Home
http://www.faz.net/-gum-75hr1
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
50 plus

Chinesische Plagiatoren Die Kopie ist schneller fertig als das Original

Chinesische Plagiatoren erschließen neue Gefilde: Mittlerweile werden im Reich der Mitte sogar ganze Gebäudeensembles nachgebaut.

© AFP Vergrößern Ein Mann in Peking vor einem Plakat mit Zaha Hadids Bauten

Es sind nicht mehr nur elektrische Zahnbürsten, Uhren, Smartphones, Druckmaschinen oder Jeans: Chinesische Plagiatoren haben sich in eine neue Dimension vorgewagt. Mittlerweile werden im Reich der Mitte sogar ganze Gebäudeensembles kopiert. Zumindest hat dies den Anschein, wenn man das Wangjing Soho, einen aus drei Baukörpern bestehenden Büro- und Einzelhandelskomplex in Peking, und das Bauvorhaben Meiquan 22nd Century in der südlichen Millionenstadt Chongqing miteinander vergleicht.

Rainer Schulze Folgen:  

Das Pekinger Projekt stammt aus der Feder der englischen Stararchitektin Zaha Hadid, die in China viele Bewunderer hat. Das um einen Baukörper kleinere Chongqing-Projekt gleicht dem Komplex in der Hauptstadt fast wie ein Ei dem anderen: dieselbe biomorphe Hülle, ähnliche Ausrichtung, vergleichbares Bauvolumen. Zufall oder Absicht, Inspiration oder Diebstahl? Der Bauherr der vermeintlichen Imitation bestritt jedenfalls den Ideenklau, als ihn der verärgerte Bauherr des Originals, Soho China, aufforderte, das Design zu ändern. Man habe sich bei dem Entwurf an den Steinen am Ufer des Jangtse orientiert, zitiert ihn die Tageszeitung „China Daily“.

22671523 Der Chongqing-Entwurf © AFP Bilderstrecke 

Hinzu kommt, dass man in Chongqing offenbar noch schneller baut als in Peking: Die Kopie könnte vor dem Original fertig sein, das nach Angaben von Hadids Büro bis 2014 errichtet wird. Immerhin wird der Originalentwurf aber mehr Blicke auf sich ziehen, denn der Komplex steht prominent zwischen Stadt und Flughafen. Bei aller Empörung über die Kopie liege dem chinesischen Hang zur Nachahmung auch ein kultureller Unterschied zugrunde, meint der Frankfurter Architekt Johannes Reinsch. „Eine Kopie ist in China auch Zeichen der Wertschätzung. Der Lehrmeister gilt als nachahmenswert.“ Intellektuelles Eigentum sei in China noch ein junges Thema, sagt der Architekt, der in Peking fünf Jahre lang die Niederlassung des Architekturbüros KSP geleitet hat, von dem unter anderem die Chinesische Nationalbibliothek stammt. Das Team von Soho China muss sich jetzt ranhalten. Die Konkurrenz ist schon fast mit dem Dach fertig.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Schanghai Blanke Busen werden von der Autoshow verbannt

Chinas Sittenwächter wollen keine Models auf Messen mehr. Nun trifft es die größte Automesse des Landes. Mehr Von Hendrik Ankenbrand, Schanghai

18.02.2015, 17:09 Uhr | Wirtschaft
Hongkong China warnt Ausland vor Einmischung

Für die chinesische Führung bedeuten die Proteste eine der größten politischen Herausforderungen seit dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking vor 25 Jahren. Und die Proteste weiten sich aus. Mehr

29.09.2014, 14:22 Uhr | Politik
Philosophicum Frankfurt Jetzt fehlt nur noch ein Café Kramer

Die Lage um das Philosophicum schien verfahren. Doch der Umbau zum Appartementhaus für Studenten stößt auf viel Lob. Wird doch alles gut? Mehr Von Rainer Schulze

15.02.2015, 19:35 Uhr | Rhein-Main
New York ’Friends’-Fans stürmen Café der TV-Serie

Zehn Jahre nach dem Aus der Comedy-Serie "Friends" erfreut sich die TV-Show offenbar noch immer großer Beliebtheit: In New York belagern Fans der Serie den Nachbau jenes Cafés, das zu den Hauptdrehorten der Kult-Sitcom gehörte. Das "Central Perk" wurde zum 20. Geburtstags der Serie im Trendbezirk SoHo eröffnet - inklusive orangefarbenem Original-Sofa. Mehr

18.09.2014, 16:23 Uhr | Feuilleton
Geschlechterdebatte in China Sexismus im Staatsfernsehen

Die Neujahrsgala-Schau des chinesischen Fernsehens ist harte Arbeit für die Zensoren: 700 Millionen Menschen schauen zu, die Witze müssen auf Parteilinie liegen. Dass viele Späße auf Kosten von Frauen gehen, stört die Zensur nicht. Aber die Frauen. Mehr Von Petra Kolonko, Peking

26.02.2015, 08:34 Uhr | Gesellschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 03.01.2013, 19:59 Uhr

Schönheitskönigin Die neue „Miss Germany“ stammt aus der Ukraine

Olga Hoffmann will Deutschland ein hübsches Gesicht geben, Schauspielerin Jasmin Gerat isst wieder Fleisch, und Catwoman liebt beide Geschlechter – der Smalltalk. Mehr 6

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden