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Burg Eltz Im Labyrinth der Erker

 ·  Einst zierte Burg Eltz den 500-Mark-Schein. Nach drei Jahren sind die Renovierungsarbeiten abgeschlossen. So wird sie nun vielleicht auch den Euro überleben.

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© Marcus Kaufhold Der Burgherr Karl Graf zu Eltz will sein Schloss in ein paar Jahren seinem Sohn übergeben

Eltz, im August. Beim Rundgang durch sein Schloss schaut der Burgherr argwöhnisch einen ausgestellten Tonkrug an. „Seltsam!“ Dabei wird die Vitrine mit kaltem Licht ausgeleuchtet! Nur ein winziger Riss, kaum zu erkennen, doch Karl Graf zu Eltz sieht alles. Und das ist bei einem solchen Monument ziemlich viel.

„Man kann diese Burg in Worten kaum beschreiben. Sie ist wie ein Märchen in Stein; das gesamte Bild scheint eher wie ein Traum als die Wirklichkeit zu sein, und deshalb klingt jede Beschreibung entweder ungenügend oder übertrieben“, schrieb die englische Reiseschriftstellerin Katharine Macquoid 1895 in ihrem Buch „Die Eifelreise“ über Burg Eltz. Fast 120 Jahre später sehen das 250000 Besucher im Jahr ähnlich. Das enge Tal des Elzbachs, der dichte Wald, die Spitztürmchen - man fühlt sich in vergangene Zeiten versetzt. „Illusion des Mittelalters“, sagt Sophie zu Eltz, die Ehefrau des Hausherrn.

Neues Dach für die nächsten 500 Jahre

Aus dem Traum vom Mittelalter wird diese Burg nicht so schnell erwachen. Gerade erst ist sie für fünf Millionen Euro renoviert worden. Drei Jahre lang war sie eine Baustelle. An vielen Stellen wurde mit verdeckten Ankern und Stahlstiften die Statik verbessert. Das Dach wurde neu gedeckt, der Dachstuhl erneuert. Die Fallrohre wurden ausgetauscht. „Das muss jetzt wieder 500 Jahre halten“, sagt Karl Graf zu Eltz. In solchen Zeiträumen muss man wohl als Burgherr denken. Dreimal in der Woche ist er während der Renovierungsarbeiten von Frankfurt, wo das Ehepaar lebt, zur Burg gefahren. Im ersten Jahr war das ganz schön stressig. Da hatte der promovierte Betriebswirt nämlich noch zwei Rollen auszufüllen: die eines Burgherrn und die eines Partners der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. Seine Maxime damals: „Ernähre dich fremd und sorge dich um das Haus.“

Sorgen um sein finanzielles Wohlergehen muss sich der Graf aber auch als hauptberuflicher Ruheständler nicht machen. Langweilig dürfte ihm auch nicht werden. Denn seine Burg zieht viel Publikum an, Deutsche natürlich, Niederländer, Briten, Amerikaner. Für Menschen aus der Gegend ist es einfach „unsere Burg“ und für viele Schüler des nahen Gymnasiums in Münstermaifeld ein Nebenerwerb. In manchen Familien ist es Tradition, als Burgführer zu arbeiten.

Besucher kamen trotz Staub und lauten Bauarbeiten

Für Rheinland-Pfalz ist die Anlage wichtig. 1,75 Million Euro steuerte das Land zu den Renovierungskosten bei. Der Bund und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz gaben 2,25 Millionen. Die Burg, sagt der Graf, sei die einzige private museale Einrichtung gewesen, die Mittel aus dem Konjunkturpaket II erhalten habe.

Natürlich, darauf legt der Hausherr großen Wert, hätten auch die Besucher wesentlichen Anteil daran, dass der Bau nun in neuem Glanz erstrahle. Es wurde gebohrt, es staubte und war laut - aber sie kamen trotzdem. (Acht Euro kostet die Visite, Führung und Schatzkammer inklusive.) Nur die Bundesgartenschau im vergangenen Jahr in Koblenz führte zu einem leichten Rückgang der Besucherzahlen.

Selbst an diesem schwül-warmen Sommertag schlendern Hunderte durch den engen Innenhof der Burg. Viele nicken dem Hausherrn zu. Er ist leicht zu erkennen: roséfarbenes Hemd mit weißem Kontrastkragen, randlose Brille, Jacke mit Hirschhornknöpfen und dunkelgrün abgesetztem Stehkragen, höfliche Worte, zuvorkommende Gesten. Zügig führt Karl zu Eltz durch seine Burg, die seit mehr als 850 Jahren in Familienbesitz ist. Die Eingangshalle ist düster und wirkt etwas kühl. Auf der Haube des schlichten Kamins prangt das Wappen der Familie mit dem silbernen Löwen, über den Fenstern hängen Brustpanzer und Helme. Dann deutet der Graf auf Geschosse, man könnte sie für kurze, schwere Pfeile halten.

Es sind aber Bolzen, mit denen frühe Feuerwaffen bestückt wurden. Zeugnisse einer Zeit, in der sich ein Burgherr noch der Angreifer erwehren musste. Der Trierer Kurfürst Balduin von Luxemburg habe bei der Belagerung der Burg in der Eltzer Fehde (1331-1337) solche Geschosse auf das Haus abgefeuert, erzählt der Graf. Sie gelten als „die ältesten Kanonenbolzen der Welt“. Niemals wurde die Burg gewaltsam zerstört. Zwar geriet die Feste mehrere Male durch prekäre politische Situationen in Gefahr, weil die Eltzer vor allem in den Kurfürstentümern Mainz und Trier wichtige Ämter bekleideten. Diplomatisches Geschick verhinderte aber Schlimmeres. Sie überstand den Dreißigjährigen Krieg und den Pfälzischen Erbfolgekrieg.

Ein Teil der Deutschen Vergangenheit

Die Herausforderungen sind heute zum Glück andere. Aber die Aufgabe bleibt die gleiche: das „Labyrinth von spitzen Türmchen und Dächern, Erkern, Giebeln, Schornsteinen und Dachfenstern“ (Katherine Macquoid) an die nächste Generation weiterzureichen. In drei bis vier Jahren will der Graf das Schloss an seinen heute 33 Jahre alten Sohn übergeben. Für Sophie zu Eltz ist das logisch: „Zu sagen, man habe im 21. Jahrhundert keine Lust mehr, wäre wohl ein bisschen lächerlich.“ Schließlich sei die Burg „nicht nur unsere Vergangenheit, sondern auch die Vergangenheit von Deutschland“. Gedanken um die geplante Erbfolge müssen sich der Graf und seine Gattin wohl nicht machen.

Illusionen geben sie sich trotzdem nicht hin. Eine Burg sei „nie fertig“, sagen sie. Immer wieder müssen Flächen neu verputzt werden, tauchen Risse auf, selbst wenn es nur kleine sind. Jährlich investiert er 150000 Euro an Erhaltungskosten. Man könnte sich manches sparen, meint der Graf, wenn man sich an den Niederländern ein Beispiel nähme. Per „Monument Watch“, einem Architektur-Tüv samt Reparatur, lässt sich der ganz große Renovierungsaufwand vermeiden.

Als Karl zu Eltz durch die „Rodendorfer Küche“ führt, grauer Steinboden, gewölbte Decke, große Feuerstelle mit Kupferkessel, deutet er auf eine Wand neben dem Küchentisch, an dem das Personal aß: Unter dem weißen Anstrich schimmert es zart Rosa. Irgendwann muss die Küche in diesem Ton geleuchtet haben. Soll er dem Rosa nochmal eine Chance geben? „Ich traue mich nicht so recht.“

Am 1. November wird Karl zu Eltz seine Burg wieder für fünf Monate schließen. In dieser Zeit sind nur der Kastellan, der Burgverwalter, und seine Familie dort. Sie haben ihre Wohnung in der Burg. Und die ist „energetisch so weit ertüchtigt, wie es der Denkmalschutz zuließ“. In drei Stockwerken habe man die Heizung vollständig entfernt. Der Graf hofft, dass der Energieverbrauch dadurch um ein Fünftel sinkt. Denn wegen des Wasserschutzgebiets muss man hier „die teure Variante“ Flüssiggas nutzen. Wie hoch die Heizkosten im Jahr sind, kann der Graf auf die Schnelle gar nicht sagen. Es werden wohl mehr als 500 Mark sein.

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