http://www.faz.net/-gum-75hr1
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Best Ager - Für Senioren und Angehörige

Veröffentlicht: 03.01.2013, 19:59 Uhr

Chinesische Plagiatoren Die Kopie ist schneller fertig als das Original

Chinesische Plagiatoren erschließen neue Gefilde: Mittlerweile werden im Reich der Mitte sogar ganze Gebäudeensembles nachgebaut.

von
© AFP Ein Mann in Peking vor einem Plakat mit Zaha Hadids Bauten

Es sind nicht mehr nur elektrische Zahnbürsten, Uhren, Smartphones, Druckmaschinen oder Jeans: Chinesische Plagiatoren haben sich in eine neue Dimension vorgewagt. Mittlerweile werden im Reich der Mitte sogar ganze Gebäudeensembles kopiert. Zumindest hat dies den Anschein, wenn man das Wangjing Soho, einen aus drei Baukörpern bestehenden Büro- und Einzelhandelskomplex in Peking, und das Bauvorhaben Meiquan 22nd Century in der südlichen Millionenstadt Chongqing miteinander vergleicht.

Rainer Schulze Folgen:

Das Pekinger Projekt stammt aus der Feder der englischen Stararchitektin Zaha Hadid, die in China viele Bewunderer hat. Das um einen Baukörper kleinere Chongqing-Projekt gleicht dem Komplex in der Hauptstadt fast wie ein Ei dem anderen: dieselbe biomorphe Hülle, ähnliche Ausrichtung, vergleichbares Bauvolumen. Zufall oder Absicht, Inspiration oder Diebstahl? Der Bauherr der vermeintlichen Imitation bestritt jedenfalls den Ideenklau, als ihn der verärgerte Bauherr des Originals, Soho China, aufforderte, das Design zu ändern. Man habe sich bei dem Entwurf an den Steinen am Ufer des Jangtse orientiert, zitiert ihn die Tageszeitung „China Daily“.

22671523 Der Chongqing-Entwurf © AFP Bilderstrecke 

Hinzu kommt, dass man in Chongqing offenbar noch schneller baut als in Peking: Die Kopie könnte vor dem Original fertig sein, das nach Angaben von Hadids Büro bis 2014 errichtet wird. Immerhin wird der Originalentwurf aber mehr Blicke auf sich ziehen, denn der Komplex steht prominent zwischen Stadt und Flughafen. Bei aller Empörung über die Kopie liege dem chinesischen Hang zur Nachahmung auch ein kultureller Unterschied zugrunde, meint der Frankfurter Architekt Johannes Reinsch. „Eine Kopie ist in China auch Zeichen der Wertschätzung. Der Lehrmeister gilt als nachahmenswert.“ Intellektuelles Eigentum sei in China noch ein junges Thema, sagt der Architekt, der in Peking fünf Jahre lang die Niederlassung des Architekturbüros KSP geleitet hat, von dem unter anderem die Chinesische Nationalbibliothek stammt. Das Team von Soho China muss sich jetzt ranhalten. Die Konkurrenz ist schon fast mit dem Dach fertig.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Triebwerke in Fernost Stück für Stück baut China seine Flugzeugindustrie aus

Der erste selbst entworfene Regionaljet fliegt bereits. Jetzt will China dafür auch die Teile selbst machen - in Peking entsteht ein riesiger Turbinenhersteller. Airbus und Boeing müssen die neue Konkurrenz fürchten. Mehr Von Hendrik Ankenbrand, Schanghai

29.08.2016, 14:09 Uhr | Wirtschaft
Singapur Führerlose Taxis für den Stadtverkehr

Eine amerikanische Softwarefirma testet zurzeit führerlose Autos im Stadtverkehr von Singapur. Statt mit einem Fahrer sind die Kleinstwagen ausgestattet mit einem feinen Laser, Radar und Kamera. Bis 2020 sollen die Autos in zehn Städten als Taxis eingesetzt werden. Mehr

30.08.2016, 16:36 Uhr | Gesellschaft
Chinesische Medizin Das Qi wieder zum Fließen bringen

Dr. Zhu praktiziert in Bern. Manche Patienten besuchen seine Praxis aus Neugier. Er selbst war in der Schweiz noch nie bei einem Schulmediziner. Mehr Von Elisa ter Harkel, Kantonschule Zürcher Oberland, Wetzikon

29.08.2016, 15:00 Uhr | Gesellschaft
Norwegen Mehr als 300 Rentiere durch Blitzschlag gestorben

Nach einem Unwetter in Norwegen fand man Hunderte verendete Vierbeiner. Es wird vermutet, dass sie durch Blitzschlag ums Leben gekommen sind. Mehr

30.08.2016, 15:42 Uhr | Gesellschaft
Historischer Nachbau Schindeln schlagen für vorgestern

Mittelalter-Romantiker bauen in Meßkirch ein Kloster für Zeitreisende. Eile ist nicht geboten – bis 2066 ist noch Zeit. Was steckt hinter der Idee? Mehr Von Rüdiger Soldt, Messkirch

28.08.2016, 19:50 Uhr | Gesellschaft

Justin Bieber Exit vom „Biebxit“

Justin Biebers Instagram-Account ist zurück, Mark Zuckerberg trifft Papst Franziskus, und Sara Sampaio ärgert sich über Paparazzi – der Smalltalk. Mehr 14

Frankfurter Allgemeine Stil auf Facebook
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden