14.09.2012 · Bordeaux statt Porto: Eine Frau mit sächsischem Dialekt hat am Telefon versehentlich das falsche Ticket gebucht. Sie klagte deshalb vor Gericht – und verlor.
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Der Richter irrt moeglicherweise auf Basis der Verfassung und des
Menschenrechts. Normalsituation wird als Grundlage genommen, ohne zu
bedenken, dass diese Normalsituation ein verfasungsgemaesse menschliches
Recht verletzen kann (z.B. Muss sie Hochdeutsch sprechen? Muss sie sich
klar und unmissverstaendlich ausdruecken?) Er kann nicht annehmen, dass
zweimal deutlich gesprochenes Hochdeutsch von jedem Deutschsprechenden
immer verstanden wird. Er muss auch pruefen, wie in diesem Fall
ueblicherweise in der Reisebranche gemacht wird. Das Nachfragen ist
berufsbedingt stets an der Tagesordnung, die kritischen Informationen
muendlich oder schriftlich entgegennehmen und verarbeiten muessen.
Die Verantwortung liegt bei ihr, wenn sie das Flugticket oder die
Reise-Itinerar schriftlich vor der Reise bekam.
Besseres Honeymoon dank dem Missverstehen?
Sydney in Nova Scodia waere romantischer als die in Australien. Das Paar
auf Honeymoon koennen mit sich selbst mehr beschaeftigen in dem stillen
Oertchen im Wald als in der Metropole.
So ne Sprache zu beherrschen ist keine einfache Sache, was?
Dazu noch mit einem Dialekt zu kommunizieren, kein Wunder es kann
schwierig werden.
Obwohl Porto und Bordeaux dem ungeschulten Ohr gleich vorkommen,
wundere ich mich was wohl passiert waere haette man an Stelle,
"Bordo" verstanden?
Ob man dann nach einem Bordello gesucht haette? Wenn schon dann
wuerde sich eine ganz andere, und sicherlich interessante Situation
entwickel haben.
Was das Gericht mit sowas wohl anfangen wuerde?
Ob Esperanto als Sprache sowas vermieden haette?
Seit diesem Bericht strenge ich mich an meinen Dialekt so gut wie
moeglich zu uebersetzen und hoffe nur dass die Zuhoeren gut aufpassen
was ich da sage.
I love you baby. Ob sie das verstehen?
Pax vobiscum
Und kaum kommt die Geschichte auf, kündigt die Deutsche Post eine Bordeauxerhöhung an.
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 16.09.2012 17:56 UhrIhr Kommentar gefällt mir wirklich gut, Herr Walter.
...
Mehr von sowas, Bitte!
Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 20.09.2012 14:35 UhrNa, ja. Goethen..
.. seine im Klartext formulierten Erkenntnisse haben ähnliche
Verwirrungen und Verirrungen
(bei den Steinerleuten) hervorgerufen.
Leider in Deutschland eine allzu sehr überschätze Figur, mit
einem künstlich wirkenden Werk "Art-pour-Art" und einer
geschickt konstruierten Öffentlichkeitsarbeit
Selbst Goethe...
der ja bekanntlich gerne Frankfurter Mundart sprach, soll so etwas passiert sein. Seine letzten Worte waren ja angeblich: "Mehr Licht!" Dabei wissen Eingeweihte, dass er vermutlich "Mer lischt schlecht" (Man liegt schlecht) sagen wollte... ;-)
göntsch mich dohdsaufen.
Es wäre nur mal interessant, wie unsere Richter reagiert hätten,
wenn es sich um andere Neuzugezogene gehandelt hätte. Ich gehe jede Wette ein, dass dann da Unternehmen hätte zahlen müssen wg. Gleichbehandlung und so...
Wie eine Stuttgarterin auf Hochdeutsch spricht und dabei auch noch Bordeaux sagt,
würde ich gerne mal hören.
Ohnehin: Wie klingt eigentlich Bordeaux auf Hochdeutsch?
Aber der Unterhaltungswert dieser Geschichte wiegt doch die 294 Euro auf, oder?
Und diese Geschichte kann die Frau doch noch lange erzählen.
Es muss nicht immer Sächsisch sein...
Vor ein paar Jahren buchte ich in einem Reisebüro ein Ticket nach Los Angeles. Da ich meine Kreditkarte zu Hause vergessen hatte, holte ich erst am nächsten Tag das Ticket ab. Ich kontrollierte nochmal die Daten und stutzte: Als Ziel-Flughafen war da LOS angegeben. Ich wußte aber, dass der Airport Los Angeles im Flugverkehr LAX heißt. Es stellte sich heraus, dass LOS für Lagos/Nigeria steht. Hätte ich das nicht bemerkt, wäre es mir ergangen wie dem Paar, von dem ich etwas später in der Zeitung las. Die hatten - in demselben Reisebüro! - für ihre Hochzeitsreise einen Flug nach Sydney (SYD) gebucht. Sie landeten in Nova Scotia/Kanada. In dem Reisebüro hatte man offenbar nicht bemerkt, dass dort das Flug-Kürzel für das winzige Städtchen Sydney in Kanada (YQY) eingegeben worden war... Keine Ahnung, ob das Paar dort seinen Honeymoon verbrachte ;-)
..und jetzt wissen wir auch, warum. Dennoch: Ich mag die Sachsen. Sie sind unkompliziert und äüßerst tüchtig. Das Leben wäre nur halb so lustig ohne sie.
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 15.09.2012 20:08 UhrZur Prävention oder auch nur zur Sensibilisierung: Es gibt zum
Thema Verhören ganze Handbücher, wie bspw. das kleine Handbuch
des Verhörens in mindestens drei Bänden.
Kommunikation ist halt oft auch Glückssache.
Klassischer Kommunikations-Unfall
Das hätte auch einem Hessen, einem Franken oder einer Schwäbin
passieren können. Denn die Laute b-p und d-t sind klanglich in
vielen oberdeutschen Dialekten sehr oft ununterscheidbar. Mich wundert
eher, daß beide Telefonierenden offenbar auch die Betonung
verwechselt haben («Pórto / Bordó»), daran
hätte man es merken müssen.
Die Reisebranche könnte das zum Anlaß nehmen, solche
Risikofälle zu sammeln und entsprechende Sicherungen
(»welches Land?«) einzuführen.
ach wir Sachsen ,passiert uns doch öfter
z.B.:beim verlechen vom Baquett-booten.;-))
ich komm mit dem Unterbayrischen-Italienisch nicht zurecht.
Und bitte sie um Hochdeutsch
Einer der in Hessen lebt.
Auf Hochdeutsch bitte
Wie heisst Baquett-booten auf Hochdeutsch?
Ich hatte über den Artikel schon herzlich lachen müssen...,
aber Ihr 'Baquett-Booten' schlägt 'Bordöö' um Längen !
Haben Sie davon vielleicht noch mehr auf Lager ?
Vielen Dank schon mal !
sagen können, dass sie nach Bordo in Bordeauxgal fliegen möchte.
Wird im hessischen Bordo ausgesprochen, beide. Das P ist gesprochen weitgehend unbekannt m.E.
wenn ich mich nicht irre. Schöne Grüße aus Hessen
Solche Missverständnisse aufgrund von stark mundartlich geprägter Aussprache kommen wohl öfter vor; nur haben sie meist nicht so weitreichende Konsequenzen, wie hier geschildert. Ich erinnere mich, wie ein Kollege aus Mainz in einem Restaurant erstaunt reklamierte, als ihm die Bedienung eine FANTA als Getränk brachte. Er war der Meinung, Fondant (Wein) bestellt zu haben...
Antworten (5) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 18.09.2012 16:19 Uhres wird auch missgeschrieben
Das seltene Wort Fondant koenne als Fontant missgeschrieben sein. Da
bekommt man sicher Fonta. Ich bestelle lieber Sprudel, da bekomme ich
Rueckfrage, "welche?" Das gleiche, bestelle mit
"Wein", und dann "Fondant".
Besser nicht sprechen!
Da haette der Mainzer schreiben sollen wie eine taube Person das immer
macht, weil sie weiss, dass ihre Aussprache nicht immer verstanden wird.
auch falsch
der Weiße aus der Westschweiz heißt "Fendant".
Das Restaurant ...
... war aber dann wahrscheinlich in Sachsen.
Dazu hatte sich Ringelnatz schon vorab geäussert !
Hellsichtig, wie er war, hat sich Joachim Ringelnatz zu dem Casus schon
vorweg geäussert, auch wenn er Spanien dabei ins Visier genommen hat:
"Der sächsische Dialekt
Wenn man den sächsischen Dialekt
Ein bisschen dehnt und ein bisschen streckt
Und spricht ihn noch ein bisschen tran'ger;
Dann hält ein jeder für einen Spanier!"
(Joachim Ringelnatz)
Da macht L’Tur sehr schlechte Werbung wegen nur 300 Euro, zumal
dies ja sonst noch nie passiert ist.
Es ist unverständlich, warum bei einem deutschen Besteller
französische Aussprache Kenntnisse vorausgesetzt werden. Wie soll
das jemand verstehen können, der kein Französisch und kein
Portugiesisch kann? Das wäre unmöglich. Die Bestellerin konnte
nicht wissen, wie Porto richtig ausgesprochen werden muss. Und
außerdem sitzen in der Telefonzentrale manchmal auch Menschen, die
einen regionalen oder fremdländischen Akzent sprechen. Dann kann
keiner mehr sicher sein, ob er richtig oder falsch gebucht hat und muss
am Flughafen womöglich eine unangenehme Überraschung erleben.
Es ist unverständlich, warum nicht auch das Land mit angegeben
werden muss. Dann wäre dieser Fehler ausgeschlossen gewesen und die
Bestellerin hätte sofort geantwortet, dass sie nicht nach
Frankreich fliegen wollte.
kann auch gemacht werden, aber ...
Stimmt, die Anrufer waere gut geraten, zusaetzlich das Land anzugeben.
Aber Verantwortung hat sie nicht, da sie moeglicherweise kommunikativ
unefahren ist. Aber die Verantwortung liegt auf die kommunikativ
Erfahrenere oder Professionelle, die taeglich telefonisch Auftraege
entgegen nimmt. Die Firma moechte bestimmt, dass ihre Beschaeftigte
einen guten Kundendienst macht. Die Branche wuerde bestimmt schon
wissen, dass das wiederholte deutliches Sprechen in Hochdeutsch das
Verstehen nicht garantiert, wenn sie nicht in gleichem Dialekt
(Hochdeutsch ist auch Dialekt) sprechen.
Schwerhoerigentaktiken lernen
Der Reisevermittler (m/w) muss alle Kommunikationstaktiken der
Schwerhoerigen auswendig lernen. Das sollte ein Teil des Berufs sein und
dessen Koennen geprueft werden.
@ Herrn Mueller
Wirklich ausgesprochen überzeugend, Ihr Kommentar.
... achwas?!
All Ihre Vorhaltungen muss man der sächselnden Anruferin machen,
aber nicht der entgegennehmenden, korrekt sprechenden Dame im
Reisebüro.
Die Sächsin (die ja in Stuttgart irgendwann bemerkt haben muss,
dass sie "anders" spricht) hätte sagen sollen:
"Bordo in Pordogall" und schon wär nix Schlimmes
passiert. Das ist einer der Fälle, in denen das Gericht mal LOGISCH
und menschlich geurteilt hat. Da lacht das Herz.
DAU
Sydney: badehose oder eisberg? (Bundes-)staat ist z.b. in USA pflichtangabe/-nachfrage. Frankfort wo bitte? Trotzdem wird es gegen den DAU (dümmste anzunehmende user) kein 100%ig sicheres system geben.