23.09.2003 · Die deutsche Sprache und auch das iberische Pferd haben einen, der Baum und das Geotop, der Schlaf wie das Butterbrot - einen Gedenktag, der sie ins öffentliche Interesse zerrt.
Die deutsche Sprache hat einen und auch das iberische Pferd. Der Baum und das Geotop, das Wasser und das Bier, der Kuß und der Orgasmus, der Schlaf und auch das Butterbrot - sie alle werden an einem ganz speziellen Tag des Jahres in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt. Die einer bestimmten Sache geweihten Tage dienen der Erinnerung, manchmal auch dem Kommerz, sie wollen aufrütteln, Mißstände aufzeigen oder laden auch einfach nur ein zu Spiel und Spaß.
Zu zahlreichen Gedenktagen vom Internationalen „Tag der Muttersprache“ am 21. Februar bis zum „Internationalen Tag der Migranten“ am 18. Dezember rufen in jedem Jahr die Vereinten Nationen auf. Mit diesen Tagen „wollen wir an wichtige Daten erinnern“, sagt Arne Molfenter vom Informationszentrum der Vereinten Nationen in Bonn. Die meisten Gedenktage seien an ein bestimmtes Ereignis gekoppelt, das an diesem Tag stattfand. Sie seien als Appell gedacht, „gewisse Themen nicht aus den Augen zu verlieren“.
Welttourismus und Butterbrot
Bei den Vereinten Nationen steht als nächstes am Samstag der „Welttourismustag“ an. Er soll darauf aufmerksam machen, daß verantwortungsvoller Tourismus Armut mindert, Arbeitsplätze schafft und für soziale Harmonie sorgt. Ein Tag zuvor, am Freitag, wird in Deutschland der von der Centralen Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft mbH (CMA) ausgerufene „5. Tag des Deutschen Butterbrotes“ gefeiert. Mit zahlreichen Aktion wolle die CMA „das Butterbrot, den alten Klassiker, in den Vordergrund rücken“, sagt Antje Preusker, für Butter zuständige Projektmanagerin der CMA.
Das Konzept, das Butterbrot mit einem speziellen Tag (immer der letzte Freitag im September) in Szene zu setzen, „funktioniert“, betont Preusker. Die CMA sei mit dem Medieninteresse „sehr zufrieden“. Die Gefahr eines inflationär hohen und sich damit selbstbeschädigenden Aufkommens von speziellen Tagen sehe sie deshalb nicht.
Kuß und Orgasmus
Natürlich hat auch die schönste Nebensache der Welt ihre Tage. Wie bild.t-online berichtet, wird in England am 1. August der „Tag des Orgasmus“ gefeiert. Weltweit darf am 6. Juli offiziell geschmust werden, dann steht der „Internationale Tag des Kusses“ im Kalender.
Hin und wieder wird dem „Tag des...“ auch vorgeworfen, nur der Geschäftemacherei bestimmter Branchen zu dienen. Und es kommt wohl nicht von ungefähr, wenn die Arbeitsgemeinschaft der Friedhofsgärtner angesichts eines Trends zur anonymen Bestattung am „Tag des Friedhofs“ auf die Bedeutung herkömmlicher Gräber als Ort der Erinnerung hinweist.
Erinnerung und Zukunft
Oft steht am Anfang eines Spezialtages aber auch uneigennütziges Engagement. So hat Julius Sterling Morton, der im baumarmen Nebraska eine kleine Farm bewirtschaftete, Anfang 1872 eine „Arbor Day-Resolution“ verfaßt und einen jährlichen „Tag des Baumes“ gefordert. „Andere Festtage dienen der Erinnerung, der Tag des Baumes weist in die Zukunft“, betonte Morton damals.
Und tatsächlich trat seine Idee in den Folgejahren einen weltweiten Siegszug an. 1951 gab die Food and Agriculture Organisation der UN die Empfehlung heraus, jedes Jahr solle in allen Mitgliedsländern ein „Weltfesttag des Baumes“ gefeiert werden. Deutschland feierte den „Tag de Baumes“ erstmals am 25. April 1952. Am 25. April 2003 war der Tag dem „Baum des Jahres“, der Schwarzerle, gewidmet.