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Cassini-Huygens-Mission Die Landung auf Titan ist Kür

23.12.2004 ·  Saturn-Mond Titan hütet ein Geheimnis. Er versteckt seine Oberfläche unter einem undurchdringlichen Smog. Dieser Wolkenvorhang ist der Atmosphäre der Urerde ähnlich. An Weihnachten macht sich die Esa-Sonde Huygens auf den Weg zu Titan.

Von Günter Paul
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Seit einem halben Jahr sendet die amerikanische Raumsonde Cassini immer wieder fantastische Bilder und wertvolle Meßdaten aus dem Saturnsystem zur Erde. Nun ist für die Europäer die Zeit gekommen, zu demonstrieren, daß ihre Weltraumtechnik auch bei Missionen fern der Sonne mindestens gleichwertig ist. Die europäische Sonde Huygens, die bislang huckepack mit Cassini geflogen ist, soll sich am Morgen des ersten Weihnachtsfeiertags gegen 6 Uhr mitteleuropäischer Zeit von diesem Saturnorbiter trennen und eigenständig zum Saturnmond Titan fliegen, in dessen Atmosphäre sie nach den Plänen am 14. Januar kommenden Jahres eintauchen wird.

Titan ist der einzige Mond im Sonnensystem, der eine dichte Atmosphäre hat. Weil er mit einem Durchmesser von 5150 Kilometern sogar größer als der Planet Merkur ist, reichte seine Masse aus, die Atmosphäre über Jahrmilliarden zu halten. Das wurde durch die niedrige Temperatur (von nur minus 180 Grad) an seiner Oberfläche begünstigt. Bei merklich höheren Temperaturen hätten die Partikel der Atmosphäre nach und nach das Schwerefeld des Mondes verlassen können.

Eine Landung wäre bereits Kür

Aus irdischer Sicht ist die Atmosphäre des Titans, die am Boden einen Druck von 1,6 Atmosphären erzeugt, nicht gerade lebensfördernd, denn sie besteht zu 95 Prozent aus Stickstoff und zu fünf Prozent aus Methan, dem Sumpf- oder Grubengas. Durch chemische Reaktionen entsteht in den oberen Bereichen der Atmosphäre ein Smog, der weitläufig den Blick auf die Oberfläche des Mondes verhindert. Nach Meinung vieler Forscher war die Uratmosphäre der Erde ähnlich beschaffen. Deshalb ist die Mission von Huygens speziell auf die Atmosphäre des Titans gerichtet, welche die Sonde am 14. Januar zwei Stunden lang beim Durchqueren erkunden soll.

Sollte die Sonde schließlich die Oberfläche des Mondes intakt erreichen, könnte sie weitere zwei Stunden Meßdaten und Bilder übertragen. Das wäre für Huygens dann sozusagen die Kür. Fest eingeplant ist eine solche Verlängerung der Mission nicht. Die Forscher haben davon abgesehen, sie zur Pflicht zu erklären, weil bislang niemand weiß, was die Sonde auf der Oberfläche des Mondes erwartet. Es könnte sein, daß dort Methanmeere große Kontinente umspülen. Vielleicht herrscht aber auch Trockenheit vor. Die Bilder und Radardaten, die Cassini bei zwei Vorbeiflügen in jeweils nur 1200 Kilometern Abstand gewonnen hat - beim zweiten in der Nacht vom 13. auf den 14. Dezember wurde das hier abgebildete Foto der Atmosphäre des Titans aufgenommen -, haben keine Aufschlüsse ergeben. Insgesamt sind kaum interpretierbare Details auf der Oberfläche des Mondes zu erkennen. Selbst von zwei großen Ringstrukturen weiß niemand genau, wie sie entstanden.

Cassini auf Kollisionskurs mit Titan

Die letzten Vorbereitungen für die eigentliche Mission der europäischen Huygens-Sonde begannen am vergangenen Freitag, als die Sonde Cassini durch ein Flugmanöver auf einen Kollisionskurs mit Titan gebracht wurde. Am Dienstag sind dann die Systeme für die Abtrennung von Huygens aktiviert worden. Gleichzeitig wurde sozusagen der Wecker für Huygens gestellt, der diese Sonde kurz vor der Ankunft am Titan aus dem Schlaf holen soll.

Wenn sich Huygens am Morgen des 25. Dezember von Cassini trennt, wird keine Funkverbindung zur Erde bestehen, denn Cassini muß für dieses Manöver präzise ausgerichtet sein. Die Antenne der Sonde kann deshalb erst später wieder Richtung Erde geschwenkt werden und die Daten vom Gelingen des Vorgangs übertragen. Huygens bewegt sich dann schon längst - schweigsam - mit einer Geschwindigkeit von 35 Zentimetern pro Sekunde auf den Titan zu. Erst kurz vor der Ankunft bei dem Mond werden die Instrumente an Bord eingeschaltet. Für Cassini wird der gemeinsame Flug mit Huygens dann ferne Vergangenheit sein. Das letzte, was daran erinnern wird, ist ein weiteres Flugmanöver am 28. Dezember, mit dem Cassini den Kollisionskurs auf Titan verläßt und auf eine sichere Bahn um den Saturn zurückkehrt.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.12.2004, Nr. 300 / Seite 9
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Jahrgang 1946, freier Autor im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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