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Lissabon : Über die Brücke des Diktators zum Christkönig

  • -Aktualisiert am

Ursprünglich trug die Brücke den Namen des Diktators António de Oliveira Salazar. Bild: AP

Die Brücke des 25. April verbindet Lissabon mit der Algarve. Sie wurde vor 50 Jahren eröffnet – als ganzer Stolz des Diktators Salazar. Wie der „Christkönig“ ist sie allerdings ein Imitat.

          Beides, die Brücke und der Christkönig, sind portugiesische Imitate von Graden. Erstere hat die rote Farbe der Golden Gate Bridge von San Francisco, ist architektonisch aber eine Schwester der Bay Bridge. Der Cristo-Rei mit den geöffneten Armen am anderen Ufer des Tejo wiederum ist der jüngere Bruder des Cristo-Redentor von Rio de Janeiro.

          Ursprünglich trug die Brücke, die am Wochenende ihren fünfzigsten Geburtstag hatte, den Namen ihres Erbauers, des Diktators António de Oliveira Salazar. Die Nelkenrevolution vom 25. April 1974 machte jedoch der Ehre ein Ende. Seitdem heißt sie Brücke des 25. April.

          Die Einheimischen nennen sie der Einfachheit halber „Ponte“. Jeder weiß, welche gemeint ist, nämlich nicht die zweite Lissabonner Brücke weiter nördlich, die als Prunkstück zur Weltausstellung im Jahr 1998 errichtet und nach dem Seefahrer Vasco da Gama benannt wurde. Der „Ponte“ war ein Meisterstück mit Folgen.

          Die 2278 Meter lange Hängebrücke mit einer sechsspurigen Autobahn in der oberen Etage und einem Eisenbahndeck darunter schwingt sich in siebzig Metern Höhe über die Mündung des Tejo. Sie zählt noch immer zu den längsten ihrer Art und verbindet die Hauptstadt mit dem Vorort Almada. Sie ist die Mutter neuer Schlafstädte am anderen Ufer und zugleich die Hauptverkehrsader nach Süden in die Algarve.

          Über alle Einwände hinweggesetzt

          Das Unternehmen United States Steel baute sie in vier Jahren mit importiertem Stahl aus den Vereinigten Staaten. Die Einweihung am 6. August 1966 war Salazars ganzer Stolz. Der sonst äußerst knauserige Politiker hatte sich bei diesem Projekt über alle Einwände seines Kabinetts hinweggesetzt und mehr als zwei Milliarden Escudos – nach heutiger Währung umgerechnet etwa zweihundert Millionen Euro – investiert.

          Als er einmal gefragt wurde, woran man sich bei ihm erinnern werde, sagte er ohne Zögern „die Brücke“. Doch schon nach acht Jahren wurden die Lettern seines Namens von den revolutionären linken Militärs entfernt.

          Noch immer bietet die Brücke bei der Überfahrt die atemberaubendsten Blicke auf eine der schönsten Städte der Welt. Wer die Aussicht indes eine Weile in Ruhe genießen will, zweigt zum Christkönig ab, der auf einem fünfundsiebzig Meter hohen Sockel Lissabon zugewandt thront. Auch der Cristo-Rei hat seine Geschichte.

          Skulptur des Erlösers

          Bei einem Besuch in Rio im Jahr 1934 begeisterte sich der Lissabonner Erzbischof Dom Manuel Gonçalves Cerejeira für die Skulptur des Erlösers. Mit dem Plan, sie zu kopieren, ging es ihm bei seinen Bischöfen zunächst aber ähnlich wie Salazar im Kabinett.

          Erst im Jahr 1940 gelobten sie in Fátima, einen Cristo-Rei zu errichten, wenn Gott – und Salazar – Portugal tatsächlich aus dem Zweiten Weltkrieg heraushalten würden. Das gelang. Ein Jahr nach Kriegsende begann der Bau, zehn Jahre später und sieben Jahre vor der Eröffnung der Brücke war die Statue fertig.

          2,10 Euro für einen Personenwagen

          Während der Christkönig in einem zunehmend laizistischen Land nicht kontrovers ist, ist die Brücke ein Ort, an dem nicht nur Marathonläufe beginnen. Wegen einer Erhöhung der Mautgebühren organisierten die kommunistischen Gewerkschaften in den neunziger Jahren heftige Proteste mit Ausschreitungen, die dem damaligen Ministerpräsidenten und späteren Staatspräsidenten Aníbal Cavaco Silva schwer zu schaffen machten.

          Aus Sicherheitsgründen sind Demonstrationszüge inzwischen aber verboten. Bei der Einfahrt in die Stadt von Süden sind noch immer 2,10 Euro für einen Personenwagen zu entrichten. Im Ferienmonat August gibt die Regierung jedoch alljährlich Einheimischen und Urlaubern freie Fahrt.

          Quelle: F.A.Z.

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