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Handtuch-Mythos : Deutscher als die Deutschen

Wer reserviert eher die Liegen am Pool mit dem Handtuch? Deutsche, oder britische Urlauber? Bild: AFP

Aufstehen, Handtuch auf die Liege, nochmal schlafen gehen – für Briten ist dieses Vorurteil fest mit dem deutschen Urlauber verwachsen. Doch eine Studie enthüllt eine dramatische Umkehr der Verhältnisse.

          Auf der britischen Rangliste der Stereotype belegt das deutsche Handtuch den Ehrenplatz. Im Sport, zumal in der einfältigen Art von Fußballberichterstattung, sind wir noch hin und wieder die „Krauts“, die den Gegner im Strafraum mit „Blitzkrieg“ überziehen. Aber im Alltag hat sich das Bild pazifiziert. Der Brite sagt jetzt Deutschland und denkt an Vorsprung durch Technik und chemiefreies Bier, an goldenes Handwerk und Änschela Mörkel. Und noch lange davor denkt er an: Handtuch.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Dabei ist die Legende vom Handtuch, das der deutsche Urlauber im Morgengrauen auf die Sonnenliege legt, um sie für den Rest des Tages zu sichern, nicht nur harmloser Spott. In ihr lebt nicht weniger fort als die Angst vor deutscher Dominanz. In dem Youtube-Video „Bloody German get the Towel on the Sun Bed first!“ (Verfluchter Deutscher kriegt sein Handtuch als Erster auf die Sonnenliege) wacht ein deutsches Ehepaar verspätet auf und muss aus dem Hotelfenster beobachten, wie sich ein englisches Paar den letzten beiden Pool-Liegen nähert. Entschlossen legt der deutsche Mann ein martialisches Kanonenrohr an und schießt, über die Köpfe der Briten hinweg, zwei schwarz-rot-goldene Handtücher auf die Liegen.

          Hier, wie im Klischee, sieht man den ewigen Deutschen: kompromisslos, effizient, unbedingt. Es ist sicher keine Übertreibung, im Handtuch die weichgespülte Variante der dicken Bertha wiederzuerkennen, die zu Frottee geronnene V2.

          Briten reservieren „zweimal wahrscheinlicher“

          Man kann sich vorstellen, wie zögerlich die britischen Zeitungen jetzt über eine Studie berichteten, die mit dem liebgewonnenen Mythos vom Handtuch aufräumt. 2000 Landsleute und 2000 Deutsche hat das britische Urlaubsportal „TravelSupermarket“ nach ihren Gewohnheiten befragt und dabei eine dramatische Umkehr der Verhältnisse enthüllt.

          Die gezielte Handtuchreservierung knapper Pool-Liegen sei unter Briten „zweimal wahrscheinlicher“ als unter Deutschen, heißt es in dem etwas gewunden formulierten Befund. Womöglich ist damit gemeint, dass Briten nur doppelt so oft darüber nachdenken wie Deutsche (aber im letzten Moment vor dem Moment der Peinlichkeit zurückschrecken). Wahrscheinlicher ist jedoch, dass hier ein für britische Ohren unerfreulicher Sachverhalt mit landesüblicher Zurückhaltung umschrieben wird.

          Die weiteren Ergebnisse der Umfrage entsprechen dann überwiegend den kulturellen Erwartungen. Im Vergleich zu den Briten reisen die Deutschen an weiter entfernte Urlaubsorte, essen dort gesünder, treiben mehr Sport und trinken nicht ganz so viel Alkohol. Das klingt alles nach dem vertrauten Vorsprung durch Ambition und Disziplin, weshalb das Gesamturteil am Ende auch nicht überraschen kann: Die Deutschen, sagen die Briten, seien „arrogant“ und „langweilig“.

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