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Veröffentlicht: 01.11.2011, 17:10 Uhr

Bundesverkehrsminister Ramsauer „Langsame Klaviermusik hemmt Aggressionen“

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer will die Autofahrer ruhig auf der Spur halten. Im Interview spricht er über sein Hobby Klavierspielen, Selbstdisziplin und die CD „Adagio im Auto“.

© Bundesverkehrsministerium / Bastian Eller Alles schläft, einer wacht: Peter Ramsauer lauscht gespannt den Aufnahmen

Herr Ramsauer, an diesem Mittwoch stellen Sie die CD "Adagio im Auto" vor. Die langsamen Sätze der Mozart-Klavierkonzerte sollen die Hörer zum gelasseneren Autofahren verleiten. Außer Ihnen musizieren Pianisten wie das Klavierduo Stenzl, Lars Vogt und Christoph Eschenbach mit dem Orchester der Deutschen Oper Berlin unter Stephan Frucht. Die CD kostet 6 Euro, ein Euro jeder CD kommt der Aktion Kinder-Unfallhilfe zugute. Wann findet denn ein Bundesminister Zeit zum Klavierspielen?

Da braucht man schon viel Selbstdisziplin. In der Regel spare ich dafür an anderer Stelle Zeit ein, vornehmlich beim Joggen oder Schlafen. Klavierspielen ist für mich eine Gelegenheit zum Stressabbau und zur Entspannung.

Genügt gelegentliches Üben, um Mozarts 21. Klavierkonzert einzuspielen?

Nein, denn Sie müssen ja vom "Klimperniveau" auf Konzertreife kommen. In den drei Monaten vor der Aufnahme habe ich jeden Tag eineinhalb Stunden geübt. Ich hatte das Stück vor rund 30 Jahren zum letzten Mal ernsthaft geprobt und musste es mir jetzt Takt für Takt neu erarbeiten, um es zusammen mit einem Weltklasseorchester spielen zu können. Die Einspielung selbst hat dann einen halben Tag gedauert. Immer wieder dieselben Sequenzen: Das war härteste Arbeit.

Haben Sie denn in Ihrer Berliner Wohnung ein vernünftiges Klavier?

Ich habe hier ein "stummes Klavier", eine fünfoktavige Mechanik. Das sieht aus wie ein Werkzeugkasten und klappert nur. Da fehlt zwar das Klangerlebnis, aber das Üben wird fast noch präziser. Dafür steht zu Hause ein Konzertflügel.

Hätten Sie die schnelleren Sätze des Stücks auch hingekriegt?

Dann hätte ich noch mehr üben müssen, aber das erlaubt mein Hauptberuf nicht. Für das Musizieren muss man auch den Kopf frei haben, sonst ist der Oberkörper verspannt und die Finger laufen nicht. Um einen kompletten Klavierabend bestreiten zu können, müsste ich wohl ein halbes Jahr lang täglich fünf bis zehn Stunden üben. Die Leute erwarten ja auch, dass alles perfekt sitzt.

17446208 „Klavierspielen ist für mich eine Gelegenheit zum Stressabbau“ © Bundesverkehrsministerium / Bastian Eller Bilderstrecke 

Apropos schnelle Sätze: Sind Allegro und Allegro vivace nicht geeignet, um Autofahrer ruhig auf der Spur zu halten?

Das ist die Grundidee des Projekts: Der Kulturkreis der deutschen Wirtschaft zitiert wissenschaftliche Untersuchungen, die belegen, dass die langsame Klaviermusik deeskalierend und aggressionshemmend wirkt. Gleichzeitig weiß man, dass gefährliche Situationen im Straßenverkehr und Unfälle auch auf aggressive Fahrer zurückzuführen sind. Insofern kann die Musik da entgegenwirken. Das ist die Botschaft des Projekts, deshalb habe ich mich - neben den bekannten Künstlern - daran beteiligt. Das soll keine Selbstinszenierung sein. Wir werben für den guten Zweck, für die Kinder-Unfallhilfe.

Ihr Mozart-Satz wurde mal zur Untermalung eines Werbespots für Sekt genutzt. Diese Verbindung zum Thema Autofahren ist vermutlich unerwünscht . . .

. . . daran erinnere ich mich, ehrlich gesagt, nicht. Aber das Stück ist ja auch "prickelnd", eben ein Ohrwurm.

Es gibt auch Menschen, die klassische Musik beim Autofahren ähnlich nervenaufreibend finden wie andere Technomusik. Können Sie das verstehen?

Das kann ich schon verstehen, weil ich mir auch nicht vorstellen kann, im Auto eine Symphonie von Beethoven, Brahms oder Tschaikowsky zu hören. Ich persönlich mag Musik nicht nebenbei oder als Berieselung. Wenn ich Musik höre, will ich mich ganz auf sie konzentrieren.

Wann haben Sie zum letzten Mal selbst am Steuer gesessen?

Gestern. Und gleich setze ich mich wieder ins Auto, aber der Weg von meinem Haus in Traunwalchen ins Büro am Feiertag dauert nur ein paar Minuten.

Was hören Sie im Auto am liebsten?

Wenn ich mit meinem Fahrer unterwegs bin, nutze ich die Zeit im Auto zum Arbeiten oder, wenn ich übermüdet bin, auch mal zum Schlafen. Da stört Musik eher, da läuft kein Radio.

Was bringt einen gestandenen CSU-Politiker mehr aus der Ruhe: die falschen Nachrichten oder die falsche Musik?

Ach, das ist alles relativ. Ich bin nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen.

Mit wem würden Sie gern einmal zusammen musizieren?

Wie alle arrivierten Amateure träume auch ich von einem Auftritt mit Simon Rattle und den Berliner Philharmonikern. Vielleicht könnte ich das 5. Klavierkonzert von Beethoven spielen oder das 1. Klavierkonzert von Tschaikowsky.

Erübrigt sich die Frage, ob dann lieber Angela Merkel, Horst Seehofer oder der ehemalige Pop-Beauftragte Sigmar Gabriel dirigieren sollten?

Die drei würden mir in diesem Zusammenhang nicht einfallen, ohne sie beleidigen zu wollen.

Wie viele Konzertanfragen sind denn in den letzten Wochen gekommen?

Einige. Aber das geht schon wegen des vielen Übens nicht. Mein Beruf ist schließlich ein anderer. Und das eine Mal ist für den guten Zweck in Sichtweite meines Ministeramtes.

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