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„Bote aus dem Bundestag“ tot : Das war’s

Der Bote: Jürgen Dietz Bild: Helmut Fricke

Die Mainzer Fastnachter trauern um den „Boten aus dem Bundestag“. Jürgen Dietz, der als scharfzüngiger Saaldiener seine Paraderolle fand, starb mit 73 Jahren.

          Deutschland, Deutschland, über alles, über alles wächst mal Gras. Ist das Gras ein Stück gewachsen, frisst’s ein Schaf und sagt, das war’s.“ Mit diesen Worten hat sich der „Bote vom Bundestag“ am Ende seiner Prosa-Vorträge über mehr als drei Jahrzehnte hinweg von seinem Publikum verabschiedet. Am Samstag ist der Mainzer Fastnachter Jürgen Dietz im Alter von 73 Jahren für immer von der Bühne abgetreten.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz.

          „Wir alle sind sehr traurig und betroffen über den Tod unseres Vizepräsidenten, Vorstands- und Komiteemitglieds“, sagte Richard Wagner, der Präsident des Mainzer Carneval-Vereins (MCV) von 1838, am Sonntag. Dietz hatte die närrische Rostra erstmals in den fünfziger Jahren in der Bodenheimer Gaststätte „Zum Rheintal“ betreten, später dann verschiedene Charaktere wie die Freiheitsstatue und den Simplicissimus verkörpert, ehe er 1983 seine Paraderolle fand. Als scharfzüngiger Saaldiener aus der Bundeshauptstadt gab er – ob unter Kohl, Schröder oder Merkel – der Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz“ seitdem ein Gesicht. Dabei sei der gebürtige Mainzer nicht nur ein brillanter Redner gewesen, sagte Wagner. Als Programmgestalter des MCV habe er darüber hinaus stets das Ganze im Blick gehabt.

          Privat setzte sich Dietz für Benefizveranstaltungen und Hilfsaktionen ein. So war es ihm zuletzt im vergangenen Herbst gelungen, Medikamente und medizinisches Zubehör im Wert von fast 200.000 Euro für Flüchtlingslager im türkisch-syrischen Grenzgebiet zu organisieren.

          Zu Beginn der Kampagne 2015 musste der an Krebs erkrankte Unternehmer, der mit seiner Tochter in Mainz und Erfurt zwei Firmen für medizintechnische Geräte führte, alle Auftritte absagen – dazu gehörte auch die Teilnahme an der 60. Fernsehsitzung, die von der ARD am kommenden Freitag aus dem Kurfürstlichen Schloss übertragen wird. „Die Fernsehfastnacht ohne den ,Boten aus dem Bundestag’ ist kaum vorstellbar“, sagte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) am Sonntag. Der Familie sprach sie ihr Beileid aus: „Er plauderte aus dem hohen Haus und schaute den Mächtigen aufs Maul. Er legte die Finger in die Wunden, ohne zu verletzten.“

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