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Chinesische Plagiatoren Die Kopie ist schneller fertig als das Original

 ·  Chinesische Plagiatoren erschließen neue Gefilde: Mittlerweile werden im Reich der Mitte sogar ganze Gebäudeensembles nachgebaut.

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© AFP Vergrößern Ein Mann in Peking vor einem Plakat mit Zaha Hadids Bauten

Es sind nicht mehr nur elektrische Zahnbürsten, Uhren, Smartphones, Druckmaschinen oder Jeans: Chinesische Plagiatoren haben sich in eine neue Dimension vorgewagt. Mittlerweile werden im Reich der Mitte sogar ganze Gebäudeensembles kopiert. Zumindest hat dies den Anschein, wenn man das Wangjing Soho, einen aus drei Baukörpern bestehenden Büro- und Einzelhandelskomplex in Peking, und das Bauvorhaben Meiquan 22nd Century in der südlichen Millionenstadt Chongqing miteinander vergleicht.

Das Pekinger Projekt stammt aus der Feder der englischen Stararchitektin Zaha Hadid, die in China viele Bewunderer hat. Das um einen Baukörper kleinere Chongqing-Projekt gleicht dem Komplex in der Hauptstadt fast wie ein Ei dem anderen: dieselbe biomorphe Hülle, ähnliche Ausrichtung, vergleichbares Bauvolumen. Zufall oder Absicht, Inspiration oder Diebstahl? Der Bauherr der vermeintlichen Imitation bestritt jedenfalls den Ideenklau, als ihn der verärgerte Bauherr des Originals, Soho China, aufforderte, das Design zu ändern. Man habe sich bei dem Entwurf an den Steinen am Ufer des Jangtse orientiert, zitiert ihn die Tageszeitung „China Daily“.

© AFP Vergrößern Der Chongqing-Entwurf

Hinzu kommt, dass man in Chongqing offenbar noch schneller baut als in Peking: Die Kopie könnte vor dem Original fertig sein, das nach Angaben von Hadids Büro bis 2014 errichtet wird. Immerhin wird der Originalentwurf aber mehr Blicke auf sich ziehen, denn der Komplex steht prominent zwischen Stadt und Flughafen. Bei aller Empörung über die Kopie liege dem chinesischen Hang zur Nachahmung auch ein kultureller Unterschied zugrunde, meint der Frankfurter Architekt Johannes Reinsch. „Eine Kopie ist in China auch Zeichen der Wertschätzung. Der Lehrmeister gilt als nachahmenswert.“ Intellektuelles Eigentum sei in China noch ein junges Thema, sagt der Architekt, der in Peking fünf Jahre lang die Niederlassung des Architekturbüros KSP geleitet hat, von dem unter anderem die Chinesische Nationalbibliothek stammt. Das Team von Soho China muss sich jetzt ranhalten. Die Konkurrenz ist schon fast mit dem Dach fertig.

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