10.02.2005 · Hätte sich Elisabeth II. schon vor 35 Jahren erweichen lassen, wäre ihr viel Ärger erspart geblieben. Camilla war all die Jahre mehr als nur eine gute Freundin, für Diana war sie immer „die dritte in der Ehe“.
Die Königin hatte recht. „Charles ist ein hoffnungsloser Fall“, soll sie Diana 1986 geantwortet haben, als die Schwiegertochter in Tränen aufgelöst vor ihr stand. „Was soll ich bloß tun“, hatte Diana die Königin gefragt. „Charles trifft sich wieder regelmäßig mit Camilla.“ Elisabeth II. konnte oder wollte nicht helfen.
Zuvor hatte der Thronfolger seiner Frau empört an den Kopf geworfen: „Ich weigere mich, der einzige Prinz von Wales ohne Mätresse zu sein!“ Vielleicht dachte Charles dabei an seinen Ururgroßvater Edward, der ein Techtelmechtel mit einer gewissen Alice Keppel hatte, die wiederum die Urgroßmutter von Camilla war.
Camilla - nicht standesgemäß
Eine Mätresse hätte Camilla nicht werden müssen, auch wenn Charles' Onkel, Lord Mountbatten, schon 1971 abfällig von ihr als „idealem Mätressenmaterial“ sprach. Als der zweiundzwanzigjährige Prinz, der seit seinem vierten Lebensjahr den Titel Herzog von Cornwall trägt, die ein Jahr ältere Camilla Shand bei einem Poloturnier traf, waren beide noch ungebunden. Doch eine Ehe kam offenbar nicht in Frage. Auch der Onkel riet Charles dringend ab: „In einem Fall wie dem deinen sollte sich ein Mann erst die Hörner abstoßen. Aber als Frau sollte er ein standesgemäßes, reizendes Mädchen nehmen.“
Standesgemäß und reizend war Camilla, Tochter des Weinhändlers Bruce Shand, schon damals nicht. Und der Thronerbe war ein vielbeschäftigter Mann, der in den Siebzigern eine umfassende militärische Ausbildung absolvieren mußte. So sah man sich, doch als Charles 1973 Richtung Karibik davonsegelte, heiratete Camilla den Offizier Andrew Parker Bowles, den früheren Freund von Charles' älterer Schwester, Prinzessin Anne.
Dianas panische Angst
Spätestens im Jahr 1978 begann eine ernsthafte Affäre zwischen dem Noch-immer-Junggesellen und der zweifachen Mutter (Charles ist der Patenonkel von Camillas Sohn Tom). Erst drei Jahre später verlobte sich Charles mit Lady Diana Frances Spencer. Liebe war offenbar nicht im Spiel. Auf die Frage eines Journalisten, ob sie ihn denn liebe, antwortete die noch unbekümmerte Kindergärtnerin: „Ja, natürlich.“ Charles ergänzte: „Was auch immer ,lieben' heißen mag.“
Diana sagte später, die Aussage ihres Verlobten habe sie traumatisiert. Sie habe panische Angst vor der Ehe gehabt: Schließlich hätten sie sich vor der Hochzeit nur ganze 13mal getroffen. Camilla blieb offenbar all die Jahre mehr als nur eine gute Freundin des Prinzen von Wales. Berühmt ist Dianas Aussage, Camilla sei „die dritte in der Ehe gewesen, und es wurde auf Dauer doch ein wenig eng“.
Camilla hoffähig machen
Schon Ende der Achtziger tauchten erste Gerüchte auf. Im Juni 1992 wurde die außereheliche Beziehung durch Andrew Mortons Buch: „Diana: Die wahre Geschichte von Diana“ bekannt. Im Dezember desselben Jahres gab der Premierminister die Trennungsabsichten des Prinzenpaares bekannt. Wie wenig Charles sich von Anfang an aus seiner schönen Frau machte, teilte er der Welt 1994 - wiederum in einem Buch - offiziell mit, und auch, daß er sie mit der von der Mehrheit der Briten ungeliebten Camilla betrogen hatte.
Damit war nicht nur die Ehe von Charles und Diana am Ende, sondern auch die von Camilla und Andrew Parker Bowles. Beide Paare ließen sich scheiden. Seit 1996 hat Charles nichts unversucht gelassen, Camilla hoffähig zu machen. Schon wenige Monate nach Dianas Unfalltod trat Camilla erstmals auf Sandringham, dem Landsitz der Königin, an der Seite des Thronfolgers auf. Und bereits im Juli 1998 feierten Charles und Camilla mit den Söhnen William und Harry gemeinsam Geburtstag - keine offizielle, „nur“ eine vorgezogene Party für den Prinzen von Wales. Nach und nach ließ sich auch die Königin erweichen, die die einstige Mätresse ihres Sohnes schließlich sogar zu ihrem 50. Krönungsjubiläum im Mai 2003 einlud. Elisabeth II. stimmte nun wohl auch der Ehe zu. Hätte sie sich schon vor 35 Jahren erweichen lassen, hätte sie sich und ihrer Familie viel Ärger ersparen können.