14.05.2006 · Bei mehr als 60 Anschlägen auf Polizisten sind in Sao Paulo mindestens 36 Menschen getötet worden. Hinter den Anschlägen wird eine Mafiagruppe vermutet, deren inhaftierte Drogenbosse 20 Gefängnisrevolten angezettelt haben.
Mindestens 36 Menschen sind in Brasilien bei einer Serie von Anschlägen auf Sicherheitsbeamte innerhalb weniger Stunden getötet worden. Außerdem gab es bei den insgesamt 55 Angriffen 38 Verletzte.
Die Attentate geschahen zwischen Freitagnacht und Sonntagmorgen in Sao Paulo sowie in anderen Gemeinden des gleichnamigen Bundesstaates, so in Mogi Mirim, Sao Jose de Rio Preto, Ribeirao Preto, Osasco, Cubatao und Guaraja.
Gefängnisrevolten in Sao Paulo
Die Aktionen seien vermutlich eine Antwort von kriminellen Gruppen auf die Zwangsverlegung von etwa 765 Gefängnisinsassen in ein Hochsicherheitsgefängnis, teilten die Behörden mit. Dabei waren unter anderen auch mindestens acht ranghohe Mafiabosse isoliert worden. Hinter den Anschlägen wird die Mafiagruppe "Erstes Hauptstadt-Kommando", "Primeiro Comando da Capital" (PCC), vermutet, die 1993 gegründet wurde und vor allem mit Drogen- und Waffenhandel beschäftigt ist.
Außerdem brachen am Samstag mehr als 20 Gefängnisrevolten in Sao Paulo aus. Hunderte von Gefängnisbesuchern wurden am Sonntag als Geiseln festgehalten. 18 Gefängnisse würden von rund 25.000 rebellierenden Häftlingen kontrolliert.
Straßensperren und Krisensitzung
Bei den getöteten Menschen handele es sich um 22 Polizisten, vier Gefängniswärter, die Verlobte eines Polizeibeamten, einen weiteren Zivilisten sowie acht mutmaßliche Verbrecher. Innerhalb von 30 Stunden wurden mindestens 73 Anschläge auf Polizeiwachen und Patrouillenwagen sowie auch auf Gefängniswachhäuser verzeichnet.
Der Gouverneur des Bundesstaates Sao Paulo, Claudio Lembo, kündigte eine Krisensitzung mit den Chefs der Sicherheitsorgane an. Zahlreiche Straßen von Sao Paulo wurden am Samstag von der Polizei gesperrt. Zudem seien wichtige Gebäude wie die Polizeizentrale unter Sonderschutz gestellt worden. Mindestens 16 Personen wurden verhaftet.
Bis zum Samstag abend brachte die Polizei nach eigenen Angaben sechs Haftanstalten wieder unter ihre Kontrolle und befreite etwa 50 Geiseln. Der brasilianische Staatspräsident Luiz Inacio Lula da Silva forderte in einer in Wien abgegebenen Erklärung seinen Justizminister Marcio Thomas Bastos auf, alles zu tun, neue Verbrechen und weitere Tote zu verhindern. Die Gewalt in Brasilien führte Lula darauf zurück, daß über Jahre keine wirksamen Sozialprogramme aufgelegt worden seien.