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Chinas First Lady „Das Volk ist der Lebensquell“

Peng Liyuan, die Frau des neuen Parteichefs in China, ist einer der größten Schlagerstars in ihrem Land. Die Musikerin gibt sich bescheiden und volksnah – statt Partylieder schmettert sie Parteihymnen.

© AFP Vergrößern Auf dem Weg nach oben: Peng Liyuan 2009 in der „Großen Halle des Volkes“

China ist nicht Amerika. Als am Donnerstag Xi Jinping auf den höchsten Posten des Landes gewählt wurde, zeigte er sich nicht mit seiner schönen und strahlenden Ehefrau im Arm, sondern mit seinen finster dreinblickenden Genossen vom Politbüro. Dabei hätte Xi Jinping mit einem Auftritt an der Seite seiner Frau die Herzen vieler Chinesen erobern können. Denn seine Ehefrau, die ihren Familiennamen Peng behalten hat, ist einer der größten Schlagerstars in China.

Wenn Peng Liyuan in der Neujahrsgala des chinesischen Fernsehens auftrat und ihr Erfolgslied „Auf der Ebene der Hoffnung“ intonierte, blieb vor den Fernsehgeräten kein Auge trocken. Hunderte Millionen hingen an ihren Lippen und verfolgten ihre Bewegungen. Jetzt kann sich Peng Liyuan auf ganz andere Auftritte vorbereiten. Für Partei und Protokoll wird es schwer werden, darüber zu befinden, wie Peng Liyuan ihre Rolle als First Lady ausfüllen soll. Passt eine Unterhaltungskünstlerin zum Vorsitzenden der kommunistischen Partei?

Lobeshymnen auf die Kommunistische Partei

Anders als in westlichen Staaten, wo die Ehefrauen von Regierungschefs und Präsidenten sich an der Seite ihrer Gatten zeigen - manchmal ist es sogar schon umgekehrt-, ist in China eine Beteiligung an öffentlichen Auftritten nicht vorgesehen. Chinas Führer zeigen sich selten - und wenn, dann nur auf Auslandsreisen - mit ihren Ehefrauen. Die Frau des bisherigen Parteichefs Hu Jintao trat nur wenige Male in Erscheinung. Häufiger war noch die unscheinbare Frau des vorigen Parteichefs Jiang Zemin zu sehen, der öffentliche Auftritte unangenehm waren und die sich im Schatten ihres Mannes versteckte.

Peng Liyuan ist an das Rampenlicht und die Aufmerksamkeit gewöhnt. Als eine der bekanntesten Sängerinnen von Volksliedern und Polit-Hymnen hat sie schon eine lange Karriere hinter sich. Sie stammt vom Dorf. Zum Singen kam sie in der Volksbefreiungsarmee, der sie als Soldatin im Jahr 1980 beitrat und dessen Unterhaltungs-Truppe sie bis heute angehört. 1982 durfte sie dann schon in der Neujahrsgala-Show des nationalen Fernsehens auftreten und war ein großer Erfolg.

Chinas famous future first lady adopts low profile © Lu xu/Imaginechina/laif Vergrößern Mit Trophäe: Peng Liuyan 2011 bei der Verleihung eines Kunstpreises

Mittlerweile hat sie zwölf Mal dort gesungen, mal in Uniform, mal in folkloristischer Tracht. Sie singt Lieder, die sich grob in die Kategorie „Volksmusik“ einordnen lassen, aber auch Lobeshymnen auf die Kommunistische Partei, etwa jene, die eigens für den 16. Parteikongress komponiert wurde: „Das Volk ist die Erde, das Volk ist der Himmel, das Volk ist der Lebensquell der Partei.“ Sie ist in Amerika und Kanada aufgetreten und hat 2008 in Wien die Titelrolle in der chinesischen Oper „Hua Mulan“ gesungen.

Peng Liyuan hat auch schon politische Aufgaben übernommen. Sie ist Mitglied der chinesischen Konsultativkonferenz, eines Beratergremiums, in das viele Prominente berufen werden. Sie hat sich auch als Sonderbotschafterin der Vereinten Nationen für Tuberkulose und Aids-Aufklärung gewinnen lassen. Das ist ein beachtlicher Schritt, wenn man bedenkt, dass das Thema Aids in China noch vor nicht allzu langer Zeit tabu war. Zusammen mit Bill Gates machte Peng Liyuan auch Werbung für das Nicht-Rauchen im Raucher-Staat China.

Bescheiden und volksnah

Ihrem prominenten Status ist es zu verdanken, dass man etwas Persönliches über Chinas neuen Führer weiß. Er sei bescheiden, einfach und ehrlich, hat sie erzählt. In einem Interview hat sie vor einigen Jahren berichtet, wie sie zusammenkamen. Freunde hätten sie einander vorgestellt. Xi Jinping habe sie mit seinem Interesse an Musik für sich eingenommen. Als man sich nähergekommen sei, habe er ihr aber gleich gestanden, dass er für ein Familienleben nicht viel Zeit haben würde.

Ihre Eltern standen der Verbindung demnach zunächst skeptisch gegenüber: Der Sohn eines alten Parteiführers sei bestimmt korrupt und arrogant. Offenbar konnte Xi sie vom Gegenteil überzeugen, und mit Zustimmung der Eltern heirateten sie im Jahr 1987 in der südchinesischen Provinz Fujian, wo Xi Jinping ein hohes Parteiamt innehatte. Das Paar lebte die meiste Zeit getrennt. Peng Liyuan blieb in Peking bei ihrem Gesang, Xi Jinping im Süden bei der Politik. Erst 2007 wurde Xi wieder nach Peking berufen. Sie haben eine Tochter, die zurzeit unter angenommenem Namen in Harvard studieren soll.

Wie ihr Mann gibt sich die neue First Lady bescheiden und volksnah. Sie sei, meint sie, ein ganz gewöhnlicher Mensch und wolle ein ganz gewöhnliches Leben führen. Sie fahre oft mit dem Fahrrad auf den Markt, um Gemüse einzukaufen, „weil mein Mann keine Zeit hat“. Sie feilsche um den Preis wie alle anderen. Wenn jemand sie als die berühmte Sängerin erkenne, sei ihr das peinlich.

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Quelle: F.A.Z.

 
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