlich. Aber es gibt zu viele von ihnen. Man müsste mehr auf das Verantwortungsgefühl der Menschen setzen als auf Regeln. Chaos wäre auch schlecht, aber man müsste die beiden Extreme versöhnen.

          Im Sommer 2010 haben Sie begonnen, Verkehrsschilder durch abziehbare Sticker umzugestalten, zunächst in Florenz, wo Sie leben, dann auch in Rom, Mailand, Berlin, London und Paris. Wie kommen sie auf die Ideen für Ihre Motive?

          Ich suche nach dem Sinn. Das Einbahnstraßenschild ist zum Beispiel ein Symbol der Verbote. Und dann entwickle ich ein Design zu diesem Thema.

          Beim Schild „Durchfahrt verboten“ waren Sie sehr kreativ. Mal trägt ein Mann den weißen Balken weg. Mal sieht der Balken aus wie eine Farbrolle zum Anstreichen, weil Sie einen Griff daran geklebt haben. Mal sägt der Mann den Balken durch. Ist das Ihre Idee, das Verbot zu zerstören?

          Ich glaube, Verbote sind nicht die richtige Lösung. Aber ich zerstöre ja nichts. Ich arbeite mit dem Symbol. Humor ist mir wichtig. Ich prüfe mein Design genau, um nicht den Sinn des Schildes zu zerstören.

          Haben Sie denn keine Angst, dass die Autofahrer durch Ihre Sticker abgelenkt werden könnten?

          Nein. Denn mit meinen Aufklebern werden die Verkehrsschilder schöner, und man kann sie besser sehen. Man weiß ja aus der Verkehrspsychologie, dass häufiger Unfälle passieren, wenn alles zu routiniert läuft und man deswegen die Konzentration verliert.

          Wie muss man sich das vorstellen: Kleben Sie nachts heimlich die Sticker auf?

          Meistens, nicht immer. Es geht sehr schnell, wenn es sein muss, etwa an großen Plätzen. Es ist aber kein Geheimnis, wer hinter dem Projekt steckt: Ich habe mich ja öffentlich dazu bekannt.

          Mussten Sie schon einmal irgendwo ein Bußgeld für Ihr künstlerisches Wirken bezahlen?

          Die Stadt Pistoia in der Toskana wollte mir 5000 Euro aufbrummen. In der ersten Berufung wurde es auf 500 Euro verringert. Ich hoffe, dass es in der zweiten Berufung annulliert wird. Sollten denn Menschen, die nichts von visueller Kommunikation verstehen, über mich urteilen dürfen?

          Der Künstler

          Clet Abraham, geboren 1966, studierte Kunst in Rennes. Er hat sein Atelier in Florenz.

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