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Buch über Musikerkollegen : „Bei den Celli sieht es aus wie nach Termitenbefall“

  • Aktualisiert am

Stopsi, Celli: Hornist Klaus Wallendorf an seinem Arbeitsplatz Bild: Monika Rittershaus

Alle lieben den warmen Ton des Cellos, auch der Waldhornist Klaus Wallendorf. Deshalb hat er ein anekdotenreiches Buch geschrieben, eine Hommage an die Cellisten der Berliner Philharmoniker. Dabei mag er Anekdoten gar nicht.

          Herr Wallendorf, Sie sind seit 1980 Hornist bei den Berliner Philharmonikern und haben gerade das Buch „Immer Ärger mit dem Cello, Liebeserklärung eines irrenden Waldhornisten an die streichenden Kollegen“ veröffentlicht, eine Hommage an die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker. Warum gerade an die?

          Hätten mich die Flöten gefragt, hätte ich es auch für die Flöten geschrieben! Nein – bei mir fing es schon früh auch mit außermusikalischen Liebes- und Freundschaftsbeziehungen zum Cello an, zum Beispiel zu Evelyn und Stopsi. Außerdem lieben alle den warmen Ton des Cellos, selbst der Nachbar im Mietshaus.

          Haben Sie sich je am Cello versucht?

          Nein, das nicht.

          Was haben die zwölf Cellisten zu Ihrem Buch gesagt?

          So richtig getroffen habe ich sie seit dem Erscheinen noch nicht. Auf einer Konzertreise haben mich aber zwei oder drei von ihnen wohlwollend angegrinst.

          Machen Sie ihrer Frau auch so schöne Komplimente wie den Berliner Celli?

          Ja, aber ich brauche nicht so lange dafür. Und im Ehealltag heißt es ja doch eher „Bring mal den Müll runter“ als „Schreib mal ein Buch drüber“.

          Ihr jüngster Sohn Jakob ist dreieinhalb. Hätten Sie gerne, dass er Cello lernt?

          Weil sein Opa Zoodirektor ist, geht er im Moment noch mehr in den Zoo, fürs Cello ist er auch noch zu klein. Das Horn hat mir damals einen Teil meiner Jugend gerettet. Wenn ich in der Pubertät nicht mehr weiter wusste, konnte ich immer noch nach Hause und üben. Also, ja, ein Instrument wird Jakob wohl lernen.

          Sie schreiben: „Pablo Casals soll in seiner Jugend auf einem versiegelten Guarneri di Sansalvatore die Wildwasserstrecke von Santiago de las Finestras bis Agua de Tormenta ohne Helm und Weste in nur 4 Stunden 10 bewältigt haben.“ Das Cello als Outdoor-Sportgerät – wissen Sie noch, wann Ihnen das eingefallen ist?

          Nee, aber einige haben tatsächlich gefragt, ob das erst gemeint ist.

          Wie lange haben Sie unter Karajan gespielt? Gab es unter dem großen Maestro auch heitere Episoden?

          Das müssen sieben, acht Jahre gewesen sein. Karajan war ein lockerer, entspannter, grundheiterer und sehr charismatischer Mann. Anekdoten fallen mir gerade nicht ein, aber Anekdoten mag ich auch nicht. In den letzten zwei Jahren vor seinem Tod 1989 war er ja auch krank und hatte starke Schmerzen, da kann man dann nicht mehr heiter sein.

          Sie sagen, dass Cellostachel auf den kostbaren Bühnenböden der Welt schon Schäden im Wert von mehreren hundert Millionen Dollar hinterlassen haben. Müssen auch in der Berliner Philharmonie die Böden unter den Celli regelmäßig erneuert werden?

          Das mit den „mehreren hundert Millionen Dollar“ ist natürlich ein bisschen fiktiv, aber im Wiener Musikverein zum Beispiel sieht es bei den Celli tatsächlich aus wie nach Termitenbefall. Die Cellisten haben doch eigentlich diese Bretter für unter die Stachel, aber die benutzen sie wohl nicht so gern. Vor kurzem habe ich mit meiner Cello-Freundin Stopsi irgendwo privat gespielt. Da will der Hausherr ja auch nicht, dass dabei sein Laminat zerstochen wird.

          Schon als Hobby-Cellistin weiß ich, was Sie meinen, wenn Sie schreiben, Üben sei extrem zeitaufwendig, schöpferisch unergiebig und damit lästig. So, als müsse ein Schriftsteller zur Instandhaltung seiner Alphabetentums täglich drei Stunden lang Buchstaben niederschreiben. Wie lange haben Sie heute geübt?

          Bei den Berliner Philharmonikern hatten wir heute von 16 bis 19 Uhr Probe. Klar, man muss dauernd üben. Vor einer langen Bruckner-Symphonie mehr, sonst weniger, also vielleicht nur zwei Stunden. Für die Kondition kann man auch einfach vor dem Fernseher lange Töne halten, das stärkt die Lippenmuskulatur. Üben gehört nun mal dazu, das ist wie Zähneputzen.

          Welche Auflage hat Ihr Buch erreicht?

          Oh je, keine Ahnung, aber ich hoffe, dass es bald zu einer zweiten kommt! Natürlich träume ich von einer romantischen Lesereise mit der Bahn, jeden Abend in einer anderen Stadt, die Leute applaudieren, und ich werde steinreich dabei. Aber fürs erste reicht es mir, wenn vor dem Einschlafen meine Frau bei der Lektüre meines Buches neben mir behaglich gackert.

          Die Fragen stellte Ariane Dreisbach.

          Quelle: F.A.Z.

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