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Cashewbauern : Mit Smartphones harte Nüsse knacken

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Die Cashewnachfrage auf dem Weltmarkt ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten um das Sechsfache gewachsen und steigt jährlich weiter Bild: Axel Wermelskirchen

Die Welt will mehr Cashewnüsse. Dass auch Afrikas Bauern mehr davon haben - dafür arbeiten Entwicklungsfachleute aus Deutschland.

          John Dare rückt sich einen Stuhl in den Nussbaumschatten, scheucht die Truthähne zur Seite und bittet vor dem Gespräch mit den Gästen um den Segen Jesu. Dare ist nicht nur Cashewbauer, er ist auch Prediger und zählt zu den 30Prozent Christen unter den 25 Millionen Einwohnern Ghanas. Deshalb hat er nur eine Ehefrau, nicht bis zu vier, wie es im muslimischen Norden des Landes üblich ist (die übrigen 40 Prozent der Ghanaer gehören Naturreligionen an). Dare, dem man seine 70 Jahre nicht ansieht, bewirtschaftet an seinem Vierhäuserdorf in der Nähe der Stadt Wenchi eine Vierhektarplantage. Die Cashewbäume stehen ordentlich im Zehnmeterabstand. Der Boden darunter ist unkrautfrei, die Äste sind geschnitten. Dares Kinder - der jüngste Sohn ist fünf - sind an diesem Morgen noch in der Schule, nachmittags werden sie ihm wie üblich bei der Farmarbeit helfen. Für die 2011er Ernte von März bis Juni zeigt der Bauer ein Zertifikat der „Wenchi Cashew Farmers and Marketing Union“ vor: 2647Kilogramm Cashewnüsse in der Schale hat er an die Genossenschaft verkauft. Die Gesamternte von 4000 Kilogramm hat ihm 6000 Cedi eingebracht, umgerechnet 3000 Euro. Das ist gut zehnmal mehr als der durchschnittliche afrikanische Cashewbauer mit seiner Hände Arbeit erzielen kann.

          Damit muss Dares Familie ein Jahr auskommen - und ist damit gut dran in dem aufstrebenden westafrikanischen Land mit seinen vielen Völkern, in dem vier von zehn Einwohnern jünger als 15Jahre alt sind. Seit Januar 2009 regiert Präsident John Evans Atta Mills. Der Korruptionsindex ist hoch, das noch agrarisch geprägte Ghana exportiert hauptsächlich Gold, Erdöl, Diamanten, Bauxit und Mangan, Kakao, Zuckerrohr, Kaffee - und brillante Fußballspieler. Die Inflation ist von 26 auf knapp neun Prozent gesunken, aber auch das reizt die Ghanaer noch nicht unbedingt zum Sparen.

          Bessere Arbeit, besseres Leben

          Der Bauer Dare weiß wohl kaum, dass die Cashewnachfrage auf dem Weltmarkt in den vergangenen zwei Jahrzehnten um das Sechsfache gewachsen ist und weiter um bis zu acht Prozent jährlich steigt, vor allem aus Indien und China. Vielleicht weiß er auch nicht, dass weit mehr als 1,5 Millionen Kleinbauern in Afrika 850000 Tonnen Cashewnüsse und damit 45 Prozent der Welternte produzieren, aber nur fünf Prozent ihrer Produktion auch in Afrika weiterverarbeitet werden, während der Großteil nach Indien und Vietnam verschifft wird.

          Was er aber weiß, ist, dass seine Arbeit und sein Leben besser geworden sind, seit er Teil eines Entwicklungsprojekts ist, bei dem die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) im Auftrag der Bundesregierung und der „Bill & Melinda Gates“-Stiftung die Feder führt. Afrikanische Cashew-Initiative (ACI) heißt das Projekt, das im Jahr 2009 begann und 2013 vollendet sein soll. Das Ziel ist, die Wettbewerbsfähigkeit der Cashewproduktion in Ghana, Burkina Faso, Benin, Moçambique und der Elfenbeinküste auf allen Stufen der Wertschöpfungskette zu verbessern und die Armut in diesen Ländern nachhaltig zu verringern. Projektleiter ist Peter Keller, Agrarökonom, Vater zweier Söhne in den Mittzwanzigern und seit mehr als 30 Jahren für die GIZ in Asien und Afrika im Einsatz.

          Effektiver und transparenter Handel

          John Dare musste seine rohen Nüsse früher an die Zwischenhändler verkaufen, ob nun zu einem fairen Preis oder nicht. Jetzt verkauft er an seine Wenchi-Genossenschaft, der mittlerweile 1800 Bauern angehören, und seit diesem Jahr hat er dabei auch noch einen viel besseren Überblick. Möglich macht das der Software-Konzern SAP mit Hauptsitz im badischen Walldorf, der am Cashew-Projekt beteiligt ist und in aller Welt über solches „social business“ neue Kunden gewinnen will. Carsten Friedland, 1975 geboren und in Südafrika aufgewachsen, arbeitet in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung des Konzerns. Der Cashew-Genossenschaft in Wenchi hat er mit seinen Leuten in kürzester Frist ein Computerprogramm an die Hand gegeben, das Produktion und Handel effektiver und transparenter macht. Auch John Dares Nusssäcke tragen jetzt eine Papierplakette mit Strichcode darauf. Wenn er sie in der Erntezeit zu einer der zehn lange Wegstunden auseinanderliegenden Sammelstellen bringt, muss der Mann von der Genossenschaft nur noch das SAP-Smartphone darüber halten - schon ist in der Zentrale Dares Name gespeichert, das Gewicht seiner Säcke, das Lieferdatum, die Sammelstelle. Ist das Internet nicht zu erreichen, können immerhin noch SMS geschickt werden.

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