An diesem Freitag beginnt der 34. Berliner Christopher Street Day (CSD), der Tag, an dem die Schwulenbewegung mit bunten und populären Paraden gleiche Bürgerrechte einfordert, mit einem Gottesdienst, wie schon im vergangenen Jahr. Superintendent Bertold Höcker hält in der ehrwürdigen St. Marienkirche neben dem Fernsehturm die Predigt, der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit steuert eine „Gastpredigt“ bei.
Der Juni wird zum „schwulen Monat“: Am 1. Juni hissten Wowereit und Evelyn Nikutta, die Vorstandsvorsitzende der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), zusammen mit Jörg Steinert vom Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg (LSVD) die Regenbogenfahne am U-Bahnhof Nollendorfplatz. Am 2. Juni fanden die „Respect Games“ statt, die von Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) und der Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) unterstützt wurden. Das große „lesbisch-schwule Stadtfest“ in Schöneberg zog am vergangenen Wochenende die Mengen an. Und dass der Parade am CSD Hunderttausende folgen, ist inzwischen längst Tradition.
Etwa 100.000 Homosexuelle wurden im Dritten Reich verfolgt
Mehr und mehr sind es nicht die blanken Popos und schrillen Kostüme allein, die diese „Gay Pride Weeks“ prägen, sondern es gehören überaus ernste Gedenkveranstaltungen dazu, bei denen man nicht zur amerikanischen schwulen Bürgerrechtsbewegung schaut, sondern in der deutschen Geschichte Stoff für Stolz (Pride) und Trauer findet. Unmittelbar vor der Parade findet um elf Uhr am Samstag eine Gedenkfeier für die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Homosexuellen am Denkmal im Tiergarten statt, das an sie erinnert. Es reden der Justizminister von Brandenburg, Volkmar Schöneburg (Linkspartei), und Bodo Niendel, der stellvertretende Direktor der Holocaust-Gedenkstätte. Erwartet werden Abgeordnete aus dem Bundestag und dem Berliner Abgeordnetenhaus.
Am 28. Juni 1935 wurden die Strafbestimmungen des Paragraphen 175 gegen Homosexuelle verschärft, etwa 100.000 von ihnen wurden im „Dritten Reich“ verfolgt, etwa die Hälfte wurde verurteilt, 10.000 Männer wurden in die Konzentrationslager geschickt. In der Gedenkstätte Sachsenhausen nördlich von Berlin wird der Mordaktion gegen die homosexuellen Häftlinge gedacht, die vor 70 Jahren im Juni 1942 in mehreren Lagern stattfand. Der Publizist Alexander Zinn, der im Beirat der Stiftung Brandenburgischer Gedenkstätten sitzt, wird dort am 1. Juli das Schicksal der „Männer mit dem rosa Winkel“ in den Lagern schildern.
Hetero - Homo
Alfons Schröer (aalfonso)
- 23.06.2012, 09:00 Uhr
Wahre Toleranz
Robert Ionis (Robio)
- 22.06.2012, 14:49 Uhr