26.06.2006 · Bis zu seinem Tod hielt Braunbär „JJ 1“ alias „Bruno“ die Öffentlichkeit in Atem. Bisher beispiellos war die Jagd mit finnischen Spezialhunden, die erfolglos verlieft. Eine Chronik der Ereignisse.
Erstmals seit 170 Jahren kam mit „Bruno“ wieder ein wilder Bär nach Deutschland. Weil er in menschliche Siedlungen eindrang, wurde das zunächst willkommene Raubtier von den bayerischen Behörden zunächst als „Problembär“ und schließlich als „Risikobär“ eingestuft. Bis zu seinem Tod hielt der Bär samt einer bislang beispiellosen Jagd mit finnischen Spezialhunden die in Bayern Öffentlichkeit über fünf Wochen in Aufregung. Eine Chronik der Ereignisse:
20. Mai: Nachdem er zehn Tage zuvor in Österreich ein Schaf gerissen und mehrere Bienenstöcke geplündert hat, wird „Bruno“ erstmals in Bayern auffällig: In Graswang im Landkreis Garmisch-Partenkirchen tötet er drei Schafe.
21. Mai: Das Tier schlägt erneut zu und reißt in Farchant zwei Schafe und zwei Lämmer.
22. Mai: In Grainau und Eibsee tötet der Braunbär Schafe, Hühner und Tauben. „Bruno“ wird in Oberbayern aus Sicherheitsgründen zum Abschuß freigegeben.
27. Mai: In der Nähe von Fügen räumt das Tier einen Bienenstand aus und reißt einen Ziegenbock.
30. Mai: Der im bayerisch-österreichischen Grenzgebiet umherstreifende Bär wird als „JJ 1“ identifiziert. Er kommt aus Südtirol und ist verhaltensgestört.
4. Juni: Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen bei Klais tötet „Bruno“ drei Schafe und verletzt drei weitere Schafe sowie ein Ziegenkitz.
5. Juni: Abermals reißt „JJ 1“ drei Schafe nur vier Kilometer von Klais entfernt bei Lautersee.
6. Juni: Wieder in Österreich fällt der Braunbär in Leutasch in einen Hasenstall ein.
10. Juni: Vier finnische Bärenjäger und ihre fünf Hunde treffen in München ein.
11. Juni: Die Fangmannschaft nimmt ihre Arbeit auf und nimmt in Vomp im Inntal die Fährte auf. Der Fangversuch wird abgebrochen, weil ein Jagdpächter in Tirol die Genehmigung für sein Revier verweigert.
13. Juni: Wegen großer Hitze müssen die finnischen Bärenfänger in Tirol die Jagd auf den streunenden Braunbären abbrechen.
14. Juni: Ein Autofahrer meldet der Polizei, daß er im Raum des Sylvenstein-Stausees in Bayern mit einem Bären zusammengestoßen ist. Das Tier wird nur leicht gestreift.
16. Juni: Einer der speziell ausgebildeten Suchhunde stellt den Bären nahe dem oberbayerischen Lenggries. „Bruno“ entwischt in die Dunkelheit. Das Tier reißt ein Schaf. Am späten Abend taucht er erstmals in einer Ortschaft auf. In Kochel am See wird „JJ 1“ zweimal im Ort gesichtet.
17. Juni: Bruno bricht in Kochel einen Hasenstall auf und tötet ein Kaninchen und ein Meerschweinchen, außerdem zerstört er einen Bienenstock.
19. Juni: „Bruno“ tötet im Ortsbereich Kreuth zwei Schafe und plündert einen Bienenstock.
21. Juni: Auch am Achensee entwischt „JJ 1“ den finnischen Jägern. Der Vorschlag des Tiertrainers Dieter Kraml, „Bruno“ mit Hilfe einer brunftigen Bärin in die Falle zu locken, stößt auf Ablehnung, da „Bruno“ noch zu jung sei.
23. Juni: Drei der finnischen Spezialisten brechen die Jagd ab und fliegen in ihre Heimat zurück.
24. Juni: Sowohl in Bayern als auch in Tirol wird der Braunbär zum Wochenbeginn zum Abschuß freigegeben. Derweil wird das Tier wieder in Bayern gesichtet.
26. Juni: „Bruno“ wird am frühen Morgen am oberbayerischen Spitzingsee erschossen.