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Britische Touristen : Verhaltensauffälligkeiten in der Ferne

Die Verfehlungen mancher Briten sollen anderen eine Warnung sein Bild: REUTERS

Das Foreign Office hat Verhaftungen, Krankenhausaufenthalte und Todesfälle britischer Touristen ausgewertet. Das Resultat ist ernüchternd. Aus den Daten wird nun eine warnende Statistik für das nächste Jahr vorbereitet.

          Am Ende der Urlaubszeit beginnt das britische Außenministerium mit der Schadensbegutachtung: Es zählt die Verhaftungen, Krankenhausaufenthalte und Todesfälle britischer Touristen in fremden Ländern und bereitet aus den Daten eine warnende Statistik für das nächste Jahr vor. Den Sinn der Fleißarbeit verrät der Titel des Berichts: „Britisches Betragen im Ausland“. Zwar schickt das Ministerium nicht Konsularbeamte an die Strände Mallorcas, der Cote d'Azur oder der Costa Brava, um dort unmittelbar Eindrücke des alkoholreichen Ferienverhaltens zu gewinnen, doch die nüchternen Daten, die bei der Auswertung des Schriftverkehrs mit ausländischen Justizbehörden, Krankenhäusern oder Standesämtern gewonnen werden, sind schon aussagekräftig genug.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Britische Zeitungen halten gerne das Klischeebild teutonischer Touristen lebendig, die an Swimmingpools und Stränden schon zeitig Reservierungshandtücher für ihre Sonnenliegen schwenken. Jüngst berichtete die „Times“ überdies von der deutschen Sitte, Urlaubsmängel minutiös zu registrieren, um später Reiseveranstalter zu einer Rückzahlung von Reisekosten zwingen zu können. Während Touristen aus anderen Ländern sich bloß amüsierten, wenn eine Kakerlake auf dem Teppich erscheine oder der Ventilator kaputt sei, sammelten die Deutschen solche Beweise mit kriminalistischem Eifer. Etwa 30.000 Deutsche pro Jahr gingen mit ihren Reisebeschwerden zu Hause vor Gericht, meldete die „Times“.

          Verhaftungen nach Alkoholexzessen

          Die Folgen britischer Amüsiertheiten zur Urlaubszeit enden unterdessen gleichfalls öfters vor den Justizbehörden. Das Londoner Foreign Office gibt in seiner neuesten Statistik an, in der Urlaubssaison des vorvergangenen Jahres (zwischen April 2006 und März 2007) seien allein in Spanien 2.032 Briten von der Polizei in Arrest genommen worden, mehr als in Frankreich (153) oder Griechenland (230), in Deutschland (162) oder auf Zypern (immerhin 377). Viele Festnahmen hätten ihren Grund in Verhaltensauffälligkeiten gehabt, schreibt das Auswärtige Amt, die durch „exzessives Trinken“ verursacht worden seien. Und es gibt die Empfehlung: „Seien Sie sich Ihrer Grenzen bewusst und versuchen Sie, nicht mehr zu trinken, als Sie das zu Hause auch tun würden.“

          Die Mahnung des Amtes wurde offenkundig auch dadurch motiviert, dass die Zahl der Festnahmen in Spanien und Frankreich im Vergleich zu den Vorjahreszeiträumen jeweils um mindestens ein Drittel gestiegen war. Aus den Alkoholexzessen folgte überdies eine steigende Zahl von Vergewaltigungsfällen. Das Auswärtige Amt registrierte 29 von britischen Staatsbürgerinnen gemeldete Fälle in Spanien und 28 in Griechenland.

          „Trink nicht über den Durst“

          Die Parlamentarische Staatssekretärin im Außenministerium, Meg Munn, sagte dazu, Griechenland sei ein Ziel für viele junge Briten, die mitunter zum ersten Mal ohne ihre Eltern verreisten. Es habe Besorgnis gegeben über die hohe Zahl britischer Reisender, die dort Opfer sexueller Gewalt würden. Daher habe sich das Auswärtige Amt zu einer Informationskampagne entschlossen und Botschaften auf Postern, aber auch auf Bierdeckeln veröffentlicht: „Geh nicht mit einem Fremden“, „Trink nicht über den Durst“. Meg Munn berichtet, in Griechenland habe das schon gewirkt, die Zahl der Vergewaltigungen sei dort gesunken. Es werde jetzt daran gedacht, diese Informationspolitik auch an anderen „Brennpunkten“ des britischen Auslandstourismus anzuwenden.

          Einen weiteren Anlass zu Sorgen bietet die Krankenhausstatistik. Auch hier liegt Spanien an erster Stelle: Knapp 700 Einweisungen britischer Staatsbürger wurden von den Konsulaten registriert; etwa 600 waren es in Griechenland. Doch während Spanien, jedenfalls in der vorvergangenen, hier erfassten Saison, von 17 Millionen britischen Gästen besucht wurde und damit ihr beliebtestes Ziel blieb, reisten nach Griechenland nur drei Millionen. Die relative Zahl der Verletzten lag dort also höher. Das höchste statistische Risiko, eine Reise im Krankenhaus zu beenden, hatten britische Touristen in Thailand: Die meisten seien Opfer von Motorradunfällen geworden, gibt das Auswärtige Amt an und rät: Tragen Sie beim Motorradfahren auf jeden Fall immer einen Helm.

          Quelle: F.A.Z.

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